Nach Gullydeckel-Attacke auf Zug: Tatverdächtiger Lüner Lokführer schweigt beharrlich

hzErmittlungen gegen Lokführer

Auf der Suche nach einem Motiv für die Gullydeckel-Attacke auf eine Regionalbahn tappt die Staatsanwaltschaft Siegen weiter im Dunkeln. Sie wartet auf eine Stellungnahme der Gegenpartei.

Lünen

, 26.07.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach der Gullydeckel-Attacke auf eine Regionalbahn bei Bad Berleburg Mitte April dieses Jahres sind die Ermittlungen gegen den unter Tatverdacht stehenden Lüner Lokführer (49) längst noch nicht abgeschlossen.

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Siegen am Dienstag (23.) auf Anfrage unserer Redaktion sagte, werde der Anwalt des Lüners in den kommenden Tagen volle Akteneinsicht erhalten.

„Gespannt auf Stellungnahme“

„Wir sind gespannt auf die Stellungnahme und wie die ausfällt“, sagte der Sprecher weiter. Das Ganze werde sich aber noch einige Wochen hinziehen.

Der Tatverdächtige habe bei seiner Vernehmung im April alles bestritten, daran habe sich bis heute nichts geändert, hieß es bei der Staatsanwaltschaft am Dienstag weiter. Auch das Tatmotiv liege weiter im Dunkeln.

Wie berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den 49-jährigen Lüner Lokführer wegen Diebstahls (Gullydeckel, Anm. d. Red.), Vortäuschen einer Straftat, Sachbeschädigung und gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr.

Zu einem möglichen Strafmaß hatte der Sprecher der Staatsanwaltschaft im April keine Angaben gemacht. Vielmehr hatte er klargestellt, dass es sich um Ermittlungen wegen eines Verdachts handele.

Das ist passiert

Ein Zug der Hessischen Landesbahn war am Samstag, 23. April, gegen 6.25 Uhr auf der Strecke im Wittgensteiner Land gegen Gullydeckel gefahren, die an Seilen von einer Brücke über den Schienen hingen.

Der Lokführer hatte auf dieser Strecke den ersten Zug des Tages gesteuert - als unbesetzte Leerfahrt auf dem Weg vom nächtlichen Abstellplatz in Erndtebrück zum Startbahnhof Bad Berleburg.

Auswertung von Tatortspuren

„Aufgrund der intensiv und mit Hochdruck geführten Ermittlungen hat sich ein Tatverdacht gegen den 49-jährigen Lokführer, der den - ansonsten unbesetzten - Zug zur Vorfallszeit steuerte, ergeben“, hieß es später in einer Mitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei. „Der Lokführer geriet insbesondere durch die Auswertung von Tatortspuren in den Fokus der Ermittler.“

Zunächst waren Polizei und Staatsanwaltschaft von einem Anschlag ausgegangen, bei dem Unbekannte mehrere Gullydeckel von einer Brücke herab an Seilen über den Schienen aufgehangen hatten.

Demnach hatte - so der erste Anschein - mindestens ein Gullydeckel die Frontscheibe des bis auf den Lokführer leeren Zuges durchschlagen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte zunächst wegen versuchten Mordes.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Halterner Zeitung Operation „Atlantic Resolve“

Amerikaner bringen Militär über die A2 bei Lünen: Das sagt die US-Armee zum Transport