Familie Aronstein versuchte zwei Töchter vor den Nazis zu retten

hzStolpersteine in Lünen

Der Arbeitskreis Lüner Stolpersteine hat die Geschichte der Familie Aronstein recherchiert. Eine Tochter überlebt die NS-Zeit. Durch Glück. Der Rest der Familie wird von den Nazis ermordet.

Lünen

, 24.04.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Kaufmann Hermann Markus Aronstein eröffnete 1922 in Brambauer ein Manufakturwarengeschäft. Zusammen mit seiner Frau Else, geborene Auerbach, hatte das Paar drei Töchter: Inge, Elga und Ursel.

1929 gibt er sein Geschäft auf und wird Angestellter im „Einheitspreis-Geschäft“ EPA in der Innenstadt auf der Lange Straße. Später, nach dem Verkauf an einen nichtjüdischen Geschäftsmann, inseriert es Anzeigen als „rein arisches Geschäft“.

Seit 1935 lebt die Familie in einer Dreizimmerwohnung in der Cappenberger Straße 35d. Da sind die Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung, Demütigungen und physische Gewalt gegen Juden bereits an der Tagesordnung.

Familienvater überlebt Pogromnacht

In der Pogromnacht vom 9. Auf dem 10. November 1938 wird Hermann Aronstein mit seinem Nachbarn Waldemar Elsoffer von Nazis zunächst zur Lippe und dort in das Wasser getrieben. Elsoffer ertrinkt sofort, Aronstein überlebt, weil er sich weiter flußaufwärts ans Ufer retten kann. Die Demütigungen gehen anschließend weiter.

Danach schicken die Eheleute ihre beiden jüngeren Töchter im Dezember 1938 in die Niederlande, um, so die Hoffnung, deren Leben zu retten. Der nationalsozialistische Terror nimmt ständig zu.

Sie müssen mit der ältesten Tochter Ursel in ein sogenanntes Judenhaus auf der Borker Straße 6 ziehen, wo sie beengt und unter erbärmlichen Bedingungen ihr Leben fristen. Im März 1943 wird Hermann Markus Aronstein nach Auschwitz deportiert. Hier findet sich auch seine Frau wieder. Beide werden ermordet.

10 Monate Irrfahrt durch die Niederlande

Ein Brief der Mutter dokumentiert die große Sorge um das Wohlergehen von Inge und Elga. Die Zweifel waren berechtigt. Erst rund 10 Monate nach dem Verlassen Lünens kommen sie nach Umwegen über Notunterkünfte für jüdische Flüchtlingskinder in Rhenen, Losser und Rotterdam im September 1939 bei unterschiedlichen Familien in Den Haag unter.

Als zwölfjähriges Mädchen kommt Inge 1943 zunächst in das KZ Herzogenbusch. Später nach Westerbork und Anfang 1944 in das KZ Bergen-Belsen. Hier rettet ein „Palästina-Austausch“ ihr das Leben. Sie wird gegen deutsche Staatsbürger in britischer Gefangenschaft ausgetauscht.

Am 10. Juli 1944 erreicht Sie mit dem legendären „Transport 222“ und weiteren befreiten Menschen Haifa. Sie wird israelische Staatsbürgerin, heiratet und wird Mutter von drei Kindern.

Elga und Ursel werden deportiert und ermordet

Ihre Schwester Ursel wird dagegen deportiert und ermordet. Elga kommt am 30. Oktober 1942 in das holländische Sammellager Westerbork, weil ihre Pflegeeltern nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden.

Sie selbst wird am 18. Mai 1943 in das Vernichtungslager Sobibor in Polen deportiert. Die Nazis führten genau Buch: 48 Waggons, 2511 Gefangene darunter 620 Kinder. Am 21. Mai kommt der Transport in Sobibor an. Niemand überlebt. Auch nicht die 15-jährige Elga.

Recherchiert und aufgeschrieben haben die Geschichte der Familie Rose Wolfgang Balzer und Katrin Rieckermann, unterstützt von den weiteren Mitgliedern des Arbeitskreises für Lüner Stolpersteine.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt

Der Arbeitskreis Lüner Stolpersteine hat die Geschichte der Familie Elsoffer recherchiert. Der Vater starb während der Reichsprogromnacht. Mutter und Sohn überlebten und wanderten aus.

Lesen Sie jetzt