Europa? Na Klar! Aber nicht, wenn es Tausende Menschen im Mittelmeer ertrinken lässt

hzJetzt mal unter uns

Die Europäische Union ist wichtig und hat vielen Bewohnern Frieden und Wohlstand gebracht. Die EU hat aber auch schlechten Seiten. Für die, die hinein wollen. Das wird zu oft verschwiegen.

Lünen

, 25.05.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

Am Sonntag ist Wahl und es ist und bleibt für jeden Bürger wichtig, daran auch teilzunehmen. Unser Gastautor Kenan Küçük hat dafür geworben, auch mein Kollege Daniel Claessen. Und natürlich haben beide Recht. Europa ist richtig und wichtig und darf sich nicht in die falsche Richtung entwickeln. Oder sollte man besser sagen: Es sollte sich nicht weiter in die falsche Richtung entwickeln?

Denn bei allen Wahlaufrufen geht mir eines gegen den Strich: Das kritiklose Abgefeiere der EU. Denn bei allen Verdiensten läuft hier auch einiges falsch. So falsch, dass deswegen Menschen sterben. 2018 waren es jeden Tag sechs, und das Sterben ging auch 2019 weiter. Es handelte sich dabei zumeist um Menschen aus Afrika, die in Europa eine bessere Zukunft suchen, aber auf dem Weg dorthin im Mittelmeer ertranken.

Sie fanden den Tod auch, weil die EU sich entschieden hat, ihre Grenzen lieber abzuschotten, als für sichere Überfahrten zu sorgen. Gleichzeitig müssen sich zivile Retter für ihren Einsatz vor Gerichten verantworten - von der EU alleine gelassen. Ihre eigene Mission zur Seenotrettung hat die EU indes beendet.

Die Partei „Die Partei“, über die man trefflich diskutieren kann, hat ihren Wahlwerbespot deshalb den zivilen Seenot-Rettern von Sea-Watch überlassen:

Er zeigt ein ertrinkendes Kind - und dauert genau so lange, wie das Ertrinken dauert. 1:26 Minuten. Das ist drastisch, aber zeigt die tausendfache Realität.

Das Fazit? Die EU ist wichtig und richtig, die EU muss sich aber an ihren eigenen Maßstäben messen lassen. Ein Ziel des Vertrags von Lissabon, der Rechtsgrundlage der EU, war doch: „Ein Europa der Rechte und Werte, der Freiheit, Solidarität und Sicherheit.“ Diesem Ziel wird Europa an seinen Außengrenzen nicht gerecht. Im Gegenteil.

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