Klimakrise in Lüner Wäldern: „Es beginnt aus dem Ruder zu laufen“

hzBuchen sterben ab

Auf dem Buchenberg ist der Name Programm, hier stehen hauptsächlich Buchen. Dort wird im Kleinen sichtbar, was alle Wälder gerade erleben: „Etwas läuft aus dem Ruder“, wie ein Experte sagt.

Lünen

, 12.10.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fichten, sagt Marco Adamek, gebe es in der Region ja kaum noch, Borkenkäfer und Dürreperiode hätten den Bäumen zu sehr zugesetzt. Vor allem die langen Trockenperioden sind jetzt auch dabei, den Buchenbestand deutlich zu reduzieren, hat der Förster des Landesbetriebs Wald und Holz beobachtet. „Wer mit offenen Augen durch die Wälder geht, sieht das sofort.“

Totholz wird zum Sicherheitsrisiko

Einer von denen, die mit offenen Augen durch die Wälder gehen, ist Dieter Kuhne. Nicht nur als Spaziergänger, er ist auch Waldbesitzer und von daher auch aus wirtschaftlichen Gründen an der guten Gesundheit seiner Bäume interessiert. Geht er über den Buchenberg zwischen Aurubis, Stadthafen und Dortmunder Straße, sieht er aber: Viele Buchen liegen im Sterben, andere sind längst tot. „Die Bäume können sich nicht mehr mit genügend Wasser versorgen und sterben von oben her ab“, sagt Kuhne. Es gebe ja immer noch Menschen, die meinten, das mit dem Klimawandel sei nicht so schlimm: „Die sollen mal durch den Wald am Buchenberg gehen. Aber am besten mit Helm.“ Denn das Totholz der absterbenden Bäume sei dort mittlerweile zum Sicherheitsrisiko geworden.

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Adamek ist als Förster für die Wälder in Lünen, Werne und Selm verantwortlich. Rund 20 Prozent der Bäume hier sind Buchen. Zuerst sterben die alten Bäume, die schon über 100 Jahre wachsen. Im wirtschaftlichen Forstbetrieb werden sie nach rund 140 Jahren gefällt, natürlich würden sie über 200 oder 300 Jahre alt werden. Nach den beiden Dürrejahren 2018 und 2019 habe sich die Situation aber verändert, der Boden müsse 50 bis 60 Zentimeter tief komplett ausgetrocknet gewesen sein: „Etwas beginnt, sich zu verändern“, sagt Adamek, „es beginnt, aus dem Ruder zu laufen“.

„Der Wald kränkelt. Er tut sich schwer.“

Dürrephasen habe es immer mal wieder gegeben. Aber die jetzigen seien häufiger und dauerten dann länger an. Noch vor fünf Jahren hätte er nicht geglaubt, dass die Buche solche Probleme bekommen würde. Der Baum ist hier schließlich heimisch und natürlicher Teil der Mischwälder. Bis jetzt. Neben der Buche sehe man mittlerweile auch bei Birke, Ahorn und Lerche die Folgen der Hitze. „Der Wald kränkelt. Er tut sich schwer.“

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Kuhne setzt wie Adamek auf die Verjüngung, hofft, dass anstelle der alten, abgestorbenen Buchen neue nachwachsen. Wie das klappt, werde man sehen, sagt Kuhne. Es sei ja eine langfristige Geschichte. Wahrscheinlich, sagt wiederum Adamek, werde er vermehrt Eichen pflanzen. Die haben sich in der Dürre widerstandsfähiger gezeigt. Er will weiter auf heimische Arten setzen, dazu aber auch mit anderen Baumarten wie Esskastanie oder Douglasie experimentieren.

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