Liebe Jugendliche: Schaut euch bitte mal genauer in Lünen um, bevor ihr jammert

hzJetzt mal unter uns

Ja, das Lükaz ist geschlossen, und das ist ärgerlich. Aber es gibt keinen Grund, als Jugendlicher in Lünen zu verzweifeln, findet unser Autor in einer Antwort auf die „Meinung am Mittwoch“.

Lünen

, 14.09.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Etwas irritiert war ich doch, als ich neulich das Dorf besuchte, in dem ich aufgewachsen bin und dort in der Zeitung blätterte, mit der alles begann. „Wenig Angebote für Jugendliche“, stand dort. Das überraschte mich, denn so weit ich wusste, konnte man als Teenager in dem Dorf durchaus was anfangen – spätestens seit 1998, als ein offener Jugendtreff eingerichtet wurde.

Der Treff existiert immer noch, und trotzdem ist die Forderung, die schon damals – in meinen Augen berechtigt – ebenfalls noch aktuell. Für mich, 20 Jahre später unverständlich: Es gibt doch alles. Also jetzt. Damals war das natürlich anders. Da war das Dorf ein Synonym für Langeweile und Perspektivlosigkeit. Aber heute - perfekt zum Aufwachsen.

Skurrile Forderungen - aus Sicht eines 40-Jährigen

Sie ahnen es schon: Es hat weniger mit dem Dorf zu tun, als mit mir selbst. Ich bin kein Jugendlicher mehr, sondern ein halbwegs erwachsener Mensch, der die Situation anders bewerten kann, als man das vielleicht mit 16 oder 18 oder selbst noch mit 21 tut.

Die auch von mir geforderte Steigerung der Angebote für Jugendliche scheint den damals 40-Jährigen vermutlich ebenso skurril vorgekommen sein, wie es jetzt bei mir der Fall ist.

Womit wir bei Lünen wären. Unsere junge Gastautorin Marie Hirschberg hat in ihrem Beitrag für unsere Reihe „Meinung am Mittwoch“ einen neuen Hotspot für Lünens Jugend gefordert. Angesichts der Tatsache, dass das Lükaz nach wie vor wegen eines Brandschadens geschlossen ist, eine naheliegende und berechtigte Forderung. Doch Marie ging noch einen bemerkenswerten Schritt weiter: Jugendliche brauchen neben dem Lükaz einen weiteren, unabhängigen Ort, der nur für sie ist.

Nicht die Politik ist gefordert, sondern die Eltern

Ich finde den Beitrag von Marie Hirschberg mutig und gut. Aber ich stimme ihr nicht zu. Ich frage mich vielmehr: Wissen die Jugendlichen (und ihre Eltern) überhaupt, was Lünen für den Nachwuchs zu bieten hat? Und zwar abseits der Kitas und Schulen, die im Stadtgebiet bildungstechnisch jeden möglichen Weg eröffnen?

Was sagen eigentlich die Sportvereine zu solchen Forderungen? Oder die Schützenvereine? Der Theater-Jugendclub? Die Stadtbücherei? Ich finde: Langeweile muss in Lünen nun wirklich niemand haben.

Und alle, die sagen, dass Jugend auch einen unabhängigen Ort braucht, sollten nicht vergessen, dass erstens das Lükaz ja noch existiert, und zweitens es zur persönlichen Entwicklung gehört, dass man sich in die Gesellschaft einbringt. Und hier sind weniger Stadt und Politik gefordert, sondern eher die Eltern, um ihren Kindern diese Werte beizubringen.

Einmal in der Woche sprechen Mitglieder der Lokalredaktion Lünen „mal ganz unter uns“ über Dinge, die sie und Lünen bewegen. Mal pointiert, mal mit Augenzwinkern, mal direkt geradeaus - aber immer bereit, sich der Diskussion zu stellen.
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