Kyrill: 300 Einsätze in drei Tagen

LÜNEN Diesen Dienst wird Brandoberinspektor Hermann-Josef Ashoff wohl nie vergessen, obwohl er ein Jahr zurück liegt – am 18. Januar 2007 war er Wachführer der Lüner Feuerwehr. Über seine Erlebnisse beim „Orkan“-Einsatz sprach RN-Redakteurin Beate Rottgardt mit Ashoff.

von Von Beate Rottgardt

, 17.01.2008, 13:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gab es in Ihrem Dienstleben schon mal etwas Vergleichbares? Ashoff: Nein, ich bin seit fast 27 Jahren bei der Feuerwehr, aber so eine Wetterlage habe ich vorher noch nie erlebt.

Wie sah Ihr Dienst vor einem Jahr bei „Kyrill“ aus? Ashoff: Ich hatte als Wachführer ab morgens 7 Uhr 24 Stunden Dienst und dann war ich am Sonntag wieder da, als wir immer noch Orkan-Einsätze abzuarbeiten hatten.

Wie viele Einsätze waren es insgesamt? Ashoff:  Vom 18. bis 21. Januar waren es 300 Einsätze. Abgebrochene Äste, umgefallene Bäume, lose Dachpfannen und Schäden an Gebäuden. Dazu kamen auch Anrufe von besorgten und ängstlichen Bürgern. So viele Telefonate wie an diesem Tag hab ich noch nie geführt. Heftig war auch, dass der Wetterhahn der St. Marien-Kirche durch den Orkan schief hing, da haben wir Absperrmaßnahmen durchgeführt, alles andere wäre zu gefährlich gewesen.

Gab es auch Verletzte unter Ihren Kollegen? Ashoff: Wir hatten Glück, nur zwei Kollegen haben leichte Prellungen erlitten. In anderen Städten sind Feuerwehrleute ums Leben gekommen.

Wann begannen am 18.1. die Orkan-Einsätze? Ashoff: Die erste Meldung kam um 11.20 Uhr rein, dann schaukelte es sich hoch. Nach und nach habe ich alle Löschzüge der Feuerwehr Lünen alarmiert. Insgesamt waren 130 Feuerwehrleute im Einsatz. Die Feuerwehrzentrale war mit vier Zentralisten besetzt. Ich habe die eingehenden Meldungen gesichtet und dann an die Löschzüge weiter geleitet oder auch Spezialgerät an die Einsatzorte bringen lassen.

Kamen Sie bei diesem Orkan überhaupt irgendwann mal zur Ruhe? Ashoff: Ab 3, 4 Uhr morgens wurde es etwas ruhiger, aber es gab immer noch Einsätze. Und Freitagmorgen, als es hell wurde, kamen wieder erheblich mehr Anrufe, dann hat jeder die Schäden gesehen.

Sind Sie vorgewarnt worden? Ashoff: Wir bekommen regelmäßig Warnungen vom Deutschen Wetterdienst, sind im Vorfeld über Fax alarmiert worden. Deshalb hatten wir auch die Abteilung Stadtgrün und die Wirtschaftsbetriebe Lünen im Vorfeld informiert.

Wie hat die Feuerwehr die Ereignisse „verarbeitet“? Ashoff: Wir haben unsere feuerwehrtechnische Ausstattung, die eigentlich schon gut war, in Bezug auf Kettensägen und die dazu gehörige Schutzkleidung noch mal erweitert. Außerdem gibt es entsprechende Schulungen. Zurzeit läuft ein Motorkettensägen-Lehrgang. Und zwei Feuerwehrmänner werden demnächst eine Woche bei der Waldarbeiterschule in Arnsberg-Neheim geschult, um selbst Ausbilder für solche Lehrgänge zu werden.

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