Ein Versprechen zur Vereidigung: So lief die Amtseinführung von Landrat Mario Löhr

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Ein Blumenstrauß für den neuen Landrat, ein Faustgruß seiner beiden neuen Stellvertreter: Viel mehr war nicht drin bei der Vereidigung von Mario Löhr.

Kreis Unna

, 02.11.2020, 18:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf Gottvertrauen allein wird Mario Löhr (SPD) in den nächsten fünf Jahren sicher nicht bauen. Gleichwohl schloss der neue Landrat seine Vereidigung am Montag in der konstituierenden Sitzung des Kreistags mit jener religiösen Formel, die keineswegs verbindlich ist: „So wahr mir Gott helfe.“ Verbindlich aber wird sein Versprechen von diesem Tage sein: „Sie können mich beim Wort nehmen, ich werde das Gespräch mit Ihnen suchen“, kündigte er dem Kreistag eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe an.

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Mit seiner Vereidigung wurde Löhr offiziell ins Amt eingeführt, nachdem Kreisdirektor Mike-Sebastian Janke den 49-Jährigen morgens schon an seinem neuen Arbeitsplatz im Kreishaus begrüßt hatte.

„Wir sehen in vielen anderen Bereichen, dass Populismus und zu viel Parteipolitik zur Spaltung der Gesellschaft und zu Politikverdrossenheit führen.“
Ursula Schmidt (CDU)

„Wann hat man schonmal die Gelegenheit, so eine ehrenvolle Aufgabe zu übernehmen?“, sagte Alterspräsidentin Ursula Schmidt (CDU), deren Aufgabe es am Montagnachmittag war, dem neuen Landrat den Amtseid abzunehmen. „Es ist mir eine Ehre“, beteuerte sie verbunden mit einem Appell an alle 68 Mitglieder des neuen Kreistags. „Wir sehen in vielen anderen Bereichen, dass Populismus und zu viel Parteipolitik zur Spaltung der Gesellschaft und zu Politikverdrossenheit führen. Es liegt an jedem Einzelnen von uns, unser privilegiertes Amt richtig auszuführen.“

Mario Löhr nutzte die kurze Zeremonie unterdessen für ein paar Leitsätze. Die am Montag in Kraft getretenen Verbote im Kampf gegen die Corona-Pandemie seien „notwendige und auch richtige Entscheidungen“ gewesen, sagte er. Allerdings müssten jetzt auch Maßnahmen ergriffen werden, um die Folgen der Corona-Krise so gut es geht abzumildern.

Flüchtlingsbewegung: „Probleme weiterhin da“

Löhr richtete den Fokus auch auf andere Herausforderungen. Die Probleme infolge der Flüchtlingsbewegung etwa seien „weiterhin da, viele warten darauf, dass wir Lösungen präsentieren“. Verkehrswende, Klima- und Umweltschutz, Gesundheitsschutz, Bildung und Familie, Arbeitsmarkt und Wirtschaft – alles Felder, auf denen Löhr Herausforderungen für Politik und Verwaltung sieht.

Nach seiner Vereidigung als neuer Landrat des Kreises Unna nutzte Mario Löhr (SPD) die konstituierende Sitzung für ein paar Leitsätze zu vergangenen und zukünftigen Herausforderungen.

Nach seiner Vereidigung als neuer Landrat des Kreises Unna nutzte Mario Löhr (SPD) die konstituierende Sitzung für ein paar Leitsätze zu vergangenen und zukünftigen Herausforderungen. © Alexander Heine

Mit breiter Brust stellte sich Mario Löhr, der als neuer Landrat auch neuer Leiter der Kreispolizeibehörde Unna ist, vor Polizeibeamte: Respekt und Wertschätzung seien wichtige Themen. „Das, was sich unsere Polizeikräfte in der letzten Zeit bei Demos anhören mussten, ist nicht das Bild, das ich habe“, schloss er ausdrücklich auch Feuerwehr, Gesundheitsbereich und andere Sektoren des Bevölkerungsschutzes ein. „Wo Verfehlungen Einzelner sind, gehört es dazu, dass man denen konsequent nachgeht; aber eine gesamte Berufsgruppe in Frage zu stellen, ist nicht mein Anspruch.“

Wiggermann und Jasperneite zu Stellvertretern gewählt

In der Kreistagssitzung ging es ansonsten vor allem um Formalien wie die Wahl der Stellvertretenden Landräte. SPD und CDU machten dem Gremium mit Martin Wiggermann (SPD) als Erstem und Wilhelm Jasperneite (CDU) als Zweitem Stellvertreter einen gemeinsamen Vorschlag, dem auch nur vier Kreistagsmitglieder nicht folgen wollten. Wiggermann ist damit zum dritten Mal, Jasperneite zum ersten Mal stellvertretender Landrat.

Martin Wiggermann (SPD, rechts) und Wilhelm Jasperneite (CDU, links) wurden in der konstituierenden Sitzung des Kreistags zu den beiden Stellvertretern von Landrat Mario Löhr (SPD, Mitte) gewählt.

Martin Wiggermann (SPD, rechts) und Wilhelm Jasperneite (CDU, links) wurden in der konstituierenden Sitzung des Kreistags zu den beiden Stellvertretern von Landrat Mario Löhr (SPD, Mitte) gewählt. © Alexander Heine

Dem neuen Kreistag gehören insgesamt acht Fraktionen und Gruppen an. SPD (23) und CDU (20) stellen die größten Fraktionen, gefolgt von den Grünen, die sich vor der Konstituierung nicht mehr einigen konnten: Die zehnköpfige Fraktion um Herbert Goldmann nennt sich „Grüne im Kreistag“, womit die vierköpfige Fraktion um die beiden gleichberechtigten Vorsitzenden Timon Lütschen und Marion Küpper den Parteinamen Bündnis 90/Die Grünen trägt.

Alles auf Abstand: Der Kreistag, der sonst in der Aula des Hellweg-Berufskollegs tagt, konstituierte sich in der Stadthalle Unna.

Alles auf Abstand: Der Kreistag, der sonst in der Aula des Hellweg-Berufskollegs tagt, konstituierte sich in der Stadthalle Unna. © Alexander Heine

Mit jeweils drei Mitgliedern sind die Fraktionen von FDP, Linke/UWG und GfL/WfU gleich groß, die beiden Einzelvertreter von Freien Wählern und Familienpartei haben sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen.

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