Knöllchen in Lünen: Horstmarer „Hilfssheriff“ fotografiert jetzt weniger Falschparker

hzParken am Straßenrand

Nach viel Kritik hat Michael Kotissek das Fotografieren von Falschparkern reduziert. Ihm sei klar gewesen, dass er in ein Wespennest gestochen habe. Hoffnung macht ihm ein neues Gesetz.

Horstmar

, 21.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er macht Fotos von Falschparkern und zeigt sie an. Damit hat sich Michael Kotissek aus Horstmar nicht viele Freunde gemacht. Anfeindungen vor Ort hat er mehrfach erlebt. Auch in den Kommentaren zu unserer Berichterstattung im Sozialen Netzwerk Facebook gab es Anfang Dezember 2019 viel negative Kritik, bis hin zu Drohungen.

Mit der Veröffentlichung habe Kotissek seine Aktivität stark verringert, erklärt der Lüner am Donnerstag (20. Februar) im Gespräch mit der Redaktion. Das wird von der Anzahl an Privatanzeigen, die bei der Stadt Lünen seit Dezember 2019 eingegangen sind, bestätigt.

Weniger Privatanzeigen bei der Stadt

Im Dezember 2019 gab es 20 Privatanzeigen, im Januar 2020 waren es 23, im Februar bisher 20.

2018 gingen insgesamt 454 Privatanzeigen bei der Stadt ein. Also durchschnittlich knapp 38 im Monat. 2019 waren es mit 525 Anzeigen noch einige mehr. Rechnerisch im Monats-Durchschnitt knapp 44.

Zu beachten ist bei diesen Werten, dass sie nur Annäherung sein können. Denn saisonale Unterschiede werden bei diesen Durchschnittswerten nicht berücksichtigt, wie Stadtsprecher Benedikt Spangardt zu bedenken gibt. Da die eingegangen Privatanzeigen normalerweise nicht monatlich ausgewertet werden, lässt sich kein genauerer Vergleich erstellen.

Die Tendenz nach unten ist dennoch erkennbar, besonders wenn man berücksichtigt, dass Kotissek nach eigenen Angaben im Jahr 2019 zwischen 250 und 300 Privatanzeigen gestellt hatte.

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Apotheke warnt weiter vor „Hilfssheriff“

In der Barbara-Apotheke in Horstmar nimmt man die Situation als unverändert wahr. „Es werden weiterhin Fotos gemacht und wir warnen weiterhin unsere Kunden davor“, war am Mittwoch (19. Februar) von einer Mitarbeiterin zu erfahren.

Eine der Situationen, die Michael Kotissek ärgern: Ein Auto parkt auf dem Geh- und Radweg.

Eine der Situationen, die Michael Kotissek ärgern: Ein Auto parkt auf dem Geh- und Radweg. © Kotissek

Stein des Anstoßes an dieser Stelle ist für Kotissek die unrechtmäßige Nutzung des Behindertenparkplatzes vor dem Ladenlokal, der sich allerdings in Privatbesitz der Apotheke befindet. Mehr aber noch, dass Fahrzeuge hier beim Parken den Geh- und Radweg blockieren würden.

In Wespennest gestochen

Die vielen negativen Rückmeldungen wundern den Horstmarer im Übrigen überhaupt nicht. „Ich bin ja das Arschloch, das sich traut, anderen Leuten ihr eigenes Fehlverhalten zu zeigen“, so Kotisseks Resümee dazu, in dem ein ironischer Unterton nicht zu überhören ist. Dass er damit in ein Wespennest stechen würde, sei ihm von vorneherein klar gewesen.

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Damit meint er nicht nur die vielen Kommentare in den Sozialen Medien, sondern auch die Reaktionen vor Ort. Menschen die er auf ein Fehlverhalten anspreche, zeigten ihm den Mittelfinger oder beschimpften ihn.

Als Konsequenz habe sein „Elan“ etwas abgenommen. „Früher habe ich auch mit dem Auto angehalten, um Verstöße zu dokumentieren.“ Vorschriftsmäßig verstehe sich. Das mache er jetzt nicht mehr.

Ein weiterer Dämpfer war ein Zwischenfall vor etwa drei Wochen. Die Einzelheiten möchte Michael Kotissek hier nicht veröffentlicht sehen. Nur so viel sei gesagt: Jetzt kümmern sich Polizei und Anwälte um das weitere Verfahren.

Hoffnung auf Änderung der StVO

Im Prinzip sehe Kotissek es auch nicht als seine Aufgabe an, Falschparker bei der Stadt anzuzeigen. „Meine Hoffnung war immer, dass die Stadt mehr tut, aber das ist nicht passiert.“ Fahrradfreundlicher werde Lünen durch das Parkverhalten der Menschen jedenfalls nicht. Auch wenn noch so viele Fahrradwege angelegt würden.

Hoffnung setzt der Horstmarer auf eine angekündigte Änderung in der Straßenverkehrsordnung (StVO). Denn künftig wird Falschparken, genau wie zu schnelles Fahren, in Deutschland teurer werden. Bis zu 80 Euro und ein Punkt in Flensburg kann das Parken in zweiter Reihe dann kosten. Den Änderungen stimmte der Bundesrat am 14. Februar zu. „Dann überlegt man sich das vielleicht zweimal“, so Kotissek dazu.

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