Forensik: RWE-Fläche kommt wieder ins Gespräch

Klage bleibt erhalten

Wo wird die neue Forensik in Lünen gebaut? Noch immer sind sich die Stadt Lünen und das Gesundheitsministerium nicht einig. Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns hat jetzt die RWE-Fläche im Südwesten der Victoria-Brache vorgeschlagen. Das Ministerium wolle die Fläche in Betracht ziehen, so Kleine-Frauns. Das Ministerium widerspricht jedoch.

LÜNEN

, 24.06.2016, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Bürgerinitiative "Pro Victoria" möchte nicht, dass die Forensik in der Nähe der Wohnsiedlung gebaut wird. Sie schlägt deshalb die RWE-Fläche als Standort vor.

Die Bürgerinitiative "Pro Victoria" möchte nicht, dass die Forensik in der Nähe der Wohnsiedlung gebaut wird. Sie schlägt deshalb die RWE-Fläche als Standort vor.

In den Verhandlungen um die mögliche Ansiedlung einer Forensik kommt jetzt offenbar auch ein Standort auf der weiter südwestlich gelegenen RWE-Fläche der Victoria-Brache in Betracht. Das erklärte Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns (GFL) am Donnerstag, 23. Juni, beim Runden Tisch Münsterstraße, wo die Machbarkeitsstudie für die Victoria-Brache vorgestellt und diskutiert wurde.

Klage wird nicht zurückgenommen

Das Gesundheitsministerium widerspricht. Er habe in den vergangenen Wochen mit Vertretern des Ministeriums gesprochen, erklärte Kleine-Frauns: „Das Ministerium hat zugesichert, dass es die RWE-Fläche näher unter die Lupe nehmen wird. Dass es würdigen wird, dass RWE sich das durchaus vorstellen könnte.“ Kleine-Frauns machte aber auch klar, dass dies keineswegs bedeute, dass die Stadt die Klage jetzt zurücknehmen werde. „Das wäre Unsinn“, sagte er, „man muss sich erst einmal einig werden“.

Aus dem Ministerium jedoch klang das am Donnerstag, 23. Juni, ganz anders: „Völlig unabhängig vom Klageverfahren: Die RWE-Fläche kommt für uns nicht infrage, das wurde dem Bürgermeister von uns aus auch eindeutig so mitgeteilt“, erklärte Sprecher Christoph Meinerz auf Anfrage.

Bürgermeister beruft sich auf Telefonat mit Gesundheitsministerin

Laut Frank Knoll, persönliche Referent des Bürgermeisters, habe Kleine-Frauns vor einigen Wochen mit Gesundheitsministerin Barbara Steffens telefoniert. In dem Gespräch habe er betont, dass das RWE-Areal genausogut wie das RAG-Areal geeignet sei. „Das hat die Ministerin bestritten, aber zugesichert, Materialien über den Zustand der Fläche noch einmal sichten zu lassen. Der Bürgermeister war sehr vehement“, erklärt Knoll.

Das Szenario 4 der von der Stadt in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie könnte also künftig in den Fokus rücken. Zwei Planungsbüros hatten dort skizziert, welche Chancen und Risiken das Gelände bei Klage-Rücknahme (Kooperation) oder bei Fortführung der Klage – Konfrontation genannt – hat. 

RWE-Fläche hat einen größeren Abstand zum Wohnviertel

Szenario 4 sieht darin einen „Prozess zur Klagerücknahme“ vor, in der Hoffnung, dass das Ministerium dann bereit ist, die Forensik auf der RWE- und nicht auf der RAG-Fläche zu bauen. Eine Forderung, die die Bürgerinitiative „Pro Victoria“ lange gestellt hatte, auch weil die Klinik für psychisch kranke Straftäter so in größerer Entfernung zur Wohnbebauung gebaut würde. Das schien jedoch lange undenkbar, weil das Gesundheitsministerium die Forderungen der Bürgerinitiative immer zurückgewiesen hatte. Das Gelände sei dafür nicht geeignet, es sei nicht tragfähig genug, eine Aufarbeitung zu aufwendig, hieß es aus dem Ministerium.

RWE sei aus dem Ministerium gar nicht angesprochen worden und habe auch keine Sanierungspreise aufgerufen, entgegnete dem Franz-Josef Drabig, Leiter der RWE-Konzernimmobilien. Drabig erklärte zudem, dass die Vereinbarung über die Sanierung des Grundwassers zwischen RWE und Kreis bald unterschriftsreif sei. Nach früheren Angaben nimmt der Konzern dafür bis zu 7 Millionen Euro in die Hand. Das Wasser muss abgepumpt und gefiltert werden – es enthält zum Teil hochgiftige Schadstoffe, die über das Grundwasser in die Lippe fließen. 

Alle Artikel zur geplanten Forensik:

Angst um das Grubenwehrheim
Vertreter der Grubenwehrvereinigung machten sich bei dem Runden Tisch wiederholt . Dem Heim wird in der Machbarkeitsstudie aufgrund des belasteten Bodens keine dauerhafte Perspektive bescheinigt. Ein Mitglied der Vereinigung hatte unter anderem ein Gutachten dabei, dass die Eignung des Standortes für das Grubenwehrheim bestätigen solle. Man habe „alle relevanten Gutachten“ für die Studie zu Rate gezogen, erwiderte darauf Martin Richardt vom Plaungsbüro dtp.

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