Jufeng Guo: In China im Arbeitslager, in Lünen heute glücklich

hzAuftritt bei interkultureller Woche

Der Beitrag zum chinesischen Mondfest mit dem Tanz des vielbeinigen Drachens war vielleicht der Höhepunkt der interkulturellen Woche. Organisiert hat das Jufeng Guo - wer ist dieser Mann?

Lünen

, 15.10.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er lebt seit zwölf Jahren in Lünen, wohnt in der Dortmunder Straße, hat hier geheiratet und zwei Kinder: Jufeng Guo ist der Mann, der hinter dem beeindruckenden Drachentanz in der interkulturellen Woche in Lünen steckt.

Ein Blick in die Vita des „Drachenmanns“ ist durchaus interessant. Geboren wurde er 1974 rund 8000 Kilometer entfernt von Lünen in der Provinz Heilongjiang im Nordosten Chinas - zwei Jahre vor dem Ende der großen Kulturrevolution. In der neuen, kommunistischen Kultur wuchs er auf, kam mit ihr aber nicht zurecht.

Wegen Falun Gong im Arbeitslager

In dieser Zeit lernte er 1995 Falun Gong für sich kennen: eine spirituelle, chinesische Praktik ähnlich der Meditation Chi Gong, die sich von dieser aber dadurch unterscheidet, dass die Mitglieder angehalten sind, den Prinzipien wie Wahrhaftigkeit, Güte und Toleranz zu folgen. Allerdings wurde die Bewegung von der chinesischen Führung 1999 verboten, dazu tausende Anhänger verhaftet und in Arbeitslager gesteckt - unter ihnen auch Jufeng Guo. Er war deshalb in drei Lagern, arbeitete auch unter schrecklichen Bedingungen in einem Steinbruch. „Wir arbeiteten nur mit den Händen und einem Hammer. Die Handschuhe gingen schnell kaputt“, erzählt er.

Beruflich arbeitet Jufeng Guo als Elektroingenieur.

Beruflich arbeitet Jufeng Guo als Elektroingenieur. © Goldstein


Auf Geschäftsreise Asyl beantragt

Als 2008 die Olympischen Spiele in Peking stattfanden, arbeitete er dann als Elektroingenieur für eine deutsche Firma, die Motorenteile produzierte. Als er mit einem Kollegen auf eine Geschäftsreise nach Deutschland geschickt wurde, reichte er hier einen Asylantrag ein, dem stattgegeben wurde. Seitdem lebt er in Lünen.

Seiner Arbeit als Elektroingenieur für Automatisierungsprozesse geht er mittlerweile in Dortmund nach, in seiner Freizeit nimmt die chinesische Kultur viel Platz ein. So verfasst er Artikel für eine chinesische Zeitung, die in Deutschland für Immigranten erscheint, und berichtet dort über seine Erlebnisse. Er kocht gerne die Gerichte aus seiner alten Heimat, dekoriert sie akribisch und macht Fotos davon. Die Kalligrafie der chinesischen Schriftzeichen ist ein weiteres Steckenpferd, dem Jufeng Guo viel Zeit widmet.

Choreographie mit dem Drachen als neues Hobby

Neu dazugekommen ist die Choreographie mit dem Drachen. „Der Drache ist für uns Chinesen ein ganz besonderes, ein heiliges Geschöpf“, berichtet er. Deshalb hat er eine Formation ins Leben gerufen, die mit Drachen einen Tanz einstudiert hat, der bei der interkulturellen Woche in Lünen erstmals vor Publikum gezeigt wurde.

„Ich habe eine Anleitung geschrieben und auch ein Video zum Üben erstellt. Jeder Mitspieler und auch die einzelnen Bewegungen sind nummeriert. Danach haben alle den Auftritt gelernt und vier Stunden lang intensiv trainiert“, erzählt er.

Seine Mitspieler seien zwischen 27 und 72 Jahre alt, nur vier kommen aus Lünen. „Es freut mich sehr, dass vor Ort wir - und auch die Zuschauer - sehr viel Spaß hatten. Mein Ziel war es, durch den Drachen das Glück nach Lünen zu bringen. Dass während unseres Auftritts auch noch ein Regenbogen zu sehen war, hat mich sehr berührt“.

Wermutstropfen: Die Familie fehlt

Was an Jufeng Guo beeindruckt, ist seine positive Lebenseinstellung und sein Bemühen, diese an andere weiterzugeben. „Ich bin gerne in Lünen“, sagt er. Und: Er möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben. In diesem Rahmen macht er Meditationsübungen sonntags im Lippepark hinter der Sparkasse.

Trotzdem gibt es für ihn bei aller positiven Einstellung einen Wermutstropfen: Mit seinem jetzigen Aufenthaltsstatus kann er nicht mehr in seine Heimat zurück. Dort leben aber seine Eltern, die um die 80 Jahre alt sind und seine Geschwister. Eine regelmäßige Verbindung ist deshalb nur über Skype möglich.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt