Kinderhospizdienst: Ehrenamtliche halten Kontakt per Telefon und Mail

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Ganz fest an den Seiten der Familien stehen - das ist das Motto des Deutschen Kinderhospizvereins. In Zeiten mit Kontaktsperre nicht so einfach. Aber es funktioniert dennoch.

Lünen

, 04.04.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich um Familien mit lebensverkürzend erkrankten Kindern. Sie besuchen die Familien, sind Gesprächspartner für die Eltern, unternehmen auch mal etwas mit den Geschwistern. Das alles ist derzeit auf Eis gelegt. Kontaktsperre in Zeiten des Coronavirus.

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„Im Moment kann keine Begleitung zuhause bei den Familien stattfinden,“ sagt Elisabeth Krechtmann, eine der beiden hauptamtlichen Koordinationsfachkräfte des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes Lünen. Wie ihre Kollegin Heike Schwiertz arbeitet sie derzeit im Home Office.

Koordinationsfachkräfte sind weiterhin erreichbar

„Meine Kollegin ist momentan im Urlaub, danach bin ich im Urlaub. Aber eine von uns ist immer erreichbar, über Mail und Telefon und natürlich zu den Sprechzeiten.“ Home office ist für die Koordinationsfachkräfte auch in Nicht-Corona-Zeiten normal. Im Büro ist aber momentan wegen der Kontaktsperre immer nur eine vor Ort.

Keine Begleitung der Ehrenamtlichen derzeit

Auch eine Praxisbegleitung der ehrenamtlichen Mitarbeiter durch die Koordinationsfachkräfte kann nicht wie gewohnt stattfinden. „Die Kontakte zwischen Ehrenamtlichen und den Familien laufen derzeit nur telefonisch. Für die Familien ist es auch wichtig, dass niemand von außen kommt, um das Infektionsrisiko zu minimieren.“ Mails, Telefonate, Videochats oder Whats App-Nachrichten müssen die Kontakte zwischen Familien und Begleitern ersetzen.

Kreativbox für die Familien - auf Ostern zugeschnitten

Die Koordinationsfachkräfte schicken den Familien Geschichten und haben eine auf Ostern zugeschnittene Kreativbox entwickelt - mit Anregungen um die Zeit gemeinsam zuhause kreativ zu gestalten. Elisabeth Krechtmann: „Das ist ein kleines Alternativprogramm für die Eltern und Geschwister.“ Aber auch einige der erkrankten Kinder können mitmachen, je nach Art ihrer Erkrankung oder Behinderung.

Eine Osterüberraschung für die begleiteten Familien. Den Aufkleber haben Alexandra Giesebrecht und Andreas Schmidt entworfen.

Eine Osterüberraschung für die begleiteten Familien. Den Aufkleber haben Alexandra Giesebrecht und Andreas Schmidt entworfen. © akhd

Die direkte Begleitung der Familien ist zunächst bis Ostern ausgesetzt. „Ich denke, aber, dass die Maßnahme verlängert wird“, so die Koordinationsfachkraft. „Wenn die Kontaktsperre vielleicht im Mai gelockert wird, werden wir die Wünsche unserer Familien und ehrenamtlich Mitarbeitenden erfragen.“ Für alle muss es „passen“.

Bitter auch - bei zwei junge Frauen, die vom Ambulanten Kinder- und Hospizdienst Lünen begleitet werden, und in Einrichtungen leben, haben die Eltern schweren Herzens entschieden, dass sie nicht mehr an Wochenenden ihre Familien besuchen sollen. Aus Angst, dass die beiden jungen Frauen, die durch ihre Vorerkrankungen zur Risikogruppe gehören, sich mit dem Coronavirus infizieren könnten. „Das war für die Eltern keine leichte Entscheidung“, weiß Elisabeth Krechtmann. Doch gerade für die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit lebensverkürzender Erkrankung müssen Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden - auch schweren Herzens.

Arbeit des ambulanten Dienstes ist von Spenden abhängig

Dringend notwendige Spenden könnten wegfallen Alle geplanten Veranstaltungen des Ambulanten Kinder-und Jugendhospizdienstes Lünen sind bis Ende April abgesagt.

Die Corona-Krise, die notwendigen und drastischen Maßnahmen zur Bekämpfung, stellt auch den Deutschen Kinderhospizverein, zu dem der Lüner Dienst gehört, vor große Herausforderungen. Die wichtige Arbeit ist abhängig von Spenden von Privatpersonen und Firmen. So befürchtet der Verein, dass er – aufgrund der Rezession- deutlich weniger Spenden erhalten wird. Nur ein Viertel des Haushaltes ist durch Förderungen der Krankenkassen gedeckt.

Miet- und Personalkosten

Der überwiegende Teil sind freiwillige finanzielle Mittel wie Spenden. Diese müssen beispielsweise die Mietkosten für die ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienste an 30 Standorten bundesweit decken sowie Personalkosten für 130 hauptamtlich Mitarbeitende. Auch die Auslagenerstattung und Aus- und Weiterbildungskosten der über 1000 ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, damit betroffene Familien, die notwendige Unterstützung erhalten.

Begleitung der Familien von der Diagnose an

„Aufgrund der Corona-Krise haben viele Einrichtungen demnächst Unterstützungsbedarf“, so Elisabeth Krechtmann. Aber derzeit treffen sich keine Vereine, von denen einige die Arbeit des Kinder- und Jugendhospizdienstes Lünen in der Vergangenheit mit Aktionen oder durch Erlöse von Veranstaltungen unterstützt haben. Feste und Veranstaltungen finden auch über längere Zeit nicht statt, damit die Verbreitung des Coronavirus verlangsamt wird. Auch Firmen, die verlässliche Spender waren, haben derzeit womöglich selbst wirtschaftliche Sorgen durch den Stillstand wegen des Coronavirus.

Dennoch bleiben die Koordinationsfachkräfte und die ehrenamtlich Mitarbeitenden weiter an der Seite der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und deren Familien - auch und besonders in diesen Zeiten. Denn die Begleitung der Familien erfolgt weiterhin - wenn sie es wünschen - vom Zeitpunkt der Diagnose an und auch über den Tod des Kindes hinaus.

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