Erneuter Warnstreik: Busse der VKU fahren nicht in Lünen und Umgebung

hzStreiktag

Pendlerin sein ist nicht leicht. Vor allem, wenn die Busse der VKU nicht fahren. Unsere Autorin schildert ihre Eindrücke vom Streik-Donnerstag (8.10.), und wie sie doch nach Lünen kam.

Lünen

, 08.10.2020, 16:17 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Warnstreik der VKU geht in die nächste Runde. Die Busse fahren nicht. Doch eine geübte Pendlerin weiß: Es führen viele Wege nach Rom. Oder, in diesem Fall: Nach Lünen. Stadt an dem Fluss, der wichtig für die Römer war - nämlich die Lippe. Die Römer haben immerhin vor 2000 Jahren ihre Lager entlang der Lippe errichtet. Passt.

Doch um das Ziel zu erreichen, müssen Opfer gebracht werden. Und zwar in Form von Schlaf. Satte 45 Minuten früher stehe ich an einem trüben Donnerstagmorgen in Kamen auf. 6.15 Uhr statt 7 Uhr. Für eine Nachteule ist das eine furchtbare Uhrzeit.

Die Gründe hierfür sind logistischer Natur. Zur Bushaltestelle brauche ich von meiner Wohnung aus zu Fuß keine fünf Minuten, zum Bahnhof fast fünfzehn. Und damit ist es nicht getan: ich rechne noch eine mögliche Verspätung der Deutschen Bahn hinzu - ein Erfahrungswert. Den Anschluss verpassen will ich nicht.

Für gewöhnlich fahre ich mit dem Bus S81 nach Bergkamen und steige dort in den S20 nach Lünen um. Es gibt Anschlussgarantie. Sehr zuverlässig, sehr unkompliziert. Mit der DB ist das spannender. Da fahre ich mit dem RE1 nach Dortmund und steige nach Lünen in die RB51 um. Keine Garantie, dass auf der wichtigsten Bahnlinie NRWs nicht wieder eine Panne alles lahmlegt.

Grauer Himmel und Regenschauer

Verfrüht verlasse ich also das Haus. Grauer Himmel, steife Brise. Immer wieder ein paar Regentropfen. Zu Fuß geht’s zum Bahnhof. Kein einziger Bus fährt an mir vorbei. Die Straßen sind ungewöhnlich ruhig.

Am Bahnhof angekommen sehe ich ein vertrautes Gesicht von der Haltestelle. Eine Frau, die ich jeden Tag an der Bushaltestelle sehe - wenn denn die Busse fahren... Sie trägt immer viel Parfum – ich rieche sie, bevor ich sie sehe. Kleine müde Augen. Wir nicken uns kurz zu, dann ziehe ich mir die Kapuze ins Gesicht. Der Regen wird stärker. Schietwetter. Aber ich habe Glück: Die Bahn rollt pünktlich ein.

Der Zug ist voll, aber ich finde einen Platz. Es ist so angenehm warm, dass mir die Augen zufallen. Viel zu früh am Morgen. Das sehen die anderen Pendler auch so. Es ist still, nur eine Frau telefoniert. Problemlos fahren wir in Dortmund ein. Gleis 16 runter, Gleis 31 wieder rauf. Ich habe genug Zeit zum Umsteigen.

Die Bahn ist pünktlich

Auch die RB51 ist pünktlich. Sie spuckt einen ganzen Schwall Leute aus, die schnell unterm Dach Schutz vor dem Regen suchen. Ich suche Schutz in der Bahn. Mittlerweile ist es hell. Ich werde munterer. Der Tag selbst nicht. Nasse Felder ziehen an mir vorbei, feine Tropfen perlen an den Scheiben des Zugs hinab.

Endlich in Lünen angekommen, werde ich mit einem ordentlichen Schauer begrüßt. Eine ganze Schulklasse strömt mir entgegen, als ich die Treppe am Gleis 1 runtergehe. Vielleicht müssen die auch auf den Zug ausweichen?

Der Anblick des Busbahnhofs in Lünen ist beinahe gespenstisch. Zwei Busse stehen da, nur eine Handvoll Leute wartet an den Steigen. Auf der Anzeigetafel werden keine Busverbindungen angezeigt, dafür ein Hinweis auf Informationen im Internet. Ein Mann mit Rollator versucht mit zusammengekniffenen Augen, den Hinweis zu lesen. Dann studiert er den Fahrplan Er wirkt verloren. Vielleicht hat er nicht mitbekommen, dass gestreikt wird?

Ein paar Sonderfahrten gibt es

Neben mir höre ich zwei Männer diskutieren. Der eine, umgeben von einer Schar Kinder – vermutlich ein Lehrer. Der andere ein Mitarbeiter der VKU. Aber es hieß doch, der Bus Soundso solle fahren, argumentiert der Lehrer. Nein, das stehe so nicht im Streik-Fahrplan, entgegnet der Mitarbeiter. Am Ende steigen Kinder und Lehrer in einen Bus ein – Sonderfahrt. Da hat man sich wohl vorab geeinigt.

Ich setze meinen Weg zum Medienhaus an der Münsterstraße fort. Für mich ist es überraschend gut gelaufen. Wenn man davon absieht, dass mein Weg 30 Kilometer lang war statt 13 Kilometer wie sonst.

An der Ampel steht ein R11 in Richtung Cappenberger See. Ich hoffe, für alle anderen Pendler*innen war der Start in den Tag auch unkompliziert. Auch wenn ihr Weg nicht nach Rom führte.

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