HighTech aus Lünen: 40-Tonnen-Maschine verlässt am Freitag die Stadt

hzFirma Kinast

Der Transport ist spektakulär, die Polizei begleitet ihn. Am Freitag (12.6.) liefert die Lüner Firma Kinast ihren 40 Tonnen schweren Nassentschlacker nach Stade. Das Gerät hat es in sich.

Lünen

, 09.06.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer nicht in der Welt der Technik zuhause ist, dem fällt bei dem Begriff Nassentschlacker nicht viel ein. Für die Firma Kinast in der Wethmarheide, die Produkte für Kraftwerke und Verbrennungsanlagen baut, ist er ein Vorzeigeobjekt. Das Unternehmen hat zwar schon viele ähnliche Anlagen auf seinem Firmengelände gebaut, doch dieser Nassentschlacker ist der zweite, der vollautomatisch läuft. In den vergangenen Tagen waren die Maschinenbauer und Firmenchefs Rainer Richter (68) und Lutz Richter (36) stark gefragt: Bevor der Nassentschlacker Richtung Norden geht, wollten ihn zahlreichen Interessenten sehen.

Weniger Energieverbrauch

Üblicherweise ist ein Standard-Gerät dazu da, glühend heiße Ofenschlacke aus Industrieanlagen zu befördern. Die Firma Kinast hat den Nassentschlacker so weiterentwickelt, dass viel mehr in ihm steckt. Mit komplexer Elektronik, die bei Kinast programmiert wurde, kann er der Industrie 4.0 zugeordnet werden. Seine Technik spart Ressourcen und auch Wartungskosten.

Heiße Ofenschlacke befördert der Nassentschlacker. Am Freitag (12.6.) wird er nach Stade transportiert.

Heiße Ofenschlacke befördert der Nassentschlacker. Am Freitag (12.6.) wird er nach Stade transportiert. © Quiring-Lategahn

Eine halbe Million Euro kostet der Nassentschlacker aus Lünen, den der Chemiekonzern DOW gekauft hat. In der Sondermüllverbrenungsanlage in Stade soll er rund um die Uhr eingesetzt werden. Die bei der Verbrennung entstehende Schlacke, fällt aus dem Ofen auf ein Stahlband. Das liegt in einem Wasserbecken. Bis zu vier Tonnen schwere Schlacke-Brocken können auf dem Band transportiert werden. Dank intelligenter Technik reagiert der Nassentschlacker von Kinast auf das Ascheaufkommen und passt die Bandgeschwindigkeit an. Sensoren messen die Temperatur des Prozesswassers. Der Stromverbrauch kann genau dosiert werden.

Kernstück ist allerdings die Umlenkwelle, die automatisch die Spannung des Bands regelt. Das garantiert einen geringen Verschleiß. Alle Daten werden in einem Display angezeigt.

Patente angemeldet

Auf ihre Entwicklungen hat die Firma Kinast schon drei Patente angemeldet. Ein viertes bezieht sich auf bestimmte Komponenten des Nassentschlackers.

Es war in einer Garage in Willich bei Viersen, in der Rainer Richter seinerzeit den Grundstein für Anlagenbau legte. 2003 stieg er bei dem Unternehmen Kinast ein, das seit 37 Jahren Markt ist. Die Lüner Firma ist ein Familienbetrieb: Vor drei Jahren kam Sohn Lutz als Geschäftsführer dazu. 30 Mitarbeiter sind dort beschäftigt, die Firma erwirtschaftet einen Umsatz von 4 Millionen Euro.

Die Kunden des Anlagenbauers kommen aus dem Bereich Verbrennungsanlagen. Vor allem im Bereich Müllverbrennung, Biomasse-, Kraft-und Heizkraftwerke sowie in der chemischen Industrie hat Kinast einen Namen.

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