Kassenbons für Brötchen und Pommes werden Pflicht - das sagen Händler und Kunden in Lünen

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Mit der Pflicht, selbst für einen Lolli einen Kassenbon zu drucken, soll Steuerbetrug bekämpft werden. Die Händler in Lünen halten davon wenig - und sehen stattdessen ganz andere Probleme.

von Kristina Gerstenmaier

Lünen

, 18.11.2019, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Jetzt kann man noch nicht mehr seine Currywurst essen, ohne das belegen zu müssen“, ereifert sich ein Kunde zur Mittagszeit vor der Schlemmerbar in der Marktstraße. „Ich verlange den Bon nie, was soll ich auch damit machen, außer ihn in den Müll zu schmeißen?“

Während sich in den vergangenen Tagen die Bäckereiinnung lautstark zu Wort meldete - für jedes Brötchen einen Kassenbon sei wenig lukrativ - stellt das Gesetz auch für andere kleine Verkaufsstellen ein Ärgernis dar. Denn ab kommenden Januar besteht für jeden Kiosk, jede Pommesbude, jede Bäckerei, jede Eisdiele - kurz: für Verkaufsstellen aller Art die Pflicht, beim Verkauf einer Ware (und sei es nur ein Lolli) einen Kassenzettel auszudrucken. Ob der Kunde ihn haben will oder nicht.

Damit wollen die Finanzbehörden nach Einführung des so genannten Kassengesetzes (Kurzform für „Gesetz zum Schutz vor Manipulation an digitalen Grundaufzeichnungen“), das bereits Ende 2016 in Kraft getreten ist, in einem weiteren Schritt Steuerhinterziehung und Umsatzsteuerbetrug entgegen wirken. In einem ersten Schritt hatten die Verkaufsstellen computergesteuerte Registrierkassen einführen müssen.

Thermopapier lässt sich nicht verbrennen

„Ich finde es überflüssig, weil die Kunden jederzeit den Bon bekommen können, wenn sie wollen“, sagt Birgit Naddig-Grieshaber, Verkäuferin in der Schlemmerbar. „Und fürs Finanzamt werden die Umsätze sowieso in der Kasse registriert. Also eigentlich finde ich es Wahnsinn.“

Ähnlich sieht es auch Ralf Bettschke vom Lotto-und Tabakladen. Für ihn ist vor allem der Faktor der Umweltverschmutzung ein Aufreger. „Gestern wollte ich alte Kassenzettel im Ofen verbrennen“, erzählt der 55-Jährige. „Das hat nicht funktioniert. Weil das Thermopapier ist, bleibt Plastik übrig. Gerade in Zeiten, in denen man besonders auf die Umwelt schaut, finde ich das Blödsinn.“

Außerdem seien Kassenrollen teuer (ca. 6,83 Euro für eine 250-Meter-Rolle), und seine neue Kasse werde ständig aktualisiert. Bisher verlangen Bettschkes Einschätzung nach lediglich etwa ein Prozent seiner Kunden einen Bon. „Der Preis steht ja auch drauf“, mischt sich eine Kundin ein, die gerade Tabak kauft. „Wozu brauche ich da noch einen Bon?“ Ein anderer: „Da wird Energie für die Herstellung und dann die Vernichtung aufgewendet. Für meine Begriffe grenzt das an Wahnsinn.“

Und auch Petra Ebbers, Verkäuferin in der Bäckerei Beckmann in der Münsterstraße, findet die Kassenbonpflicht „schrecklich“. „Wenn ich am Tag fünf Kassenzettel rausgebe, ist das schon viel. So komme ich mit einer Rolle wer-weiß-wie-lange aus. Wir haben doch sowieso schon eine Computerkasse.“

Finanzamt: Bon stopft Schlupflöcher

Was sich nach Willkür und unnötigem Müll anhört, begründet das Landes-Finanzministerium auf Anfrage so: „Ohne Belegausgabepflicht und ohne zentrale Registrierung der Sicherheitskomponenten lässt sich der Steuerbetrug (...) nicht wirksam bekämpfen. Es besteht somit die Gefahr, dass der Steuerbetrug nicht verhindert, sondern nur verlagert wird.“

So sei leicht nachprüfbar, ob der „Geschäftsvorfall“ einzeln festgehalten und aufgezeichnet wurde, und ob er die Sicherheitseinrichtung durchlaufen hat. „Ohne eine Personalisierung dieser Art wird das Erkennen von Zweitkassen-Systemen unmöglich gemacht“, sagt Ministeriumssprecher Mirko Daniels.

Matthias Schmitz, Steuerberater in Lünen, übersetzt das so: „Wenn der Kassenbon gedruckt wird, wird der Umsatz im System auch automatisch gespeichert. So wird das registriert, auch wenn die Kasse manipuliert wurde.“ Während seiner Tätigkeit ist dem 47-Jährigen allerdings noch kein Steuerbetrug begegnet. „Ich kann mir vorstellen, dass es vorkommt, aber im Speziellen für Lünen halte ich das für kein großes Problem.“

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