Gastronomie sucht Mitarbeiter: Welche Konsequenzen „Bella Italia“ aus dem Mangel zieht

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Jobs in der Gastronomie sind nicht gerade besonders beliebt. Das stellen auch immer mehr Lüner Restaurant-Besitzer fest. Bei „Bella Italia“ ändert sich deshalb ab sofort etwas.

Lünen

, 16.09.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bis vor vier Jahren hatten Antonio und Cristina Rizzo eine Sieben-Tage-Woche. In ihrem Restaurant „Bella Italia“ gab es keinen Ruhetag. Das hat das Ehepaar inzwischen geändert. Seitdem ist Montag Ruhetag.

„Wir haben drei Jahre lang keinen Urlaub gemacht, bis vor ein paar Jahren gab es auch keine Betriebsferien. Das haben wir geändert, machen jetzt auch mal während der Sommerferien ein paar Wochen zu“, so Antonio Rizzo.

Im 35. Jahr führt der Süditaliener sein Restaurant an der Dortmunder Straße. In letzter Zeit musste er - wie auch andere Kollegen aus der Branche - immer mehr damit kämpfen, dass es nicht genügend Mitarbeiter gibt.

Chef bedient mittags selbst und hilft manchmal auch in der Küche

„Wir kommen am Wochenende und abends über die Runden, da haben wir auch Studenten und Schüler, die bedienen.“ Aber mittags ist es schwierig, da muss der Chef selbst oft nicht nur bedienen, sondern auch noch in der Küche mithelfen.

Jetzt zieht das Ehepaar daraus Konsequenzen: Ab Dienstag (17.9.) öffnet das „Bella Italia“ erst abends. Mittags ist dann nur noch sonntags und an Feiertagen geöffnet.

„Wir haben uns diesen Test vorgenommen - wollen es erstmal drei bis sechs Monate lang ausprobieren. Und dann rechnen“, so Antonio Rizzo. Klar ist: „Natürlich wird es dann weniger Umsatz geben.“ Aber der Gastronom sieht auch Vorteile: „Ich kann dann selbst einkaufen gehen, mich mit Kollegen treffen und endlich auch viele Ideen aus der Schublade holen, die ich bisher nicht umsetzen konnte, weil die Zeit fehlte.“

„An manchen Tagen hab ich meine Kinder gar nicht gesehen“

Dazu gehören Ideen wie „italienische Abende“ oder Weinproben. Auch das kostet Zeit, aber die investiert Rizzo gerne: „Ich bin mit Leidenschaft bei der Sache.“ Er ist gerne Gastgeber in seinem Restaurant, weiß aber auch: „Jeder Mensch hat seine Grenzen.“

Es gab Tage, da hat Rizzo seine Kinder Joséphine und Adrian gar nicht gesehen, weil er nur im und für das „Bella Italia“ im Einsatz war. Inzwischen helfen die Geschwister schon mit im Restaurant. Ob sie es jedoch eines Tages übernehmen, ist nicht sicher. „Da lasse ich den Beiden auch alle Freiheiten.“

Gastronomie sucht Mitarbeiter: Welche Konsequenzen „Bella Italia“ aus dem Mangel zieht

Frank Teschler bei der Arbeit im Brauhaus „Drei Linden“. Auch er sagt: Es wird schwieriger gutes Personal für den Gastronomiebereich zu bekommen. © Niehaus

Dass es problematisch geworden ist, gutes Personal im Gastronomiebereich zu finden, sieht auch Frank Teschler, seit vielen Jahren Wirt im „Brauhaus Drei Linden“ an der Langen Straße.

„Weil derzeit viele Kollege schließen, sind einige gute Kräfte wieder auf dem Markt.“ Auch er und seine Frau hatten bis vor zwei Jahren eine Sieben-Tage-Woche, dann entschloss er sich, den Montag als Ruhetag einzuführen: „Sonntags schließen wir um 15 Uhr, wenn nicht gerade verkaufsoffener Sonntag ist. Wir gehen inzwischen auch auf die 60 zu, da ist so ein freier Tag schon gut.“

Auch Chancen für Ungelernte

Teschler beobachtet, dass das „bedienen wollen“ ein wenig aus der Mode gekommen sei. „Andererseits haben wir Mitarbeiter, die seit 20 Jahren bei uns sind, und eine gute Küchenmannschaft, worüber ich sehr glücklich bin.“

Im Service sieht er auch Chancen für Ungelernte: „Man braucht schon etwas Talent, wichtig ist auch Ausstrahlung und Freundlichkeit. Das Praktische lernt man in ein paar Monaten.“

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Familie Tzes serviert im "Irodion" seit 1983 griechische Speisen. Mittlerweile sind die Söhne mit eingestiegen (v.l.): Konstantinos, Vater Christos, Mutter Elena und Dimitrios Tzes. © Daniel Claeßen

Auf die Familie setzt Elena Tzes, die Chefin des griechischen Restaurants „Irodion“. Seit 37 Jahren führt sie mit ihrem Mann Christos das Restaurant am Roggenmarkt.

„Wir haben keine Probleme, weil unsere Söhne und auch die Schwiegertochter mit helfen. Wir sind dann zu sechst im Service“, so Elena Tzes. Abwechselnd bekommen die Familienmitglieder in der Woche frei, so dass jeden Tag mittags und abends geöffnet ist, bis auf Montagmittag.

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