Geldautomaten-Coup in Lünen: Was passierte wirklich in der Sparda-Bank?

hzProzess in Dortmund

Was lief für die Täter schief? Warum haben sie den Geldautomaten in der Sparda-Bank doch nicht gesprengt? Der Verdächtige hat dafür eine Erklärung, die aber niemand bestätigen kann.

Lünen-Süd

, 01.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 33-jährigen Polen vor, zusammen mit einem Komplizen im Mai 2016 versucht zu haben, einen Geldautomaten der Sparda-Bank zu sprengen. Die beiden Männer sollen gerade dabei gewesen sein, Löcher in die Seitenwand des Gerätes zu bohren, um später ein Gasgemisch einleiten zu können, als ein Alarm sie in die Flucht geschlagen haben soll.

Sofortiges Geständnis

Wie schon beim ersten Prozessauftakt im Juni legte der Angeklagte sofort ein Geständnis ab. „Ich war einer der beiden Männer“, gab er zu. Den Namen des Mittäters wolle er unter keinen Umständen verraten, weil er Angst um seine Familie in Polen habe. „Ich habe jemanden getroffen, von dem ich mich besser ferngehalten hätte“, sagte der 33-Jährige. „Das weiß ich jetzt.“

Mit dem Geldautomaten-Coup wollte sich der Pole angeblich seiner Spiel- und Wettschulden entledigen. Seit er aus seiner Heimat nach Deutschland gekommen sei, habe er regelmäßig weite Teile seines Gehaltes verzockt. Schließlich habe er sich immer mehr Geld leihen müssen. „Und dann ist mit die ganze Sache über den Kopf gewachsen“, sagte er den Richtern.

Geld- und Wettschulden

Nur eines wollte der 33-Jährige dann auch jetzt wieder klarstellen. Nicht der Alarm, sondern sein eigenes schlechtes Gewissen hätten dafür gesorgt, dass es in der Tatnacht nicht zu einer Explosion kam. „Ich habe mich irgendwann gefragt, ob es das wirklich wert ist“, hieß es am Montag in dem Geständnis des Polen. „Also habe ich die Tat abgebrochen und meinem Komplizen bedeutet, dass ich raus bin.“

Angeblich freiwillig aufgehört

Genau an dieser Stelle war im Juni der erste Prozessversuch gegen den 33-Jährigen abgebrochen worden. Die Richter müssen das Geständnis des Mannes natürlich auf Herz und Nieren überprüfen. Denn klar ist: Sollte der Pole tatsächlich aus freien Stücken von der beabsichtigten Tat zurückgetreten sein, würde sich dies massiv auf die Höhe der zu erwartenden Strafe niederschlagen. Möglicherweise hätte er dann nämlich im juristischen Sinne überhaupt keinen Versuch unternommen, den Automaten zu sprengen und den Inhalt zu stehlen.

Zeugen sollen kommen

Aus diesem Grund soll jetzt unter anderem ausgewertet werden, zu welchem Zeitpunkt ein Alarm der Sparda-Bank ausgelöst hat. Dazu sollen an einem der folgenden Prozesstage Zeugen vernommen werden. Der Angeklagte beteuerte dazu am Montag: „Ich habe nichts gesehen und nichts gehört. Ich habe keinen Alarm wahrgenommen.“

Der Pole wirkte zum neuen Prozessauftakt wesentlich entspannter als noch im Juni. Inzwischen ist nämlich der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt worden, so dass er jetzt auf freiem Fuß ist.

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