Geld für Abi-Shirts war einfach weg: Lünerin erschien erst gar nicht vor dem Richter

hzAmtsgericht

Eigentlich waren die 800 Euro für T-Shirts der Abschlussklasse ihrer Tochter gedacht. Eine Lünerin gab das Geld aus, musste dafür vor Gericht. Eine zweite Chance nutzte sie nicht.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 13.03.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einer finanziellen Notlage gab eine Lünerin das Geld aus, das für die Abschluss-T-Shirts der Klasse ihrer Tochter bestimmt war. Vor Gericht versprach sie im Spätsommer, die 800 Euro zurückzuzahlen. Offenbar floss aber kein einziger Cent. Das hatte jetzt Folgen.

Keine T-Shirts, aber Geld war weg

Rückblende: Mit einem einheitlichen T-Shirt wollten die Schüler ihrem Abschluss eine besondere Note geben. Selbst ihre Lehrer sollten welche erhalten. Die Mutter einer Schülerin erklärte sich bereit, das Ganze zu regeln.

Sie erhielt insgesamt 800 Euro. Doch für die Klasse endete das Ganze bitter. Das Geld war weg und T-Shirts waren Fehlanzeige. Die Sache endete mit einer Strafanzeige wegen Unterschlagung gegen die 48-Jährige.

Betroffene Schüler erlebten Verhandlung mit

Ende August saß sie, die zuvor noch nie negativ in Erscheinung getreten war, im Amtsgericht auf der Anklagebank – im Angesicht mehrerer betroffener Ex-Schülerinnen.

Den Vorwurf stellte sie nicht in Abrede. Vielmehr versuchte sie, das Ganze zu begründen. Es sei nicht von Anfang an ihre Absicht gewesen, das Geld in die eigene Tasche zu stecken. Aber dann, als sich die Lage immer mehr zugespitzt habe, seien die 800 Euro „im Haushalt untergegangen“.

Dazu habe auch eine Kontopfändung beigetragen. Zwischenzeitlich habe sie bereits sieben Schülern ihr Geld gegeben. Und den verbliebenen Betrag wolle sie auch gerne zahlen. „Geben Sie mir bis zum 1. September und alle Kinder haben ihr Geld zurück“, beteuerte sie im Brustton der Überzeugung.

Mitgefühl des Richters galt der Tochter

Richter Ulrich Oehrle, der nicht fassen konnte, dass sich die Angeklagte nicht an die Lehrerin wandte und dessen Mitgefühl nicht zuletzt der Tochter der Lünerin galt, nahm sie beim Wort. Die 48-Jährige erhielt eine Chance. Ihr Verfahren wurde vorläufig eingestellt. Die Auflage: Bis Ende Oktober sollte sie das Geld an die betroffenen Schüler zurückzahlen. Darüber hinaus erhielt sie 200 Euro Geldbuße.

Fall wurde erneut verhandelt

Diese Chance, einer Verurteilung zu entgehen, wusste die Angeklagte augenscheinlich aber nicht zu würdigen. Offenbar zahlte sie nicht und aus diesem Grund sollte der Fall nun erneut verhandelt werden. Als die Sache aufgerufen wurde, geschah gar nichts. Von der Lünerin fehlte jede Spur – und das ohne eine Entschuldigung. Unter den Umständen machte Richter Ulrich Oehrle im wahrsten Sinne des Wortes kurzen Prozess. Auf Antrag der Vertreterin der Staatsanwaltschaft verkündete er einen Strafbefehl: 300 Euro Geldstrafe und die Einziehung von 800 Euro als Wertersatz. Eben das Geld, das für T-Shirts für einen ganz besonderen Anlass gedacht war.

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