Ein Hellseher und ein Hochstapler aus Lünen

Serie: "Hundert und eine Erzählung"

„Hundert und eine Erzählung" haben die Autoren Fredy Niklowitz, Dr. Widar Lehnemann und Wilfired Heß in ihrem gleichnamigen Buch zusammengetragen. Wir haben die spannendsten Sagen ausgewählt und stellen sie in einer Serie vor. Heute geht es um einen Hellseher aus Brambauer und einen Hochstapler.

Brambauer

09.09.2017, 07:57 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Waltroper Straße um 1940. Über die Straße führt die alte Seilbahn. Auf der linken Seite neben dem Gebäude im Vordergrund steht die Herz-Jesu-Kirche. Das Foto stammt aus der umfangreichen Sammlung von Inge und Friedhelm Eschner aus Brambauer.

Die Waltroper Straße um 1940. Über die Straße führt die alte Seilbahn. Auf der linken Seite neben dem Gebäude im Vordergrund steht die Herz-Jesu-Kirche. Das Foto stammt aus der umfangreichen Sammlung von Inge und Friedhelm Eschner aus Brambauer.

Das Elmenhorster Männeken

Die Zeche Minister Achenbach in Brambauer hat in den Vorahnungen der Spökenkieker [Menschen mit dem "zweiten Gesicht"; sie können in die Zukunft blicken, Anm. d. Red.] eine große Rolle gespielt. Der Bauer Overthun wusste, dass auch ein Schäfer in Brambauer „das zweite Gesicht“ hatte.

Von diesem hat die im Jahre 1926 im Alter von 65 Jahren gestorbene Witwe des Bauern und Wirtes Haumann in Brambauer oft erzählt, dass er die Seilbahn vorausgesagt hat.

Der Schäfer meinte: „Es fährt durch die Luft und wird nicht von Pferden gezogen“ und bezeichnete hierbei genau die Strecke. Der alte Schäfer mit den Vorahnungen stammte von dem Bauernhof Elmenhorst. Er war ein kleines Männchen mit einem langen, grauen Bart. Die Leute nannten ihn daher „Elmenhorster Männeken“. Im Jahre 1922 fuhren auf der Seilbahn von Schacht IV nach Schacht I/II die ersten Kohlenwagen.

(Emil Stade, 1935)

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Ein Hochstapler in Lünen

Nach Mittwinter 1559 kam ein Fremder zuerst nach Dortmund in eine Herberge mit Namen „Voßkuhle“. Er nannte sich Hans Swytzer aus Hessen, alias Wachel, und stellte erstaunliche und unerhörte Betrügereien an.

Dann kam er 1560 nach Lünen und prasste im Haus „Zur Herberge“ von Heinrich Heekynge ausgelassen und verzehrte Wein und Bier.

Weiter lieh er sich viel Geld und wollte sich hier verheiraten. Als die Gäste zur Verlöbnisfeier geladen waren, zog er heimlich seines Weges und blieb allen Leuten viel Geld schuldig, das sie ihm auf seine guten Worte hin geliehen hatten.

Zu Dortmund in der Voßkuhle, seiner Herberge, hatte er einen großen, schweren Reisesack hängen lassen. Man öffnete ihn auf Befehl des ehrsamen Rates im Beisein eines Notars und von Zeugen und fand darin drei kleine Beutel. In dem einen waren viele Rechenpfennige, in dem anderen etliche falsche Taler von weichem unbekanntem Material und im dritten Kieselsteine so groß wie Hühnereier, einige kleiner, andere größer.

(Nach Spormecker, 1536)

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