Wenn die Pflege des Haustiers zum Albtraum wird - ein Lüner Filmstudent erzählt

hzHund mit Rollstuhl

Sein krankes Haustier einzuschläfern, kam für Oliver Meth nicht in Frage. Die Pflege bringt den 34-Jährigen aber an seine Grenzen. In einem Film beschreibt er seine innere Zerissenheit.

von Kristina Gerstenmaier

Lünen

, 28.05.2019, 12:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf einem Feldweg am Rande von Brambauer wuselt Brutus aufgeregt schnuppernd am Wegesrand hin und her. Sein Hunde-Rollstuhl, der seine Hinterbeine stützt, behindert ihn kaum. Der neunjährige Boxer sprüht vor Lebensfreude und Energie. Undenkbar, dass er vor knapp drei Jahren fast gestorben wäre.

Sein Herrchen Oliver Meth liebt seinen Schützling, mit dem er sich vor neun Jahren einen Kindheitstraum erfüllte. Nennt ihn „meinen Herzenshund“. Auf der anderen Seite erfordert die Pflege seines kranken Hundes große Opfer. Seine innere Zerissenheit verarbeitete der angehende Videoproduzent während seines Studiums in einem kleinen Film.

„Die Leute sehen nur, dass ich einen Hund im Rollstuhl pflege“, ist seine Stimme darin zu hören, während Bilder vom strauchelnden Brutus über den Bildschirm flimmern. „Sie sehen, dass er durch mich weiter leben darf und finden das meistens großartig. Aber was diese Menschen nicht sehen und verstehen ist: Ich pflege ein krankes Haustier. Das bedeutet, dass ich mein Leben größtenteils aufgeben muss.“

Diagnose war großer Schock

Im Frühjahr 2016 konnte Brutus plötzlich kaum noch laufen. „wie Bambi kurz nach der Geburt“ beschreibt es der 34-Jährige. Im Juni kam die Diagnose: Rückenmarksinfekt. Der schädigte ein Gefäß in der Wirbelsäule des Hundes so, dass eine Lähmung entstand. Meth erinnert sich genau an diese Zeit: „Mir wurde geraten, Brutus einzuschläfern.

Wenn die Pflege des Haustiers zum Albtraum wird - ein Lüner Filmstudent erzählt

Oliver Meth (34) empfindet die Pflege seines Boxers als große Belastung. Über ihr gemeinsames Leben hat er einen Film gedreht. © Kristina Gerstenmaier

Die Woche nach der Diagnose war für mich der Weltuntergang. Ich kann das nicht, Brutus ist doch ein Lebewesen. Ich habe mich damals für ihn entschieden und bringe es nicht übers Herz, den leichten Weg zu nehmen. Ich liebe ihn über alles.“ Eine Werner Tieräztin riet dem Hundebesitzer, dass Brutus mit einem Rollstuhl ein zufriedenes und glückliches Leben führen könne.

Mit dem Hund im Rollstuhl sind lange Spaziergänge unmöglich

Voller Wehmut erninnert er sich an glückliche Zeiten vor Brutus` Krankheit: Sie unternahmen lange Spaziergänge am Kanal oder durchstreiften die Felder rund um Brambauer. Einmal wanderten die Beiden sogar ein ganzes Wochenende quer durch den Wald. Heute sind solche ausgedehnten Spaziergänge nicht mehr möglich. Täglich macht Meth Übungen zum Muskelaufbau mit seinem Schützling.

„Nach einem Jahr ist er wieder aufgestanden und heute kann er sogar wieder auf Laminat laufen“, freut er sich. Trotz der Verbesserungen und seiner sprühenden Energie ist Brutus schnell erschöpft. Außerdem gehört zur Pflege, täglich mehrmals die Handtücher im Hundekorb zu wechseln und dem Hund beim Koten zu helfen, denn in Folge der Krankheit ist Brutus inkontinent.

Pflege des Haustiers überfordert den Lüner

Vollzeitarbeit, Verreisen, andernorts Übernachten oder länger krank oder verletzt zu sein, ist für Meth nicht drin. Auch sein Studium kann er nicht mit der Energie verfolgen, die er gerne aufbringen würde: „Ich mag es, Dinge zu produzieren, mich kreativ auszudrücken und Statements zu setzen. Ich träume davon, eines Tages Kinofilme zu produzieren.“

Dazu müsste er sich aber richtig reinhängen. Und dass sich jemand Fremdes seines kranken Hundes annehmen würde, kann er sich nicht vorstellen. Er sagt: „Ich bin wie ein alleinerziehender Vater mit behindertem Kind. Ich fühle mich überfordert und oft kurz vor dem Burn-Out.“

Nach der Veröffentlichung seines Films-Projekts in Sozialen Netzwerken bekam er viele positive Zuschriften. „Hab mit Tränen in den Augen das Video gesehen. Einfach toll zu sehen, wie gut es Brutus, trotz aller Einschränkungen, geht“, schreibt eine Userin. Eine andere: Diesen lebensfrohen Hund zu sehen, ist herzerweichend. Respekt für deine bedingungslose Liebe, Oliver Meth! Leider wird immer öfter der „einfache Weg“ gewählt.“

Am liebsten würde Oliver Meth seinen Brutus in liebevolle Hände geben. „Aber wer kümmert sich schon um einen fremden kranken Hund?“

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