Falscher Corona-Alarm im Altenzentrum St. Norbert: Fehler beim Test

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Viel Unsicherheit für Angehörige und Bewohner des Altenzentrums St. Norbert: Erst sollte es keinen Corona-Fall geben, dann doch, dann wieder Entwarnung - und alles wegen Tücken beim Testen.

Lünen

, 08.04.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 2. April steht das Altenzentrum St. Norbert in Lünen unter Quarantäne. Grund dafür war ein fälschlicherweise als positiv gemeldeter Test auf das Coronavirus. Nachdem zehn Personen Ende März zunächst alle negativ auf COVID-19 getestet worden waren, zeigte eine Frau weiterhin typische Symptome auf die Krankheit.

Sie wurde isoliert untergebracht und erneut getestet. Das Ergebnis kam am 2. April vom Labor als positv zurück. Am 6. April schließlich dann wieder Entwarnung: doch keine Coronainfektion.

Test bringt 70 Prozent Sicherheit

Schon am 2. April hatte es vom Kreis geheißen, dass kein Test 100-prozentige Sicherheit liefere. Besonders, wenn die Tests in einer frühen Phase der Erkrankung gemacht werden, können sogenannte „falsche negative“ Ergebnisse liefern.

„Das hängt davon ab, wie hoch die Viruslast beim Infizierten ist“, sagt Josef Merfels, Leiter des Fachbereichs Gesundheit und Verbraucherschutz beim Kreis Unna am Mittwoch (8.4.). Die könne gerade zu Beginn der Inkubationszeit noch recht gering sein. „Deswegen legt man Wert auf Symptome“, so Merfels weiter. Die Sicherheit des Tests liege bei etwa 70 Prozent.

Im Fall der Bewohnerin aus St. Norbert habe man wegen der starken Symptome einen, eigentlich unüblichen, zweiten Test veranlasst. Auch dieser Test fiel negativ aus. Eigentlich. Denn aufgrund eines „Problems im Labor“ kam es zur falschen Positivmeldung (2. April), die am 6. April korrigiert wurde.

Fehler sind oft menschliches Versagen

Das Robert-Koch-Institut (RKI) verweist darauf, dass ein negatives Testergebnis die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht vollständig ausschließen könne.

„Falsch-negative Ergebnisse können z. B. aufgrund schlechter Probenqualität, unsachgemäßem Transport oder ungünstigem Zeitpunkt (bezogen auf den Krankheitsverlauf) der Probenentnahme nicht ausgeschlossen werden“, heißt es dazu in einem Dokument zur Falldefinition von COVID-19 auf der Homepage des RKI. Menschliches Versagen also.

In der frühen Phase der Corona-Pandemie war es Anfang des Jahres in Asien zu solchen falschen negativen Ergebnissen gekommen - allerdings nur in Einzelfällen. Dass es bei der Auswertung der Abstriche aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum zu Fehlschlüssen kommen kann, bestätigt auch Josef Merfeld. Das liege auch daran, dass die Labore unter extremen Druck stehen, sagt er.

Labore testen rund um die Uhr auf Corona

Die 97 akkreditierten Labore in Deutschland arbeiten aktuell zum Teil rund um die Uhr im Dreischichtsystem an sieben Tagen die Woche, berichtet die Welt (3. 4.).

Trotzdem seien selbst die deutschen Daten weit davon entfernt, das volle Ausmaß der Pandemie zu erfassen, sagt Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender der World Medical Association.

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