„Er ist kein Gerhard Schröder“ - Lüner SPD über ihren Kanzlerkandidaten

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Die SPD hat Olaf Scholz als ihren Kanzlerkandidaten für die Wahl im kommenden Jahr vorgestellt. Während einige Politiker die Kandidatur kritisieren, stärkt die Lüner SPD ihm den Rücken.

Lünen

, 12.08.2020, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Montag (10. August) stellte die SPD ihren Kanzlerkandidaten für die Wahl im kommenden Jahr vor. Olaf Scholz geht für die SPD ins Rennen. Als Finanzminister, Vizekanzler und ehemaliger Bürgermeister von Hamburg bringt er Erfahrung mit - dennoch hagelt es Kritik.

Dass die SPD zum jetzigen Zeitpunkt mit dem Wahlkampf beginne, sei verheerend für die weitere Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie, sagt CSU-Parteichef Markus Söder. Statt Wahlkampf müsse jetzt die Bekämpfung der Corona-Pandemie im Vordergrund stehen. Die Lüner SPD sieht das anders.

„Wir zeigen, was wir wollen“

„Wir müssen nicht lange pokern, sondern legen die Karten auf den Tisch“, meint Rainer Schmeltzer von der Lüner SPD zu jenen Vorwürfen. „Wir positionieren uns frühzeitig und zeigen, was wir wollen. So ein Hin- und Her wie die CDU brauchen wir nicht. Olaf Scholz hat schon als Bürgermeister und Minister gezeigt, dass er die Führung übernehmen kann - er ist der Richtige für uns“, sagt Schmeltzer, der sich als Bürgermeisterkandidat für Lünen aktuell selbst im Wahlkampf befindet.

Ähnlich sieht es Norbert Janßen, der Vorsitzende der Lüner SPD. Man wolle durch die Nominierung von Scholz nicht frühzeitig in den Wahlkampf gehen - denn der fände ohnehin unterschwellig jederzeit statt. „Auch auf kommunaler Ebene haben wir uns früh für unseren Kandidaten entschieden - so hat man Zeit, um gemeinsam mit ihm an einem Programm zu arbeiten und muss sich nicht kurzfristig einen Kandidaten aussuchen, der zum Programm passt“, sagt Janßen.

„Die Deutschen suchen eine ruhige Hand“

Norbert Röttgen, Bewerber um den CDU-Vorsitz, sieht das anders. Er äußerte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Die SPD hatte schon einige Kanzlerkandidaten, die nicht zur Partei und ihrer Richtung passten.“ Das mache Scholz „zu einer taktischen Lösung, die nicht glaubwürdig ist.“

Doch die Lüner Genossen stehen voll hinter ihrem Kandidaten. „Er bringt wirtschaftlichen Sachverstand und Durchsetzungskraft mit. Als Bürgermeister hat er bereits seine Führungsqualitäten unter Beweis gestellt. Er ist gewiss kein Gerhard Schröder - nicht so laut, sondern ruhig und bestimmt. Und so eine ruhige Hand suchen die Deutschen“, meint Janßen. Er sei den bürgerlichen Wählern und der politischen Mitte nahe und habe einige gute Ideen - wie die Anhebung des Mindestlohnes auf zwölf Euro.

Der Kanzler-Bonus der CDU entfällt

Der Lüner SPD-Vorsitzende rechnet seiner Partei für die Bundestagswahl 2021 gute Chancen aus. „Dadurch, dass Angela Merkel nicht mehr für die CDU antreten wird, entfällt der Kanzler-Bonus. Die Regierung ist aktuell sehr erfolgreich - das führen viele Wähler auf die Kanzlerin zurück, die ähnlich ruhig und besonnen wie unser Kandidat vorgeht.“

Von einer absoluten Mehrheit sei die SPD dennoch weit entfernt. „Aber als rot-rot-grüne Koalition hätten wir gute Chancen“, meint Janßen. Gespannt sei Janßen darauf, wer letztendlich für die CDU/CSU und für die Grünen ins Rennen gehen wird. „Da könnte es sein, dass die Karten noch einmal neu gemischt werden“, fügt er hinzu.

So überzeugt Janßen auch von Scholz ist, seien die Partei, das Programm und die Perspektiven schlussendlich viel wichtiger als die Person, die sie vertritt - und durch die frühzeitige Ernennung des Kandidaten habe man nun viel Zeit, um an jenem Programm zu arbeiten.

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