Grüne Oasen und Industrie-Romantik Wanderweg zeigt Lünens Facetten

hzFreie Zeit

Ein Urlaubstag am Wasser oder lieber im Wald? Auf den Spuren der alten Römer oder Napoleons? Im Schatten von Kraftwerken oder im Naturschutzgebiet? Wer den Lünen-Weg wandert, erlebt alles.

Lünen

, 11.07.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vor genau 40 Jahren wurde der 19 Kilometer lange Lüner Rundwanderweg eingeweiht. Ein Anlass für unseren Autoren, ihn wieder einmal zu begehen. Sein Fazit: Zur Nachahmung empfohlen, denn es gibt viel zu entdecken.

Ein altes Wanderlied sagt: „Im Frühtau zu Berge wir zieh’n, fallera.“ Warum soll diese Devise nicht auch im Flachland gelten? Also starte ich mit meinem Hund Cooper morgens um 7 Uhr am Datteln-Hamm-Kanal in der Nähe der Brücke Brunnenstraße. Schon nach wenigen Schritten stoße ich auf das weiße „L“ auf schwarzem Grund, das diesen Weg markiert. Im Uhrzeigersinn wandern wir auf Brambauer zu - das ist ein Stadtteil der Lippe-Stadt Lünen. In einem Rundwanderweg werde ich sie heute erkunden.

Nach knapp einem Kilometer kann man hinter Bäumen die markante Landmarke, das futuristische „Colani-Ei“ auf dem ehemaligen Förderturm entdecken. Auf der anderen Kanal-Seite bietet sich eine typische Industriekulisse: „Microca“, wo Kohlenstäube aufbereitet werden, das „Trianel Kraftwerk“ (augenblicklich außer Betrieb) und „Innovatherm“, wo man sich auf die Verbrennung von Klärschlämmen spezialisiert hat.

Das ist der Streckenlauf des Lüner Rundwanderweges. Das weiße „L“ auf schwarzem Grund leitet die Strecke entlang.

Das ist der Streckenlauf des Lüner Rundwanderweges. Das weiße „L“ auf schwarzem Grund leitet die Strecke entlang. © Grafik: Martin Klose

Nach Überquerung des Kanals auf der Fußgängerbrücke, einen Wegstück auf der Frydagstraße und dem Passieren der Eisenbahn bestimmen Natur und Beschaulichkeit die Sinneseindrücke: das laute Quaken der Frösche im Mühlenteich, die romantische Schlossmühle Lippholthausen, der Duft der blühenden Linden und das Zwitschern der Vögel auf der Schlossallee. Da die klassizistische Buddenburg im Jahre 1977 abgerissen wurde, nur noch Ligusterhecken den Grundriss der alten Gebäude markieren und historische Aufnahmen von früheren Zeiten zeugen, sind hier Fantasie und Erinnerung der Passanten gefragt.

Beeindruckende Ausblicke in die Auenlandschaft

Ein paar Hundert Meter weiter befindet sich eine weitere Sehenswürdigkeit, der Fischaufstieg. Er ermöglicht den Fischen eine durchgehende Wanderung stromaufwärts, die das Stauwehr des Steag-Kraftwerkes ohne diese Hilfe verhindern würde.

Der Weg am Datteln-Hamm-Kanal zeigt das für Lünen typische Nebeneinander von Industrie und Natur.

Der Weg am Datteln-Hamm-Kanal zeigt das für Lünen typische Nebeneinander von Industrie und Natur. © Diethelm Textoris

Vom Ortsrand Alstedde wandern wir über den Lippedamm bis zur Fußgängerbrücke in der Lüner Innenstadt. Rechts von uns bieten sich beeindruckende Ausblicke auf die Auenlandschaft der Lippe, die sich als „Mäandertaler“ durch die Wiesen des Naturschutzgebietes schlängelt.

Die hier angesiedelten Hochlandrinder machen mit tierischen Lauten auf sich aufmerksam. Bänke laden zum Verweilen ein, Informationstafeln geben Nachhilfe in Naturkunde und Geschichte, berichten von Sagen und Kuriositäten, denn auf diesen Streckenabschnitten läuft der Lüner Rundweg parallel mit dem Erlebnisweg Lippe.

Nach Unterquerung der Kurt-Schumacher-Straße treffe ich auf Horst Störmer vom Stadtverband für Heimatpflege Lünen, der mich mit dem Fahrrad für den Rest der Wegstrecke begleiten wird. Störmer gehört zu den frühen Nutzern des L-Weges. Er sorgte mit Bernhard Sehrbrock, dem verstorbenen Wegewart des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) mit Aktionen immer wieder dafür, dass der einzigartige Rundweg nicht in Vergessenheit geriet.

Hier war das ehemalige Uferkastell

Wie Recht er hat, merke ich schon bald nach der Seseke-Überquerung, als er mich auf den langgezogenen Saum von Silberweiden am gegenüberliegenden Lippeufer aufmerksam macht, den ich glatt übersehen hätte. Und auch den Ort des ehemaligen Uferkastells hätte ich nicht gebührend zu würdigen gewusst. Hier hatten im Jahr 11 vor Christus römische Legionäre ein Versorgungslager errichtet. „Für mich ist das der Höhepunkt des Wanderweges“, erklärt Störmer, „zum einen wegen seiner historischen Bedeutung, zum anderen wegen der natürlichen Idylle am Ufer der Lippe.“

Wie ein Bild aus alten Zeiten: die Schlossmühle in Lippholthausen

Wie ein Bild aus alten Zeiten: die Schlossmühle in Lippholthausen © Diethelm Textoris

Das findet auch Cooper, der an dieser sanften Stelle ohne Strömung ein erfrischendes Bad nimmt. Bald darauf verlassen wir die Lippe und kommen zur Kleingartenanlage an der Kamener Straße, mit einem überdimensionalen Insektenhotel am Eingang und schmucken Gartenhäusern beiderseits des Weges.

Ein nächster Höhepunkt ist die Durchschreitung des Schwansbell-Parks mit dem Schlossgebäude aus dem 19. Jahrhundert, der Gräfte mit der Garteninsel und dem Pavillon und den vielen exotischen Bäumen. Mit dem Kanal zur Rechten und dem Horstmarer See zur Linken kommen wir zum Preußenhafen.

Maritime Atmosphäre am Preußenhafen

„Nicht so pompös wie die Marina Rünthe, aber trotzdem hat der Wasserwanderplatz seine ganz eigene charmante maritime Atmosphäre“, meint Horst Störmer. Der sogenannte Mohr-Kran erinnert an die Bergbauvergangenheit, denn der Hafen war wichtiger Kohleumschlagplatz für die Zechen Preußen in Horstmar und Gneisenau in Derne. Eine Zechenanschlussbahn, auf deren Trasse heute der Emscher-Park-Wanderweg verläuft, brachte das schwarze Gold zum Datteln-Hamm-Kanal. „Wenn die Schiffe beladen wurden, konnten wir den Lärm Kilometer weit hören“, erinnert sich Störmer.

Die schottischen Hochlandrinder fühlen sich wohl in den Lippeauen und erfreuen manchmal die Spaziergänger mit ihren „tierischen" Lauten.

Die schottischen Hochlandrinder fühlen sich wohl in den Lippeauen und erfreuen manchmal die Spaziergänger mit ihren „tierischen" Lauten. © Diethelm Textoris

Langsam schließt sich der Kreis. Ein Blick in Richtung Napoleonsbuche: zwei mächtigen Stämmen, durch die Napoleon auf seinem Rückzug aus Russland 1813 geritten sein soll. Dann noch ein Blick auf den Lüner Stadthafen auf der anderen Kanalseite.

Kurz darauf erreiche ich nach knapp sechs Stunden Wanderzeit, ohne Pausen, aber im gemütlichen Schritttempo mit viel Gesprächsstoff meinen Ausgangspunkt. „Der Lüner Rundweg hat viele Höhepunkte, doch am faszinierendsten finde ich, dass er, mitten im Binnenland, auf zwei Dritteln seiner Strecke an Wasser entlang führt“, ist Horst Störmers abschließendes Urteil.

Noch ein Blick auf den Lüner Stadthafen, dann schließt sich der Kreis.

Noch ein Blick auf den Lüner Stadthafen, dann schließt sich der Kreis. © Diethelm Textoris

  • Der Lüner Rundweg ist 19 Kilometer lang und mit einem „L“ in beide Richtungen markiert. Offizieller Start- und Zielpunkt ist die Lippekaskade, doch jeder andere Punkt ist ebenso geeignet. Wegen langer schattenloser Passagen kann der Weg allerdings nicht für sehr heiße Tage empfohlen werden.
  • Wegen des teilweise identisch verlaufenden Erlebnisrundweges ist er im Bereich des südlichen Lippeufers mit seinen vielen Informationsstelen auch für Familien mit Kindern interessant.
  • Der illustrierte Flyer mit vielen nützlichen Hinweisen ist im Lüner Rathaus ausgelegt.
Lesen Sie jetzt