Kulisse widerspricht City-Ring Lünen: „Nikolaus ist keine kommerzielle Veranstaltung“

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Kein Nikolaus mehr, der über die Lippe kommt, kein St. Martin, der durch die Innenstadt reitet - dieses Szenario droht Lünen im kommenden Jahr. Die Studiobühne Kulisse ist entsetzt.

Lünen

, 28.11.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ihren Geburtstag wird Therese Gresch in diesem Jahr mal wieder im Kostümfundus der Studiobühne Kulisse verbringen. Denn dort stattet sie die Kinder und Erwachsenen aus, die den Nikolaus als Märchengestalten über die Lippe begleiten.

Seit 34 Jahren gehört sie zum Nikolaus-Team, war selbst schon als „Frau Holle“ mit bei einem Besuch in der niederländischen Partnerstadt Zwolle, als die Märchenfiguren aus Lünen den Nikolaus dort begleiteten. Seit 20 Jahren kümmert sie sich um die Kostüme, bessert sie aus oder ersetzt Kleidungsstücke. Damit alles bereit ist für die beliebte Nikolaus-Ankunft.

Jetzt könnte es das letzte Mal sein, dass der Nikolaus und sein Gefolge die vielen Lüner Kinder und deren Eltern und Großeltern begrüßt. Denn der City Ring überlegt, sowohl den Nikolaus als auch den St. Martin in der Innenstadt nicht länger zu organisieren.

Kulisse widerspricht City-Ring Lünen: „Nikolaus ist keine kommerzielle Veranstaltung“

Winter- und Märchengestalten versorgt Therese Gresch mit entsprechenden Kostümen. © Foto: Beuckelmann


Diese Idee stimmt Therese Gresch traurig und macht sie auch wütend. „Der Nikolaus ist nicht nur schön für die Kinder und Familien, die bei uns mitmachen, sondern auch für viele andere Kinder, die in der Stadt auf uns warten“, weiß sie.

Das Argument des City-Ring-Vorsitzenden Helmut von Bohlen, sowohl die Nikolaus-Ankunft als auch St. Martin brächten den Geschäftsleuten nichts außer Kosten, lässt Therese Gresch nicht gelten. „Zu beiden Veranstaltungen kommen sehr viele Menschen in die Innenstadt, und viele von ihnen gehen auch vorher einkaufen.“

Traditionen „für die Kinder unserer Stadt“

Sie findet es „schade, wenn es nur um Profit geht“ und nicht darum, Kindern eine Freude zu bereiten. „Wir haben Leute, die bei uns jedes Jahr mitmachen, die mittlerweile ihre Enkel dabei haben.“ Ähnliches gelte auch für die Zuschauer. Auch hier seien mittlerweile Leute dabei, die selbst als Kinder den Nikolaus erlebt haben und nun mit ihren Kindern oder Enkeln dabei sind. Schließlich gibt es die Nikolaus-Ankunft dieses Jahr schon zum 42. Mal.

Michael Gresch, Chef der Kulisse und seit der ersten Veranstaltung mit dabei, erklärt, es handele sich nicht um kommerzielle Veranstaltungen, sondern Traditionen „für die Kinder unserer Stadt“.

Seit 20 Jahren organisiert er für den Lüner City-Ring die Veranstaltungen: „Mit Tanja Rambaski vom Brillenladen und in den letzten Jahren mit Axel Winter von Mercedes und Claus Gerdel von Liga Media haben wir die Veranstaltungen weiterentwickelt und ohne die Unterstützung - durchaus auch mit persönlichem Einsatz - dieser Mitglieder des City Rings und natürlich die finanzielle Trägerschaft wird es schwierig diese Veranstaltungen fortzusetzen.“

Insbesondere bei der Nikolaus-Ankunft trage auch die Stadt Lünen einen erheblichen Teil der Kosten für die Sicherung. Ohne die Genehmigung und die Boote des Lippeverbandes wäre die Veranstaltung nicht durchführbar. Auch der Einsatz des THW und der DLRG sowie des Spielmannszugs und der Posaunenchöre seien wichtig, so Gresch.

Verschiedene Gruppen an einen Tisch bringen

Dieter Hoffmann, der mehr als 25 Jahre den Nikolaus verkörperte, findet es wichtig, die Veranstaltung für Lünen zu erhalten. „Wir sind immerhin eine Stadt mit über 80.000 Einwohnern, und wer hat schon so eine Möglichkeit wie wir mit der Lippe“, sagt der 76-Jährige.

Er zeigt Verständnis dafür, dass der City Ring überlegt, nicht mehr Veranstalter zu sein. „Allerdings hätte ich dann erwartet, dass man sich um Alternativen bemüht, um das Ganze weiterführen“, so Hoffmann. Man müsse verschiedene Gruppen zusammen an einen Tisch bringen, die bereit sind, die Veranstaltungen weiterzuführen und nicht einfach absagen.

Therese Gresch wird an ihrem Geburtstag wieder das Gefolge des Nikolaus mit Kostümen versorgen - und würde das gerne auch noch viele weitere Jahre tun.

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