Der Entwurf des Bauvereins zu Lünen zur Entwicklung der ehemaligen Mercedes-Fläche sieht auch Wohnbebauung an der viel befahrenen Kurt-Schumacher-Straße vor. © Drews (A)

Ex-Mercedes-Fläche in Lünen: Kritik an Bebauungsplan-Vorlage wächst

Ob sich der Bauerverein zu Lünen auf dem Weg zur Baugenehmigung mit seinen Vorstellungen durchsetzen kann, darüber entscheidet die Politik in Kürze. Ein Spaziergang wird es vermutlich nicht.

Mit einer Woche Verzögerung soll die Lüner Politik jetzt am Donnerstag (6. Mai) den Weg für die vom Bauverein zu Lünen geplante Bebauung der ehemaligen Mercedes-Fläche in der Lüner Innenstadt freimachen. Doch es formiert sich Widerstand.

So fordert die Wählergemeinschaft Gemeinsam für Lünen (GFL) nachhaltige Änderungen an dem vom Bauverein beantragten und von der Verwaltung vorgelegten „Beschluss zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans“ – für das rund 10.000 Quadratmeter große Grundstück an der Langen Straße – in der aktuellen Variante.

Wie unsere Redaktion aus Ratskreisen erfuhr, steht die GFL mit ihren Forderungen nicht ganz alleine da. Auch in anderen Ratsfraktionen gibt es die eine oder andere Stimme, die in der Beschlussvorlage „deutliche Schwachpunkte“ sieht – Stichworte sind hier mit unterschiedlicher Gewichtung: Bürgerbeteiligung, öffentlicher Wohnungsbau, Gestaltungsbeirat.

Eigentlich sollte über die Beschlussvorlage schon am vergangenen Donnerstag (29. April) in der als Ratssitzung deklarierten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im Erlebnisreich Campus abgestimmt werden. Das Thema verschwand jedoch wegen der vielen Tagesordnungspunkte bei begrenzter Sitzungsdauer von der Agenda.

Die GFL fordert in ihrem Antrag, der unserer Redaktion vorliegt, insbesondere:

  • eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit,
  • die Durchführung einer Bürgerinformationsveranstaltung in geeigneter Form,
  • den Bauverein mit Blick auf das Bauvorhaben zu verpflichten, in einem ausgewogenen Verhältnis (etwa 20 Prozent Anteil) öffentlich geförderten Wohnungsbau im Rahmen des Bauvorhabens oder zumindest in seinem örtlichen Umfeld zu realisieren.

Außerdem will die GFL, dass die Verwaltung beauftragt wird, die bisherige Einschätzung des Gestaltungsbeirates (externes Expertengremium, Anm. d. Red.) zu dem Projekt frühzeitig in nicht-öffentlicher Sitzung vollständig und ungefiltert dem zuständigen Fachausschuss und den Ratsfraktionen darzulegen.

Wie Dr. Johannes Hofnagel, Vorsitzender der GFL, am Montag (3. Mai) im Gespräch mit unserer Redaktion sagte, sei die ehemalige Mercedes-Fläche unstrittig eine Fläche von herausragender Bedeutung für Lünen. Die geplante Bebauung werde über Jahrzehnte das Innenstadt-Gesicht maßgeblich mitprägen. Allein deshalb sei eine sensible und sorgsame Entscheidung dahingehend geboten, wie die Fläche entwickelt werde.

„Dazu gehört, interessierten Bürgerinnen und Bürgern frühzeitig die Möglichkeit zur Einsicht in die Pläne zu geben. Dieses Transparenz schaffende Vorgehen ist höher zu bewerten als das Interesse des Bauvereins, das Verfahren möglichst schnell zu beenden“, so Hofnagel weiter.

Für die Notwendigkeit einer Verfahrensbeschleunigung lägen keine ausreichenden Gründe vor. Die Zeitverzögerung des Bauvorhabens habe nicht die Öffentlichkeit zu verantworten.

Hofnagel wies daraufhin, dass der Ausschuss für Stadtentwicklung schon in seiner Sitzung am 23. September 2014 grundsätzlich beschlossen habe, „auch dann auf eine frühzeitige Bürgerbeteiligung nicht zu verzichten, wenn dadurch ein gewisser Zeitverzug akzeptiert werden muss. Diese Güterabwägung wurde einstimmig beschlossen“.

Daneben sieht die GFL nach Angaben ihres Vorsitzenden die Notwendigkeit und wie im Konzept „Zusammenleben 2030“ verankert, dass der Bauverein in einem vertretbaren Anteil von circa 20 Prozent zur Schaffung öffentlich geförderter Wohnungen im Zuge des Bauvorhabens oder zumindest in seinem örtlichen Umfeld verpflichtet wird.

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Redaktion Lünen
Jahrgang 1968, in Dortmund geboren, Diplom-Ökonom. Seit 1997 für Lensing Media unterwegs. Er mag es, den Dingen auf den Grund zu gehen.
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