In die beruflichen Fußstapfen der Eltern treten - das ist heute nicht selbstverständlich. Doch in Lünen gibt es erfolgreiche Beispiele der Firmenübernahme. Wie Anna Isabell Küppersbusch.

Horstmar

, 26.06.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Pillen, Packungen, Präparate. Anna Isabell Küpperbusch ist quasi in der Apotheke groß geworden. „Zu wissen, wo der Vater arbeitet und Einblick zu bekommen, das war extrem spannend“, erinnert sie sich. 32 Jahre lang leitete Apotheker Friedrich Karl Küpperbusch die Barbara-Apotheke in Horstmar und seit 2006 die Alte Apotheke in Lünen-Süd. Tochter Anna war mittendrin.

Ihr Taschengeld besserte sie sich als Schülerin auf, indem sie per Fahrrad Medikamente auslieferte. Sie schaute zu, wie Salben, Zäpfchen und Kapseln früher von Hand hergestellt wurden. Heute gibt es vieles schon fertig. Gerührt wird aber immer noch, beispielsweise für Pasten oder Emulsionen. In Spezialfällen fertigt die Apotheke auch Kapseln oder Zäpfchen an.

Anfangs sah sie ihre Zukunft nicht als Apothekerin

Ihre berufliche Zukunft sah Anna Küppersbusch damals nicht als Apothekerin im weißen Kittel. „Naturwissenschaften sind gar nicht mein Ding“, sagt die 33-Jährige. Ihr liegen Sprachen. Lehrerin oder Kinderpsychologin waren ihre Pläne nach dem Abitur am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Inzwischen ist Anna Küppersbusch seit fünf Jahren Chefin beider Apotheken mit 24 Mitarbeitern. „Heute kann ich mir nichts anderes mehr vorstellen.“ Als großen Glücksfall bezeichnet sie, dass sie ohne Druck aus dem Elternhaus ihren Weg frei wählen konnte. Denn ihr liegt es, Kunden zu beraten, einfühlsam auf sie einzugehen und zu überlegen, was ihnen helfen könnte. „Dazu brauche ich natürlich den naturwissenschaftlichen Hintergrund.“

Information

Ein Blick in die Historie der Apotheken

  • 1982 zog Friedrich Karl Küppersbuch mit seiner Frau Monika und der Famlie nach Lünen.
  • Er übernahm die Barbara-Apotheke an der Preußenstraße 73-75 in Lünen-Horstmar von Gerhard Behrend, der mit seiner Familie nach Kanada auswanderte.
  • 2006 eröffnete Friedrich Karl Küppersbusch die Alte Apotheke in der Alsenstraße 3 in Lünen-Süd.
  • 2014 übernahm Anna Isabell Küppersbusch in zweiter Generation beide Apotheken.

Den paukte sie in Marburg. Während ihrer Zeit in Marokko als Sportanimateurin kurz nach dem Abi reifte doch der Entschluss, Pharmazie zu studieren. Das Vorbild hatte sie vor Augen. Sie wusste, auf was sie sich einließ. „Meine Eltern sind aus allen Wolken gefallen“, erinnert sie sich. Anna ist ehrgeizig. Mit viel Fleiß und Disziplin hat sie sich durchgebissen. Mit der Wahl des Studiums war dann auch klar, dass sie die Apotheken übernehmen würde.

Erste Findungsphase als Mitarbeiterin

Der Einstieg war sanft. Dafür hatte der Vater gesorgt. 2012 begann sie zunächst zwei Jahre als Mitarbeiterin. „Es war eine Findungsphase“, beschreibt sie die erste Zeit. Dann wagte die junge Apothekerin mit 28 Jahren den entscheidenden Schritt. Sie wusste loyale Mitarbeiter an ihrer Seite und den Vater im Hintergrund. Anna Küppersbusch wurde Chefin beider Apotheken und entwickelte ihren eigenen Führungsstil. „Vieles hat sich verändert, der Druck ist höher geworden.“

Glücksfall Apotheke: Anna Küppersbusch kann sich heute nichts anderes mehr vorstellen

Generationenwechsel: Apotheker Friedrich Karl Küppersbusch hat 2014 die Leitung der Barbara-Apotheke und der Alten Apotheke an seine Tochter Anna Isabell Küppersbusch übergeben. © Niehaus

Datenschutz, Qualitätsmanagement, Dokumentation: „Die Bürokratie nimmt zu.“ Bei jeder Packung müssen Lieferwege nachvollzogen werden, um Fälschungen zu verhindern. Lagerung und Klimawerte in den Räumen sind genau zu protokollieren. „Mein Vater hat früher noch mit Kärtchen gearbeitet“, nennt sie die Veränderungen.

Konkurrenz durch online-Apotheken

Bei Rezepturen ist die ärztliche Verordnung zu prüfen, ein Herstellungsprotokoll zu führen und letztlich muss der Apotheker das Produkt freigeben. Zu dem gestiegenen Aufwand kommt die Konkurrenz durch Online-Apotheken. Trotzdem möchte Anna Küpperbusch nirgendwo anders sein als in der Apotheke, wo sie bei Fragen rund um die Gesundheit wichtiger Ratgeber sein kann.

Es war der Weg der kleinen Schritte, der ihr in die Selbstständigkeit geholfen hat. Das Wissen, den Vater fragen zu können. Und die Chance, anfangs die Apotheken pachten zu können. „Das hat viel Druck genommen, eine Neugründung wäre sicher mutiger gewesen.“

Manche Kunden kennt sie seit der Grundschulzeit

Viele Kunden kennt Anna Küppersbusch schon lange, einige seit der Grundschulzeit. Manche hatten die junge Apothekerin hinter der Theke anfangs für eine Praktikantin gehalten. Andere hätten verwundert gesagt: „Sie sind die Chefin?“ Inzwischen ist das keine Frage mehr. Die Apothekerin ist akzeptiert. Und die Stammkunden waren dankbar, dass sich jemand Vertrautes um die Rezepte kümmert. Der Vater schaut als Ruheständler noch immer vorbei, glücklich und stolz, sein Lebenswerk in guten Händen zu wissen.

Glücksfall Apotheke: Anna Küppersbusch kann sich heute nichts anderes mehr vorstellen

Apotheker Friedrich Karl Küppersbusch an einem der 420 alphabetisch geordneten Schubkästen in der Barbara-Apotheke. Das Foto entstand 1983. © Goldstein

Mit ihrer kleinen Familie und der zehn Monate alten Tochter Emma-Pauline wohnt Anna Küppersbusch in Münster. „Der Beruf und die Familie lassen sich gut vereinbaren.“ Viele ihrer Mitarbeiterinnen haben auch Kinder. Sie wissen, wie es ist, wenn diese mal krank sind, helfen und unterstützen. „Das ist schön zu sehen.“

Überzeugt von ihrer Aufgabe

Dass es nicht immer einfach ist, in die Fußstapfen der Vorgänger-Generation zu steigen, sieht auch Anna Küppersbusch so. „Man will es ja auch gut machen.“ Doch weil sie sich aus freien Stücken dazu entschieden hat, ist sie heute so überzeugt von ihrer Aufgabe. Und meistert sie mit Schwung und eigenen Zielen. Den Vater fragt sie immer weniger, denn die 33-Jährige weiß selbst, was sie will. Sie möchte nirgendwo anders sein, als in der Apotheke.

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