Kleinbecker Park vor der Rodung: „Neues Votum wäre ein Zeichen der Stärke“

Diskussion um Rodung

Sollte der Kleinbecker Park erhalten werden und nach den Kommunalwahlen neu entschieden werden? Ein Bündnis fordert das. Unser Redakteur fand diesen Weg nicht gut - ein Bürger widerspricht.

Lünen

16.02.2020, 14:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Menschen in Horstmar setzen sich für den Erhalt des Kleinbecker Parks ein. Bald soll der abgeholzt werden.

Menschen in Horstmar setzen sich für den Erhalt des Kleinbecker Parks ein. Bald soll der abgeholzt werden. © Foto: Michael Blandowski (A)

Ende vergangener Woche wurde bekannt, was viele befürchtet hatten: Der Kleinbecker Park an der Preußenstraße wird wahrscheinlich schon in den nächsten Tagen gerodet. Gestützt wird das von einer politischen Mehrheit, der Rat der Stadt Lünen hatte vergangen Herbst mehrheitlich so entschieden.

In Zusammenarbeit mit der WBG wird die Firma Harpen dort 60 Prozent der Bäume fällen und dann neue Wohnungen bauen. Das Bündnis „Retten den Kleinbecker Park“ hatte gefordert, die Rodung erst einmal auszusetzen und nach der Kommunalwahl im September 2020 noch einmal neu politisch abzustimmen.

Das wäre der falsche Weg, meinte unser Redakteur in einem Kommentar. Schließlich gebe es einen politischen Beschluss. Den nicht umzusetzen, wäre ein schlechtes Signal und werfe ein schlechtes Bild auf die Handlungsfähigkeit des Rates.

Jetzt lesen

Ein Bürger vom Aktionsbündnis widerspricht

Ein Bürger widerspricht dem. Andreas Brinck aus dem Lenkungskreis des Bündnisses „Rettet den Kleinbecker Park“ schreibt in einem Leserbrief: „Sie stellen es im Artikel und besonders in ihrem Kommentar so dar, als sei die Abstimmung im Rat „eindeutig“ gewesen. Sie schreiben, die Forderung nach einem eindeutigerem Votum und einer Denkpause bis zu den Kommunalwahlen sei falsch und würde ein schlechtes Licht auf die Handlungsfähigkeit der Lüner Politik werfen. Sie lassen dazu unter anderem Herrn Peveling das letzte Wort in ihrem Artikel mit seiner Behauptung, es ginge darum, so lange abzustimmen, bis das Ergebnis der Bürgerinitiative genehm sei.

Demokratie beruht auf dem Prinzip, dass alle Abstimmungen, die im Parlament (hier: Lüner Stadtrat) revidiert werden können. Das ist keinesfalls, wie von Ihnen, den Vertretern der für den Abholzungsbeschluss verantwortlichen Fraktionen CDU und SPD und Harpen dargestellt, eine Schwäche, sondern gerade eine Stärke. Nämlich die Stärke, zu erkennen, dass ein Weg den man beschritten hat, keine guten Folgen haben wird.

Es ist die Stärke, Raum zu geben bei umstrittenen Entscheidungen, die von Stellvertreter*innen des Souveräns getroffen werden, diesem in einer Wahl oder Abstimmung die Gelegenheit zu geben, sich klar zu entscheiden. So eine Entscheidung gibt es für den Kleinbecker Park nicht. Lediglich SPD und CDU im Rat wollen diesen abholzen. Das einzig messbare Votum sind über 3500 Unterschriften, die das Bündnis gesammelt hat. Wer sich im Stadtteil umhört, bekommt schnell einen Eindruck davon, wie umstritten das Bauprojekt ist. Dazu gibt es gute Gründe die gegen die Bebauung sprechen.

Gerade das entschlossene Engagement für eine konsequente Politik macht vielen Menschen neuen Mut, sich zu beteiligen und einzubringen. Stichwort: Klimanotstand, zu sehen bei der beeindruckenden Menschenkette um den Park.

Warum also sollte es der falsche Weg sein, ein klares Votum einzuholen? Es wäre ein Zeichen der Stärke für alle Beteiligten - besonders für die Demokratie.“

Lesen Sie jetzt