Hilfe für beschädigtes Karussell: Ältere Frau mit rührender Spende

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Der Vorfall macht nach wie vor sprachlos: Unbekannte hatten ein Karussell-Fahrzeug aus einem Fahrgeschäft gerissen und in die Lippe geworfen. Den Lünern geht die Sache nah - und sie helfen.

Lünen

, 06.08.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Krise trifft viele Branchen hart - auch die Schausteller. Da Volksfeste wie die Lünsche Mess oder die Cranger Kirmes abgesagt sind, fehlen ihnen die Einnahmen. Anspruch auf Hartz IV oder Grundsicherung haben sie nicht. „Es ist dann einfach so, dass kein Geld reinkommt“, hatte Ricardo Arens, Sprecher des Schausteller-Vereins Rote Erde aus Dortmund, im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt.

Anlass dieses Gesprächs war ein Vorfall in der Lüner Innenstadt: Unbekannte hatten ein Fahrzeug aus dem Karussell am Alten Markt gerissen, es anschließend durch die halbe Innenstadt zur Lippebrücke an der Langen Straße getragen und dort ins Wasser geworfen. Die Karussellbetreiber bemerkten den Schaden am nächsten Morgen, das Fahrzeug wurde schließlich in der Lippe entdeckt.

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Somit kommen in diesem Fall neben den ausbleibenden Einnahmen auch Reparaturkosten auf die Schausteller zu. Arens schätzte den Schaden auf 1000 Euro. „Das kommt auch hin, wir liegen sogar leicht darüber“, sagte er am Donnerstag (6.8.) auf Anfrage. Immerhin: „Das Auto ist noch da. Und es kann repariert werden.“

Frau übergibt Umschlag an Schausteller

Allerdings nicht auf die Schnelle, denn der betroffene Schausteller kann laut Arens das Geld für die Reparatur nicht aufbringen. „Wenn man 600 Euro eingenommen hat, sind 1000 Euro ganz schön viel Geld.“ Der Sprecher betonte auch, wie gut die Lüner das Projekt, mehrere Buden als Ersatz für die Lünsche Mess in der Innenstadt zu verteilen, angenommen hätten: „Viele kommen extra in die Stadt, um eine Runde zu fahren oder eine Currywurst zu essen.“

Kompensieren könnten diese Einnahmen die Ausfälle nicht. „Es geht vielmehr darum, dass wenigstens etwas Geld reinkommt.“ Deshalb haben sich die Schausteller entschieden, durch die Innnestadt zu rotieren: Nachdem drei Wochen lang Buden und Fahrgeschäfte in der Stadt waren, kommt es am Wochenende zu einem Wechsel: „Dann bekommen andere Kollegen die Möglichkeit, drei Wochen lang Geld zu verdienen.“

Das betroffene Kinderkarussell, das derzeit mit einer Lücke fährt, wird also am Samstag verschwinden. Doch Arens hat eine gute Nachricht: „Wir haben entschieden, dass das Karussell in der dritten Phase, also nach den folgenden drei Wochen, wieder in Lünen aufgebaut wird.“ Damit steht laut dem Vereinssprecher auch fest, dass es in Lünen tatsächlich mindestens noch eine dritte Runde mit Fahrgeschäften und Buden geben wird: „So, wie das in Lünen angenommen wird, haben wir das noch nicht erlebt.“

Dazu passt, dass eine ältere Frau am Tag nach dem Vorfall zum Karussellbetreiber kam und ihm einen Umschlag mit 100 Euro überreichte. „Möge diese Spende Sie erfreuen“, habe auf dem Umschlag gestanden. „Da hat man dann schon einen Kloß im Hals“, sagt Ricardo Arens.

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