?Feuerwehr ist wie eine Familie?

Karl Georg Schwarzner blickt zurück

15.05.2007 / Lesedauer: 3 min

1968 sind Sie in die Freiwillige Feuerwehr eingetreten, 1995 wurden Sie Feuerwehr-Chef, bald sind Sie Ruheständler. Was bleibt? Schwarzner: Vor allem die Erinnerung an die sehr gute Kameradschaft, den Zusammenhalt in der Mannschaft, das gute Verhältnis zwischen dem hauptamtlichen und dem ehrenamtlichen Bereich. Die Feuerwehr ist eben wie eine große Familie. . . . eine Familie, in der es oft im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich zugeht. Früher gefährlicher als heute oder umgekehrt? Schwarzner: Heute so gefährlich wie früher. Ausrüstung und Ausbildung sind zwar besser geworden, doch dafür haben wir es auch viel öfter mit gefährlichen Stoffen und Gütern zu tun. Welche Einsätze sind Ihnen als besonders dramatisch in Erinnerung? Schwarzner: Viele. Zum Beispiel das Feuer in der Klöterheide, als eine Mutter und ihre zwei Kinder starben. Oder der Brand bei der Firma Elektro- und Verbundstoffrecycling an der Scharnhorststraße, als wir 72 Stunden ununterbrochen im Einsatz waren. Damals kam es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Kurzschluss an einer 110-KV-Leitung. Ich sah den Lichtbogen und mein erster Gedanke war: Jetzt haben wir fünf oder sechs tote Feuerwehrleute. Zum großen Glück wurde niemand verletzt. Oft sind Feuerwehrleute auch als Tierretter gefragt... Schwarzner: Oh ja, wir hatten fast alles, Pferde, Katzen, Hunde, Vögel, Schlangen, einen Waschbär, eine Vogelspinne. Eine Frau aus Lünen-Süd, deren Katze wir befreit haben, hat uns als Dank Katzenzungen zum Naschen in die Wache gebracht. Das war eine sehr schöne Geste. Kommt es eigentlich oft vor, dass sich Menschen bei der Feuerwehr bedanken? Schwarzner: Eher selten, aber ich glaube schon, dass die Bürger die Leistung der Feuerwehr zu schätzen wissen. . . .auch bei Unwettern, wenn Keller voll laufen, Bäume umstürzen usw.... Schwarzner: In dieser Hinsicht war der Orkan Kyrill mit Abstand das schlimmste Unwetter, das meine Kollegen und ich erlebt haben. Was würden Sie als die Meilensteine während Ihrer Zeit als Chef der Feuerwehr bezeichnen? Schwarzner: Die Aufnahme von Frauen in die Feuerwehr und die Gründung der Jugendfeuerwehr. Beides waren ganz große Ziele. Dankbar bin ich auch, dass ich die erste Ausschuss-Entscheidung zum Bau der neuen Wache noch im aktiven Dienst erlebt habe. Stichwort aktiver Dienst: Sie geben dieses Interview im Urlaub, gleiten sozusagen sanft in die Phase des Ruhestandes. Haben Sie schon Abstand gewonnen? Schwarzner: Ich habe meinen Melder noch zu Hause. Wenn ich den abgegeben habe, ist Schluss. . . . und dann? Schwarzner: . . . freue ich mich auf viel Zeit mit meiner Frau. Wir wollen einige größere Strecken mit dem Rad angehen. Außerdem will ich mich um Haus und Garten kümmern und meinem Kegelclub treu bleiben, in dem ich immer Ausgleich zum Beruf gefunden habe.

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