Heinz Rudolf Kunze: Poetischer und zugleich hochpolitischer Auftritt

hzHilpert-Theater

Wer zu einem Konzert von Heinz Rudolf Kunze geht, den erwartet nicht nur „Dein ist mein ganzes Herz“. Denn der Sänger ist ein politischer Mensch, wie er bei seinem Lüner Auftritt bewies.

Lünen

, 27.11.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er spielte abwechselnd auf drei Gitarren, auf der Mundharmonika und auf dem Konzertflügel. Dazu sang er seine eigenen Lieder. Einige ganz bekannte, einige weniger bekannte und auch solche, die viele der Zuhörer vielleicht noch nie gehört hatten.

Verbindende Texte waren literarisch und nie ohne Tiefgang

Dazwischen keine simplen Ansagen, sondern verbindende Texte, literarisch, oft poetisch und selbst bei Wortspielen und Kalauern nie ohne Tiefgang. Wenn einer die Bezeichnung Ausnahmekünstler verdient hat, dann ist es Heinz Rudolf Kunze. Er gastierte am Dienstagabend mit seinem Programm „Wie der Name schon sagt“ im gut besuchten Heinz-Hilpert-Theater.

Vielseitiger Künstler lockte Fans aus dem Umland nach Lünen

Wobei die meisten der Zuschauer aus dem Umland, einige sogar von weit her gekommen waren, um den Sänger, Liedermacher, Rockpoeten, Schriftsteller, Universitätsdozenten, literarisch- politischen Kabarettisten live in seiner Solo-Schau zu erleben.

Inhaltlich deckten die Lieder Kunzes (und auch die Zwischentexte) ein breites inhaltliches Spektrum ab. Da waren die Songs mit politischer Aussage, Beschreibungen der gesellschaftlichen Situation bei uns und in der Welt, Blicke in die Zukunft, mal düster, mal von Hoffnung durchsetzt, Politiker im Fokus, Lieder zum Wachrütteln und weg vom „Weiter so“.

Heinz Rudolf Kunze: Poetischer und zugleich hochpolitischer Auftritt

Heinz Rudolf Kunze auf der Bühne des Hilpert-Theaters. © Textoris

Am kompromisslosesten war vielleicht der Titel „Zitadelle“, der einen Bogen von den 68er-Visionen bis in die heutige Zeit zog: „Wir sind die Letzten in der alten Zitadelle, vom Feind umzingelt ohne Nachschub und allein, wir bleiben ungebrochen hier an Ort und Stelle, und werden morgen schon vielleicht Geschichte sein.“

Zum Lied-Schluss mit dem unverhohlenen Aufruf, weiter zu kämpfen statt zu resignieren. Da gab es manchmal humorvoll verkleidete und dann doch wieder erschreckende Vergleiche zwischen gestern und heute: „Seit wir den Vollidioten Trump haben, wissen wir erst, was wir an dem Trottel Bush hatten. Seit wir Andrea Berg haben, wissen wir erst, wie gut Vicky Leandros war.“

Wahrheit ist nur einen Mausklick von der Lüge entfernt

Weitere Lied- bzw. Textinhalte: Der Wert von Freiheit und Demokratie und auch deren Gefahren, „denn die Menschen haben auch die Freiheit, Verbrecher zu wählen.“ Wahrheit und Lüge: „Die Wahrheit ist nur einen Mausklick von der Lüge entfernt.“ Auseinandersetzung mit dem populistischen bzw. rechten Rand, mit der Erkenntnis: „Nicht nur auf Mallorca kann man braun werden.“ Oder eine Ode an die ganz normalen Menschen, die ihm sehr am Herzen lag.

Viele der von Kunze präsentierten Lieder waren poetische Liebeslieder, wobei Trennung und Verlust vielfach die Hauptrolle spielten: „Das sind keine Tränen, nur Regen in meinem Gesicht.“

Standing Ovations zum Schluss

Erst ganz zum Schluss kam Kunzes größter Hit: „Dein ist mein ganzes Herz“, der aber nicht, wie in der Operette von Franz Lehar mit „wo du nicht bist, kann ich nicht sein“ weiterging, sondern mit „du bist mein Reim auf Schmerz.“

Das Publikum im Hilpert Theater wusste die Qualität des fast dreistündigen Programms zu schätzen und bedankte sich beim Künstler mit laustarkem, anhaltenden Applaus und Standing Ovations.

Lob für die hervorragende Theater-Technik

Lisa Jägermann aus Mengede hatte ihrem Mann Andreas Haumann die Karten geschenkt: „Ich bin mit wenig Erwartungen gekommen und bin jetzt vollauf begeistert.“ Zusammen resümierten sie: „Das war großartig, poetisch und gleichzeitig hochpolitisch mit vielen nachdenkenswerten Inhalten. Ein Lob auch für die hervorragende Theater-Technik, dass alles so gut zu verstehen war.“

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