Meinung

Geht ruhig weiter spazieren in Lünen, aber guckt mit wem

Zwei Demonstrationen ziehen gleichzeitig durch Lünen, ohne sich zu begegnen. Ein starkes Zeichen - für Demokratie. Und dafür, dass Menschen in der Pandemie zunehmend in getrennten Welten leben.
Der Demonstrationszug der Gegner der Coronamaßnahmen auf der Kurt-Schumacher-Straße in Lünen. © Sylvia vom Hofe

Es ist schon bizarr. Menschen stehen mitten auf dem Marktplatz und halten Reden, in denen sie beklagen, nicht reden zu dürfen. Sie kämpfen für grundgesetzlich garantierte Freiheitsrechte, spannen aber dafür ausgerechnet Neonazis ein, die genau diese Rechte aushöhlen wollen. Sie fordern Meinungsfreiheit, attackieren aber Medien, die andere Meinungen veröffentlichen als ihre eigenen – diese zum Beispiel.

Um es ganz klar zu sagen: Ich will die Proteste der Impfgegner nicht dämonisieren. Warum auch? Versammlungsrechtlich angemeldete Proteste gegen die Corona-Maßnahmen des Staates sind gelebte Demokratie. Und auch in Zeiten von Corona – oder vielleicht sogar gerade jetzt – muss weiter gelten: „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“ – auch dann, wenn diese anderen Gedanken bizarr sind. Darum tun Lünerinnen und Lüner gut daran, nicht nur nebeneinander her zu demonstrieren, sondern auch miteinander zu sprechen – im kleinen Kreis, in der Familie, auf der Arbeitsstelle, überall da, wo Gegner und Befürworter der Coronamaßnahmen aufeinander treffen.

Bei aller Gesprächsbereitschaft ist es aber meiner Meinung auch nötig, klare Grenzen zu ziehen: Wer mit den Rechten marschiert – und das nicht irgendwann, sondern erst kürzlich -, kann keinem erzählen, dass er sich für die liberale Gesellschaft stark macht. Und wem das egal ist, sollte einmal überlegen, warum er sich selbst dem ausliefert.

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