Hilfsbereitschaft ausgenutzt: Lünerin erschleicht sich über 4000 Euro

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Eine 66-Jährige Lünerin hat die Hilfsbereitschaft einer Bekannten schamlos ausgenutzt, um sich viel Geld zu leihen. Warum sie es nicht zurück geben konnte, dazu erfand sie haarsträubende Ausreden.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 28.07.2020, 10:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Hilfsbereitschaft einer langjährigen Bekannten nutzte eine Lünerin auf bittere Weise aus. Sie lieh sich mehrfach Geld von ihr – wohlwissend, dass sie es nicht zurückzahlen konnte. Das brachte die 66-Jährige nun auf die Anklagebank.

Mietschulden und der damit drohende Rauswurf aus der Wohnung schob die Frau aus Lünen unter anderem vor, als sie die Geschädigte im September 2018 um ein Darlehen bat. Das Geld, so beteuerte sie, werde sie innerhalb weniger Tage zurückzahlen, da sie eine Rentennachzahlung in Höhe von 70 000 Euro erwarte.

Haarsträubende Ausreden gefunden

Tatsächlich wurde sie noch zwei Mal vorstellig, bat um weitere Leihgaben und schuldete der Bekannten letztlich 4280 Euro, von denen sie lediglich 100 Euro zurückzahlte. Ansonsten speiste sie die Andere mit haarsträubenden Geschichten ab, sprach sogar von einem Raubüberfall und davon, dass ihr Anwalt Geld in den Briefkasten geworfen habe. Ganz zu schweigen davon, dass sie von einer weiteren Frau offenbar ebenfalls Geld erhielt und das auch nicht zurückzahlte.

Vor dem Amtsgericht, wo sich die bis dato völlig unbescholtene Lünerin nun wegen Betrugs verantworten musste, ging es lediglich um die 4280 Euro. Die 66-Jährige wollte sich jedoch nicht zu dem Vorwurf äußern. Sie schwieg beharrlich – auch zu ihren aktuellen finanziellen Verhältnissen. Mit versteinerter Miene saß sie im Gerichtssaal, ließ die Verhandlung regelrecht über sich ergehen.

„Ich habe gedacht, sie ist ehrlich“

Ihr Opfer, eine 73-jährige Lünerin, wurde gehört. Sie rechtfertige sich förmlich für ihr Vertrauen, verwies auf viele Jahre Bekanntschaft und betonte: „Ich habe ihr geglaubt, deshalb habe ich ihr das Geld geliehen.“ Und: „Ich habe gedacht, sie ist ehrlich. Sonst hätte ich ihr das Geld gar nicht gegeben.“ Mittlerweile habe sie Abstand von genommen, wolle nichts mehr mit ihr zu tun haben. Auch legte sie ein Schriftstück vor, in dem die Leihgabe eingeräumt wurde.

Die Vertreterin der Anklage hatte in ihrem Plädoyer keine Zweifel: Die Angeklagte täuschte die Geschädigte bewusst und hatte auch gar nicht vor, das geliehene Geld zurückzuzahlen. Vielmehr habe sie die Frau belogen. „Nur Ausreden, Ausweichen – und Lügen.“ Sie habe das Vertrauen der Anderen missbraucht.

Kein Wort der Entschuldigung

Darüber hinaus habe sie kein Wort der Entschuldigung gefunden, habe sich auch im Prozess nicht zu ihrer damaligen Situation äußern wollen. Und das sah der Richter nicht anders. Er verwies ferner auf den hohen Schaden. Für die Lünerin endete der Fall mit 800 Euro Geldstrafe. Auch muss sie die verbliebenen 4180 Euro zurückzahlen. Am Ende brach die Angeklagte ihr Schweigen doch noch: „Ich akzeptiere es.“

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