Ex-Gewalttäter teilt Erfahrungen mit Lüner Schülern

Video-Interview mit Sascha Bisley

„Im Rückblick war ich ein Monster“, sagt Sascha Bisley, als er auf der Bühne in der Aula des Gymnasiums Altlünen sitzt und liest. Aus seinem Buch „Zurück aus der Hölle“ vermittelt der ehemalige Rechtsextreme rund 150 Schülern der Oberstufe seine Erfahrungen aus der rechten Szene. Wir haben mit ihm im Video gesprochen.

NORDLÜNEN

, 07.12.2016, 11:24 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der ehemalige Rechtsextreme Sascha Bisley las am Dienstagnachmittag vor rund 150 Schülern der Oberstufe aus seinem Buch "Zurück aus der Hölle".

Der ehemalige Rechtsextreme Sascha Bisley las am Dienstagnachmittag vor rund 150 Schülern der Oberstufe aus seinem Buch "Zurück aus der Hölle".

Die Schul-AG „Schule ohne Rassismus“ hatte die Lesung mit Bisley organisiert. Von dem Gefühl der Überlegenheit, als seine Opfer am Boden lagen, erzählte Bisley. Er sprach auch von versuchtem Mord und seiner Zeit im Gefängnis, nach der er sich auf das „normale“ Leben freute. Aus seinem Mund kamen derbe Sätze, die so gar nicht zu dem hippen Dortmunder Autor und Fotografen passten, der da auf der Bühne der Aula saß.

Und doch trägt er eine Geschichte mit sich: „Ich war sieben Jahre lang in der rechtsextremen Szene. Im Alter von 12 bis 19 Jahren. Ab meinem 15. Lebensjahr war ich jedes Wochenende in Polizeigewahrsam. Und mit 19 kam ich ins Gefängnis“, machte er den anwesenden Schülern klar.

Heute Sozialarbeiter und Berater des Kriminalamts

Lange, sagte Bisley, habe er seine Geschichte mit sich herumgetragen: „Aber dann habe ich den Entschluss gefasst, dass ich anders damit umgehen muss.“ Nun arbeitet er unter anderem als Sozialarbeiter mit Jugendlichen. Und als Berater für das Bundeskriminalamt. „Heute gehe ich alles anders an“, so Bisley.

Seine Offenheit würdigten die Schüler mit großem Applaus und vielen Fragen. Zum Beispiel, ob seine Eltern nichts von seinem rechtsextremen Leben mitbekommen hätten? Oder wie sein Leben nach der Haft aussah?

Begeisterung bei Schülern und Lehrer

Bei den Schülern hinterließ der Dortmunder Eindruck: „Es war sehr erkenntnisreich, das Thema Rechtsextremismus aus so einer Perspektive zu erleben“, sagte Maximilian Sassinek. Nele Rüsenberg war der Meinung: „Es war sehr spannend zu hören, was jemand aus der Szene alles erlebt hat.“

Auch Lehrer Johannes Reimann, der die AG betreut, war begeistert: „Ich habe die Schüler selten so still erlebt“. Den Kontakt zum Autor hatte Sevgi Kahraman-Brust vom Kreis Unna vermittelt. Als Regionalvertreterin der Bundesinitiative „Schule ohne Rassismus“ hält sie Kontakt zur AG des Gymnasiums Altlünen.

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