Gemeindereferent Stephan Wilhelm: Menschen aufzubauen war ihm wichtig

hzPastoraler Raum Lünen

Eigentlich sollte er nach drei, vier Jahren die Gemeinde wechseln. Doch Stephan Wilhelm bliebt 37 Jahre Gemeindereferent in Lünen-Süd. Nun ist er Rentner, bleibt der Wahl-Heimat aber treu.

Lünen-Süd

, 08.11.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass er in Rente gehen würde, mit 65 Jahren und elf Monaten, war Stephan Wilhelm lange klar. Auch, dass es natürlich eine feierliche Verabschiedung geben wird. Dass er aber seine Abschiedsgeschenke mit einem Mund-Nasen-Schutz vor dem Gesicht entgegen nehmen würde, konnte Wilhelm nicht ahnen. Doch wegen Corona musste auch die Abschiedsfeier für den beliebten Gemeindereferenten im Rahmen der Samstag-Abendmesse in „seiner“ Kirche Heilige Familie an der Jägerstraße stattfinden.

Mit dabei waren sein aktueller Chef, Pfarrer Dr. Thomas Roddey, der den Pastoralen Raum Lünen, die katholischen Gemeinden südlich der Lippe, leitet, und sein erster Chef Willi Aufenberg seit vielen Jahren zwar als Gemeindepfarrer im Ruhestand, aber als Subsidiar an der Messe beteiligt. Aufenberg hielt auch die Predigt.

Industriekaufmann gelernt

Stephan Wilhelm stammt aus dem Siegerland, was man auch immer noch ein bisschen hört. Ursprünglich hatte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann abgeschlossen, merkte jedoch schnell, dass die Arbeit im Büro nicht das Richtige für ihn ist. Er wollte mehr mit Menschen zu tun haben und entschloss sich, an der katholischen Fachhochschule in Paderborn Religionspädagogik zu studieren. Nach sieben Semestern folgte ein Anerkennungsjahr im sauerländischen Hemer. „Das ist die Heimatgemeinde von Willi Aufenberg, was ich natürlich noch nicht wusste“, erinnert sich Wilhelm.

Nach 37 Jahren als Gemeindereferent in Lünen-Süd ist Stephan Wilhelm nun Rentner.

Nach 37 Jahren als Gemeindereferent in Lünen-Süd ist Stephan Wilhelm nun Rentner. © Roswitha Mohrmann

Dass er danach 1983 eine Stelle in Lünen-Süd als Gemeindereferent bekam, war genau das Richtige für ihn: „Ich wollte gerne ins Ruhrgebiet.“ Die Stelle hatte er auch bekommen, weil er kein Auto hatte und Gemeindepfarrer Aufenberg auch mit dem Fahrrad in der Gemeinde unterwegs war. „Da dachte man wahrscheinlich, zwei Leute mit dem Fahrrad, das passt.“

Eigentlich war es damals üblich, dass Gemeindereferenten nach drei, vier Jahren die Gemeinde wechselten. Aber Pfarrer Aufenberg gelang es, Wilhelm in Lünen-Süd zu halten. 37 Jahre lang. Auch als Rentner wird er in Lünen-Süd, seiner zweiten Heimat, bleiben.

Die Verabschiedung von Stephan Wilhelm fand natürlich unter den derzeitig geltenden Corona-Regeln statt.

Die Verabschiedung von Stephan Wilhelm fand natürlich unter den derzeitig geltenden Corona-Regeln statt. © Roswitha Mohrmann

An seinem Beruf schätzte er immer das Lebendige, den Kontakt sowohl mit Kindern als auch Senioren, dass er mit den Menschen sowohl Freude als auch Trauer teilen konnte. „Natürlich gab es auch Büroarbeit, aber mit war es wichtig, Glaubensgespräche zu führen, Menschen aufzubauen.“

Als Geschenk zum Abschied bekam er auch Erinnerungen von Menschen aus Lünen-Süd, die ihm bescheinigten, er habe sie gestärkt und aufgebaut. Darüber freut sich Wilhelm besonders. Aber auch über Geld für ein E-Bike, denn mit dem Rad ist er immer noch gerne unterwegs.

Im Laufe der fast vier Jahrzehnte hatte er unterschiedliche Pfarrer als Chefs erlebt, unterschiedliche Arbeitsbereiche kennengelernt, die Pfadfinder mit gegründet und auch die Auflösung der Gruppe mit begleitet.

Viele berufliche Veränderungen

Die Veränderungen von der Gemeinde Heilige Familie hin zum Pastoralen Raum Lünen mit mehreren früheren Gemeinden war in den letzten Jahren seines Berufslebens bestimmend. „Ich denke, Corona hat die grundsätzliche Diskussion beschleunigt, darüber, was noch geht in der Kirche und wie sich die Gemeindearbeit verändert.“ Wäre er jetzt jung, würde er sich freuen, den Prozess mitzugestalten, die Menschen abzuholen. So beobachtet er die Entwicklung interessiert, beteiligt sich auch noch am Pogromgedenken in Lünen-Süd und an der Aktion Friedenslicht in der Adventszeit.

Von der evangelischen Gemeinde Horstmar-Preußen gab es auch ein Abschiedsgeschenk für Stephan Wilhelm.

Von der evangelischen Gemeinde Horstmar-Preußen gab es auch ein Abschiedsgeschenk für Stephan Wilhelm. © Roswitha Mohrmann

Auf seine Zeit in Rente hat er sich vorbereitet, will seine Frau, die noch berufstätig ist, im Haushalt und bei der Gartenarbeit unterstützen, aber auch Englisch weiter lernen, schwimmen gehen oder beim Walken Gedichte auswendig lernen. „Ich hab es ausprobiert, das klappt prima und ist die totale Entspannung.“

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