Innerorts überholt oder durch die Spielstraße gerast? Dann direkt ab in den Knast!

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Eltern stehen im Halteverbot, Kinder sind nicht angeschnallt, Senioren parken überall und Radfahrer meinen, ihnen wäre alles erlaubt. Zeit für drastische Maßnahmen, findet unser Autor.

Lünen

, 07.09.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich unfassbar, was sich da an der Overbergschule zugetragen hat: Eltern ignorieren Halteverbote, gefährden so Kinder und andere Verkehrsteilnehmer. Dabei sollte man doch meinen, dass gerade diese Gruppe weiß, wie wichtig Rücksicht im Straßenverkehr ist. Doch offenbar nehmen das auch Eltern nicht allzu genau. Schlimmer noch: Einigen scheint sogar die Sicherheit der eigenen Kinder egal zu sein.

Eltern in „bester Gesellschaft“

Das Problem ist natürlich nicht auf die Personengruppe der Eltern beschränkt. Die befinden sich quasi in „bester“ Gesellschaft. Nehmen wir doch nur mal die Erfahrungen, die ich bisher gesammelt habe: Raser, die auf der Münsterstraße, also innerorts, überholen, weil sie sich nicht an das Tempolimit von 30 Stundenkilometern halten wollen.

Dann gibt es die Radfahrer, die an der Kreuzung B54/B236 stur links abbiegen, obwohl Autos neben ihnen geradeaus fahren wollen, weil sie der Meinung sind, dass Radfahrer gegenüber Autos uneingeschränkte Vorfahrt genießen. Oder auch gerne mal rote Fußgängerampeln ignorieren - was nur folgenlos bleibt, weil Gott sei Dank kein Linksabbieger konsequent durchzieht (gäbe ja auch nur ärgerliche Beulen im Fahrzeug).

Auch gibt es Senioren oder Menschen mit Behinderung, die vor Supermärkten Eltern-Kind-Parkplätze blockieren, weil sie glauben, dass Sie dort (und im Straßenverkehr allgemein) Narrenfreiheit haben.

Rücksicht ist auch im Verkehr nicht mehr selbstverständlich

Und wenn man dann denkt, dass es schlimmer eigentlich nicht mehr kommen kann, beschweren sich solche Personen auch noch, wenn man sie auf ihr Fehlverhalten anspricht. Das geht nicht nur mir so, sondern auch der Polizei, wie wir spätestens seit dem Einsatz an der Overbergschule wissen.

Ich bin mir sicher, dass es vielen anderen Verkehrsteilnehmern ähnlich geht - allein schon, weil ich auf einen ähnlichen Text in meinem E-Mail-Newsletter diese Woche entsprechende Rückmeldungen bekommen habe. Was mich am meisten ärgert, ist noch nicht einmal der Regelverstoß an sich, sondern die Tatsache, dass Rücksicht offenbar auch im Verkehr nicht mehr selbstverständlich ist.

Und warum sind die Regeln den meisten mittlerweile egal? Weil ein Verstoß keine oder nur geringe Konsequenzen hat. Die Polizei kann schließlich auch nicht überall sein, und wenn man sich doch einmal die Mühe macht und Rambofahrer beziehungsweise -fahrerinnen anzeigt, verläuft die Sache im Sande oder zieht höchstens eine milde Strafe nach sich, bei der der Betroffene günstiger wegkommt als samstagabends an der Tankstelle.

Haftstrafe ist wirksamer als ein Schockvideo

Ich bin deshalb der Meinung, dass hier drastischere Maßnahmen erforderlich sind. Egal ob vor der Schule, vor dem Supermarkt, innerorts oder auf der Autobahn: Wer sich daneben benimmt, muss die Strafe dafür deutlich spüren können.

Würde selbst ein Parkvergehen beispielsweise den Führerscheinentzug bedeuten, überlegen sich vielleicht auch manche Eltern zweimal, ob sie vor der Schule im Halteverbot stehen.

Gurtmuffel könnten zu Sozialstunden auf der chirurgischen Station abkommandiert werden. Und eine Haftstrafe bei einer Geschwindigkeitsübertretung innerorts wäre sicher wirksamer als ein Schock-Video. Gut, das könnte kurzfristig zu überfüllten Gefängnissen füllen. Aber die kann man ja ausbauen. Am besten von dem Geld, das Radfahrer zahlen müssen, wenn ihnen die rote Ampel mal wieder egal war.

„Er propagiert die Macht von Angst und Furcht“, werden meine Kritiker jetzt wieder sagen. Aber wenn auf der Münsterstraße mal wieder ein Irrer an mir vorbeirast, dann habe ich Angst um mein Leben. Und diese Angst hat in der Tat ganz schön viel Macht.

Einmal in der Woche sprechen Mitglieder der Redaktion „mal unter uns“ über Themen, die sie und Lünen beschäftigen. Mal hitzig, mal pointiert, mal einfach geradeaus - aber immer bereit, sich der Diskussion zu stellen.
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