Bares für alles: Das Leihhaus in Lünen macht einen Millionenumsatz

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Seit 27 Jahren gibt es das „Leihhaus“ in Lünen. Wer hier hinkommt, braucht oft kurzfristig Geld. Die Beträge sind unterschiedlich. Doch in der Summe macht das Haus einen Millionenumsatz.

von Sina Osterholt

Lünen

, 27.12.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit der Gründung des Leihhauses in Lünen sind vor etwa 20 Jahren noch eine Filiale in Hagen und vor 10 Jahren eine in Remscheid hinzugekommen. Selbst in der Zeit von Niedrigzinsen, in der sogar Banken billig Geld verleihen, ist das Geschäfts mit der Pfandleihe beliebt.

Wie im Geschäftsbericht der „kleinen Kapitalgesellschaft“ Leihhaus Lünen GmbH im Bundesanzeiger nachzulesen ist, liegt die Bilanzsumme der Firma bei rund 2,8 Millionen Euro, wovon rund 2,6 Millionen Euro „Umlaufvermögen“ sind. Als Bilanzgewinn sind rund 1,35 Millionen Euro ausgewiesen - große Werte für eine kleine Gesellschaft.

Verzinstes Darlehen für Wertgegenstände

Über Zahlen möchte der Angestellte im Leihhaus Lünen aber nicht gerne sprechen, ebenso wenig seinen Namen öffentlich lesen. Über das tägliche Geschäft mit Mitarbeitern aus den verschiedensten Richtungen spricht er aber schon mit unserer Redaktion. Unter anderem sind im Leihhaus ausgebildete Uhrmacher oder auch Bürokaufmänner angestellt.

Das Prinzip hinter dem Geschäft: Kunden können sich verzinstes Geld leihen, indem sie einen Wertgegenstand hinterlegen. Wenn sie das geliehene Geld jedoch nicht innerhalb von vier Monaten zurückzahlen, lässt das Leihhaus den Gegenstand vom öffentlich bestellten, vereidigten Auktionator versteigern.

Der Gewinn aus der Versteigerung wird vom zuvor verliehenen Geld abgezogen. Diesen Plus-Betrag kann der Kunde nachträglich abholen. Ansonsten bekommt die Stadt das Geld ausgezahlt.

„Es gibt nichts, das wir nicht beleihen“

Häufig geben die Kunden im Leihhaus Wertgegenstände wie Handys, Schmuck oder Fernseher ab. Das Pfandhaus nimmt aber auch außergewöhnlichere Gegenstände an: „Es gibt nichts, das wir nicht beleihen“, sagt der Lüner Mitarbeiter. Unter anderem habe er auch schon eine gebrauchte Motorradjacke aufgenommen.

Für den Wert des jeweiligen Gegenstandes gebe es eine Liste, die wöchentlich angepasst werden muss, „da besonders elektronische Gegenstände durch die Digitalisierung stark an Wert verlieren“. Die Angestellten prüfen zudem bei jedem Gegenstand den Preis für die gebrauchte Ware im Internet und orientieren sich daran.

Angst vor dem Gang zum Pfandhaus

Der Gang zum Pfandhaus ist zwar beliebt, findet aber trotzdem eher heimlich statt. „Oft haben die Menschen Angst, in ein Pfandhaus zu gehen, da ihnen das falsch vorkommt“, sagt der Angestellte. Jedoch werde das tägliche Geschäft regelmäßig kontrolliert und unterliege gesetzlich festgelegten strengen Richtlinien. „Nicht einmal eine Handvoll von Deliktfällen haben wir in diesem Jahr gemessen.“

Die Regeln sind in den Pfandhäusern überall gleich - genauso wie die Zinsen. Aus dem Grund könne auch kein Leihhaus gegen Beschwerden über zu hohe Zinsen vorgehen.

Kunden in einem „schlechten Monat“

Im Pfandhaus geht es grundsätzlich um einen kurzfristigen Kredit. „Das System im Leihhaus ist aber deutlich simpler als bei dem Kredit von der Bank“, sagt der Lüner Mitarbeiter. Ein Kredit unterliege einem viel aufwendigeren Prozess und ist oft mit einer sehr hohen Summe verbunden. Das Leihhaus hingegen zahle daneben auch Kleinbeträge ab 10 Euro aus.

Außerdem unterscheiden sich bei den beiden Formen auch die Gründe, sich Geld zu leihen. Die Kunden im Leihhaus seien oft nur „in einem schlechten Monat“ und wollen sich ungern zum Beispiel bei der Familie Geld leihen.

Die meisten würden dann am Ende des Monats kommen, um Geld zu holen. „Und dann kommen sie am Anfang des Monats wieder und zahlen das Geld zurück.“

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