Kleinbecker Park: Rodung steht kurz bevor, Aktionsbündnis will eine neue Abstimmung

hzArbeiten stehen bevor

Der Beschluss im Rat vergangenen Herbst war eindeutig. Das Bündnis „Rettet den Kleinbecker Park“ hoffte dennoch, alle Bäume dort könnten stehen bleiben. Vergeblich.

Lünen

, 14.02.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass sich im Park etwas tut, hatten die Anwohner schnell bemerkt. Auf einmal waren viele Bäume im 4600 Quadratmeter großen Kleinbecker Park an der Preußenstraße in Horstmar markiert. Die Befürchtung vieler, die den Park gerne erhalten würden: Beginnen bald die Rodungen?

So bald wie möglich, bestätigt Franz-Josef Peveling, Geschäftsführer des Grundstücksbesitzers, der Harpen Unternehmensgruppe. Es fehle noch das letzte „OK“ vom Kreis Unna, dann könnten die Arbeiten beginnen.

Harpen will mehr machen als rechtlich nötig

Peveling betont, er wolle die Anforderungen an den Artenschutz nicht nur erfüllen, sondern darüber hinaus Maßnahmen treffen. „Wir machen das in einem von mir besonders erweiterten Maße, was Art und Anzahl der angelegten Nistquartiere angeht“, sagt Peveling.

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Und weiter: „Wir berücksichtigen dabei nicht nur die dort tatsächlich gefundenen Tierarten, sondern auch die, von denen Experten sich vorstellen könnten, dass sie dort sein könnten.“

Kleinbecker Park: Rodung steht kurz bevor, Aktionsbündnis will eine neue Abstimmung

Das sind die Pläne für den Kleinbecker Park, wie sie im Juni 2019 vorgestellt wurden: Vorne eine Grünanlage und im hinteren Bereich dreigeschossige Bebauung. © Weiss, Wessel, Kirchner Architekten

Um sich nicht angreifbar zu machen, will Peveling die Rodungsarbeiten bis Ende Februar, in diesem Jahr der 29., abgeschlossen haben. Danach dürfen Bäume nicht mehr ohne weiteres gefällt werden. Etwa 40 Prozent des Baumbestandes sollen erhalten bleiben, der Rest wird gefällt.

Er hoffe, sagt Peveling, der Bürgerschaft zeigen zu können, dass das Interesse an den 33 barrierefreien Wohnungen, die dort in Zusammenarbeit mit der WBG entstehen sollen, größer sei als die wegzunehmenden Bäume. Insbesondere, da es im Umfeld mit der Halde Preußen und dem Seepark viel Grün gebe.

Bündnis will den Park weiter erhalten

Das Bündnis „Rettet den Kleinbecker Park“ sieht das anders und will die rund 100 Bäume im Park weiter erhalten. Fritz Angerstein vom Bündnis zweifelt unter anderem das neu erstellte Artenschutzgutachten an: „Wir können uns das nicht seriös vorstellen: Die Zugvögel sind noch gar nicht zurück, Fledermäuse sind im Winter gar nicht zu beobachten.“

3500 Unterschriften für den Erhalt hatte das Bündnis gesammelt, eine Menschenkette organisiert. Jetzt zu roden, könnte die Politikverdrossenheit weiter vergrößern, argumentiert Johannes Hofnagel, ebenfalls beim Bündnis engagiert. Das könne bei der Wahl im Herbst am Ende den Rechten in die Hände spielen.

Neue Abstimmung wird es wohl nicht geben

Deshalb wünsche sich das Bündnis eine Art Moratorium bis Herbst, dass also bis dahin keine Fakten geschaffen werden. Im neu gewählten Rat könne dann ein abschließender Beschluss erneut gefasst werden. Möglicherweise könne die Stadt Lünen die Fläche doch kaufen. Der Firma Harpen müsse ja schließlich auch an ihrem Ruf und ihrem Namen gelegen sein.

Ein solches Moratorium werde es mit Harpen nicht geben, sagt Peveling. „Es gibt doch einen mehrheitlichen Beschluss. Wir können doch nicht so lange wählen lassen, bis aus Sicht des Bündnisses das richtige Ergebnis herauskommt.“

Kommentar von Marc Fröhling

Der falsche Weg

Es ist verständlich, wenn Menschen eine Grünfläche im Stadtteil erhalten wollen. Man darf auch darum kämpfen. Jetzt noch Argumente für einen Rodungs-Stopp zu finden, scheint aber schwer zu sein. Anders kann ich mir nicht erklären, dass das Bündnis Politikverdrossenheit befürchtet, wenn ein Ratsbeschluss umgesetzt wird. Das viel schlimmere Signal wäre es doch, jetzt noch zu warten und dann noch einmal abzustimmen. Was würde das über die Handlungsfähigkeit der Lüner Politik aussagen? Der Beschluss mag nicht jedem gefallen. Noch einmal abstimmen zu lassen, ist aber der falsche Weg.
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