Humanisten fordern Öffnung der Trauerhallen in Lünen

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Beerdigungen in Corona-Zeiten sind anders als sonst. Auch, weil die Trauerhallen geschlossen sind. Das sollte sich ändern, fordern die Humanisten. Denn Geschäfte sind ja auch wieder offen.

Lünen

, 14.05.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 1996 ist Jens Hebebrand freier Redner. Für den Humanistischen Verband gestaltet er Trauungen, Namens-, Jugend- und Trauerfeiern. Seit 2004 bietet er damit eine Alternative zu kirchlichen Feiern.

In Zeiten von Corona ist vieles anders als sonst. Auch für den 52-jährigen Lüner, der Vorsitzender der Humanistischen Gemeinschaft Dortmund/Ruhr-Lippe ist. „Alle Trauungen, bei denen ich sprechen sollte, sind abgesagt. Weil die Paare ja gar keine Location für die Feier hätten.“ Aber die Hochzeiten sind nur aufgeschoben, sollen nachgeholt werden, sobald das wieder möglich ist.

Auch Namensfeiern - ähnlich wie Taufen - sind verschoben worden, selbst wenn die Familien zuhause feiern könnten. Doch die meisten wollen Rücksicht auf ältere Familienmitglieder nehmen und sie nicht gefährden.

Jugendfeiern konnten nicht vorbereitet werden

Die Jugendfeiern (früher Jugendweihe genannt) sind für 2020 komplett abgesagt worden. „Wir hatten einfach keine Möglichkeit, die Jugendfeiern mit den Jugendlichen vorzubereiten“, sagt Hebebrand.

Ende März war eigentlich ein Seminar mit den jungen Leuten geplant, dann wollte man in den Herbst gehen. Und schließlich entschied man sich, alles auf 2021 zu verschieben.

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Beerdigungen dagegen finden natürlich statt. „Aber leider ist die Atmosphäre nicht schön, auch weil die Trauerhallen weiter geschlossen sind“, sagt Hebebrand.

Je nach Kommune variiert die erlaubte Zahl der Trauergäste. „Aber es sind definitiv weniger erlaubt als vor Corona möglich waren.“

Bei 95 Prozent der Trauerfeiern habe es immer schon eine Höchstzahl von 20 bis 30 Trauergästen gegeben, eher weniger. „Wenn die Geschäfte öffnen dürfen, verstehe ich nicht, warum die Trauerhallen weiter geschlossen sind“, sagt Hebebrand. Auch mit Abstand und Masken könnte man dort wieder würdige Trauerfeiern abhalten.

Jens Hebebrand hält Reden bei vielen Familienfeiern und bei Beerdigungen. Hier allerdings redet er beim Gedenken an die 1945 von Nazis ermordeten Lüner im Südpark.

Jens Hebebrand hält Reden bei vielen Familienfeiern und bei Beerdigungen. Hier allerdings redet er beim Gedenken an die 1945 von Nazis ermordeten Lüner im Südpark. © Beate Rottgardt (A)

Der Humanistische Verband habe auch schon Oberbürgermeister und Landräte angeschrieben und darum gebeten, die Trauerhallen auf den Friedhöfen wieder zu öffnen. „Städten und Gemeinden brechen ja auch Einnahmen weg.“

Zu Beginn der Corona-Krise konnte Hebebrand die Gespräche mit den Angehörigen nur telefonisch führen. Mittlerweile sind auch wieder Gespräche mit einer oder zwei Personen daheim möglich - mit dem nötigen Abstand: „Bei gutem Wetter am besten im Garten.“

Keine Möglichkeit, den Angehörigen zu kondolieren

Am schlimmsten an der derzeitigen Situation sei aber, dass man den Trauernden nicht kondolieren darf. Wegen Corona sind weder Händeschütteln und erst recht keine Umarmungen möglich. „Ich stelle fest, dass das den Menschen wahnsinnig fehlt.“

Den Vorschlag, dass man nach der Corona-Krise eine Gedenkfeier für die Verstorbenen veranstalten könnte, die Trauerfeier also quasi nachholt, wollen kaum Angehörige annehmen. „Eine Trauerfeier an sich kann man nicht wiederholen.“

„Wir dürfen aber unsere Trauerkultur nicht verlieren, auch nicht wegen Corona“, sagt der erfahrene Trauerredner. Er habe den Eindruck, als ob in der Diskussion über die Folgen der Krise und die Auswirkungen der Auflagen das Thema Beerdigungen außen vor gelassen werde.

Würdevoller Abschied ist wichtig

Die Menschen, die zurück bleiben, brauchen aber einen würdevollen Abschied, brauchen dazu auch den Raum, um zu trauern. Auch das sei ein Argument dafür, die Trauerhallen wieder zu öffnen - und dort dann mit dem nötigen Abstand eine würdevolle Trauerfeier zu ermöglichen. „Ansonsten müssen wir derzeit das Beste aus der Situation machen, zusammen mit den Angehörigen“, so Jens Hebebrand.

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