Einrichtungs-Chefin widerspricht Darstellung des Kreises Unna

Beatmungs-WG in Lünen-Gahmen geschlossen

Nichts geht mehr: Auf Anweisung der Heimaufsicht des Kreises wurde am Samstag eine Beatmungs-WG in Gahmen geräumt. Jetzt erhebt die Einrichtungs-Chefin ihrerseits schwere Vorwürfe. Ein Überblick mit Fragen und Antworten.

Lünen

, 30.04.2018, 18:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
War in der Beatmungs-WG genügend qualifiziertes Personal? Der Kreis sagt „nein“, die Betreiberin widerspricht.

War in der Beatmungs-WG genügend qualifiziertes Personal? Der Kreis sagt „nein“, die Betreiberin widerspricht. © picture alliance / Patrick Seege

Neun Menschen lebten bis Samstag in einer Beatmungs-WG der Firma MediAir in Gahmen. Nach Hinweisen ist die Heimaufsicht auf die Einrichtung aufmerksam geworden, hat diese geprüft und schließlich geschlossen. Alle Patienten wurden in andere Einrichtungen verlegt.

Was genau ist eine Beatmungs-WG?

Dort wurden laut Chefin Bettina Kronsfoth Menschen, die dauerhaft beatmet werden müssten, gepflegt und betreut. Diese Menschen seien austherapiert, sagte Kronsfoth, müssten aber abgesaugt werden, Inhalationen erhalten, Sondenkost erhalten, Medikamente bekommen und überwacht werden.

Und was genau war dort laut Kreis Unna nicht in Ordnung?

„Es fehlte an Fachkräften, die die Betreuung der Patienten gewährleisten konnten“, sagt dazu Constanze Rauert, Sprecherin des Kreises Unna, am Montag auf Anfrage. Es habe, sagt Rauert weiter, immer mal wieder Überprüfungen in dem Betrieb gegeben, auch kleinere Kritikpunkte wurden angesprochen. „Jetzt war aber Gefahr für Leib und Leben gegeben. Es gab gravierende Mängel, da mussten wir handeln.“ Der Kreis Unna und der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) hatten den Betrieb zuvor geprüft. Laut MediAir-Chefin Kronsfoth habe ihr der Kreis vorgeworfen, dass zu wenig Personal vor Ort war und dieses zu schlecht ausgebildet gewesen sein soll. Außerdem soll es Mängel bei der Pflege gegeben haben.

Und was sagt die MediAir-Chefin dazu?

„Bei uns war alles regelkonform“, sagt Kronsfoth am Montag auf RN-Anfrage. Was in den Verträgen für die Betreuung der Patienten vorgeschrieben war, das habe MediAir auch erfüllt. Zwar habe es einen Personal-Engpass gegeben, nachdem zwei Mitarbeiter gekündigt hatten. Aber deswegen habe sie ja auch einen Aufnahmestopp verhängt. Eine Betriebsuntersagung sei ihr überdies gar nicht zugestellt worden. „Der Kreis hat einfach Fakten geschaffen.“ Sie vermutet eine Retourkutsche, weil sie selbst mal eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Heimaufsicht gestellt habe. Rauert bestätigt, dass es eine solche Beschwerde gegeben hat. Die sei sorgfältig geprüft, am Ende aber abgelehnt worden.

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Wie hat MediAir im vergangenen Transparenzbericht abgeschnitten?

Der MDK und der Prüfdienst des Verbandes der Privaten Krankenversicherungen sind beauftragt, in Pflegediensten Qualitätsprüfungen durchzuführen. Ein Bericht vom 15. Februar 2017 kommt zu einem Gesamtergebnis in Form einer Schulnote von 1,9. Die Prüfer bewerteten die Qualität der pflegerischen Leistungen mit 2,0, die der ärztlich verordneten pflegerischen Leistungen mit 1,7, die der Dienstleistung und Organisation mit 1,8. Dabei handelte es sich übrigens laut Bericht um eine Anlassprüfung – die beispielsweise nach Beschwerden getätigt werden. Der Transparenzbericht ist öffentlich im Internet einsehbar.

Was sagen Angehörige von Patienten dazu?

Die RN-Redaktion hat am Montag mit zwei Angehörigen von Patienten gesprochen, die schon länger als ein Jahr dort gepflegt wurden. Beide wollen für die Berichterstattung anonym bleiben. Eine Angehörige schildert, dass wohl zu wenig qualifiziertes Personal dort gewesen sei.

Das vorhandene Personal könne dafür nichts: „Die Pfleger waren top“, sagt sie, „die haben ihr Bestes getan, wohl auch vieles, was sie gar nicht durften.“ Eine weitere Angehörige sagt: „Wir haben dort nur gute Erfahrungen gemacht.“ Ihr Mann sei dort sogar in zwei Fällen wieder gesund gepflegt worden. „Es war immer einer da, der geholfen hat.“

Wie geht es weiter?

Ihre Mitarbeiter würden erst einmal ihre Mitarbeiter bleiben, sagt MediAir-Chefin Kronsfoth. Sie werde sich gegen die Entscheidung des Kreises wehren. Beim Kreis Unna, sagt Sprecherin Constanze Rauert, werde man jetzt in Ruhe alle Ergebnisse prüfen. „Und dann gucken wir, ob von unserer Seite Weiteres zu veranlassen ist.“

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