Keine Behälter für Hände-Desinfektion: Asstorchef stöhnt „Kunden müssten mit Topf kommen“

hzCoronavirus

Seit fünf Uhr morgens klingelte in der Firma Asstor das Telefon. Per Facebook hieß es, hier würde Hände-Desinfektion hergestellt. Der Chef weiß gar nicht, woher diese Nachricht kommt.

Beckinghausen

, 19.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Januar hat die Firma Asstor ihren Sitz an der Hammer Straße in Beckinghausen. Der Betrieb ist auf Wasserhygiene spezialisiert. Hände-Desinfektionsmittel seien ein Nischenbereich. „Das haben wir für Stammkunden angeboten“, sagt Inhaber Udo Wenske (59). Es sei kein Produkt, was ständig laufe. In Kleinserien sei das auch zu teuer.

Dann kam Corona. Der Drei-Mann-Betrieb, in dem Wenske als Produktentwickler, ein promovierter Pharmazeut und ein Logistikmitarbeiter tätig sind, stockte auf: „Für die Familie und die Mitarbeiter wollte ich mal ein paar Fläschchen mehr machen.“

Jetzt lesen

Doch die sind vergriffen. „Ich warte selber auf Rohstoffe. Die sind schwer zu kriegen“, so Wenske. Und teuer. Sollte die Bestellung eintreffen, fehlen die dafür erforderlichen Flaschen. „Ich habe keine Behältnisse.“ Lieferanten gingen schon nicht mehr ans Telefon, alles ginge nur noch per E-Mail. „Die Kunden müssten mit dem Topf kommen. Das ist schlicht eine Katastrophe“, so Wenske.

Wie die Nachricht der Asstor-Desinfektionsmittel Facebook erreicht hat, kann sich Wenske nicht erklären. Die Folgen bekam er aber gleich am Dienstag (17.3.) zu spüren. Ständig klingelte das Telefon. Pflegedienste oder Arztpraxen fragten an. Alle verschärfen in Zeiten von Corona die Hygienemaßnahmen und brauchen Nachschub. „Jetzt ist alles leergefegt“, sagt Wenske.

Dabei hätten die Aufsichtsbehörden ja schon Sondergenehmigungen erteilt. Apotheken dürfen Desinfektionsmittel selber mixen. BASF hätte seine Desinfektionslinie hochgefahren, sogar Parfumhersteller würden auf Händedesinfektion umschwenken. Doch wann die liefern könnten, wisse man nicht, so Wenske.

Produkte der Wasserhygiene

Sein Steckenpferd sei die Mikrobiologie im Wasserbereich. Anfang des Jahres hat Udo Wenske seine Firma aus familiären Gründen nach Lünen verlegt. Hauptgeschäft des Unternehmens sind Produkte für andere Firmen im Bereich der Wasserhygiene. Dazu zählen Desinfektion für Wasserspender. Daneben bietet Asstor Desinfektion für Tanks, beispielsweise von Booten und Caravans, an.

Legionellenfilter in Duschköpfen

Ins Programm gehören auch Legionellenfilter für Duschköpfe. In anderen Ländern wie USA, Holland, Belgien oder Luxemburg sei beim Thema Legionellen schon viel früher gehandelt worden. In Deutschland erst 2014, als Sanktionen in der Trinkwasserverordnung festgeschrieben wurden, berichtet Udo Wenske.

Lesen Sie jetzt