Gästelisten - geführt müssen sie werden. Doch wer interessiert sich am Ende wirklich für sie? © picture alliance/dpa
Corona-Nachverfolgung

Kontaktlisten in Lüner Restaurants: Will das Gesundheitsamt sie überhaupt?

Wer ins Restaurant oder Café will, muss Listen ausfüllen. Doch Gesundheitsämter fordern diese Listen nur selten an. Wie sieht das in Lünen aus?

Die Durststrecke für Liebhaber der Gastronomie ist längst vorbei. Inzwischen kann im Kreis Unna nicht nur die Außen-, sondern auch die Innengastronomie genutzt werden. Eine Maßnahme wird aber laut der aktuellen Fassung der Corona-Schutzverordnung erhalten bleiben: die Kontaktlisten.

Dort geben Besucherinnen und Besucher ihren Namen, ihre Adresse und eine Kontaktnummer an, damit sie im Falle einer Corona-Infektion, von anderen Gästen zum Beispiel, informiert werden können und eine weitere Ausbreitung des Coronavirus verhindert werden kann.

Viele Gesundheitsämter fordern Listen gar nicht an

Allerdings fand der WDR bei einer Umfrage bei mehreren Gesundheitsämtern heraus, dass solche Listen mitunter von den Gesundheitsämtern überhaupt nicht angefordert werden. Zum Beispiel in Dortmund war das der Fall. Arbeit für Wirte und Gäste, die offenbar keinen Zweck erfüllt.

Auch in Lünen müssen die Gastronomen solche Listen ordnungsgemäß führen. Kontrolliert wird das vom Ordnungsamt. „Die Gastronomie ist natürlich Teil unserer regelmäßigen Kontrollen. In Anbetracht der weitgehenden Lockerungen wird hier in den kommenden Wochen auch verstärkt der Fokus liegen“, erklärt dazu Stadtsprecher Benedikt Spangardt.

Noch nicht alle Verstöße aufgearbeitet

„Wir haben hin und wieder auch Verstöße festgestellt“, erläutert der Stadtsprecher. Ein Bußgeld sei aber bislang nicht angesetzt worden. „Insbesondere bei kleineren Verstößen und Erstverstößen versuchen wir, über Ermahnung und Erklärungen Verständnis für die Maßnahmen und deren Bedeutung hervorzurufen“, so Spangardt.

Es könnte allerdings sein, dass diese noch nicht erfasst sind. So schränkt der Stadtsprecher seine Antwort ein: Derzeit seien noch gut 150 Anzeigen von Verstößen gegen die Coronaschutzverordnung unbearbeitet, sodass sich noch Bußgelder ergeben könnten. Dabei handelt es sich aber um verschiedene Verstöße, die in der Corona-Schutzverordnung genannt sind, nicht nur solche, die sich um das Thema Kontaktnachverfolgung drehen.


Kreis fordert Daten selten an

Was aber nun, wenn sich jemand infiziert hat? Für das Anfordern der Kontaktlisten ist das Gesundheitsamt des Kreises Unna zuständig. Das fordere solche Listen auch an, erklärt Kreissprecher Max Rolke auf Anfrage der Redaktion. Allerdings nur sehr selten.

„Das ist in 50 Fällen der Fall gewesen“, sagt Max Rolke. Wohlgemerkt 50 Fälle von den bislang fast 19.000 bestätigten Corona-Fällen (Stand 11.6.). Allerdings beziehen sich diese 50 Anforderungen von Kontaktlisten auch nicht nur auf die Gastronomie, auch Listen von Friseuren oder so genannte Anbieter von kontaktnahen Dienstleistungen fallen darunter. Wann eine Kontaktliste angefordert werde, so Rolke, das sei eine Einzelfallentscheidung. Man schaue sich den Sitzplan an, wie gelüftet wurde und überlege dann, ob es nötig ist, eine Liste anzufordern. Wichtig sei, dass man die Fälle zurückverfolgen könne, sagt Rolke.

Dabei spielt übrigens die App Luca, mit der man sich digital in Restaurants und Geschäfte einchecken kann, bisher noch keine Rolle. Sie würde dafür bislang nur sehr selten genutzt.

Anm. d. Red. Wir hatten zuvor geschrieben, dass es die entsprechende Schnittstelle zur Nutzung der Luca-App beim Kreis bislang nicht gibt. Das ist nicht richtig. Die App ist seit dem 16.4. angebunden, spielt aber bislang nur eine geringe Rolle. Wir haben den Satz entsprechend angepasst.

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Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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