Lieferengpässe bei Medikamenten : Coronavirus könnte das Problem verschärfen

hzApotheker in Sorge

Lieferengpässe bei Medikamenten belasten die Apotheken. Das Problem könnte sich noch verschärfen. Viele Wirkstoffe werden in China hergestellt. Wegen des Coronavirus´ ruht die Produktion.

Lünen

, 18.02.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass Medikamente nicht lieferbar sind, damit hat Dagobert Ullrich, Sprecher der Lüner Apotheker und Inhaber der Bären-Apotheke, ständig zu tun. „Man versucht zu jonglieren“, erklärt er. Das bedeute, auf einen verwandten Wirkstoff umzuschwenken, eine andere Firma zu finden. Oft sei Rücksprache mit dem Arzt notwendig. „Ein irrer Aufwand, um das Problem im Sinne des Patienten zu lösen“, sagt Ullrich.

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Rund 200 gängige Arzneimittel seien laut Apothekerverband Westfalen-Lippe seit Monaten in Deutschland nicht verfügbar. „Das Problem könnte möglicherweise sogar noch größer werden“, so Sarah Doll, Vorsitzende der Bezirksgruppe Unna im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL). Denn wegen des Kostendrucks im Gesundheitswesen würden viele Wirkstoffe für Arzneimittel nur noch in wenigen Betrieben weltweit hergestellt – viele davon sind in China gelegen. Teilweise ruhe dort aufgrund des Coronavirus‘ die Produktion.

Lieferengpässe bei Medikamenten erlebt auch Dagobert UIlrich, Sprecher der Lüner Apotheken. Die Auswirkungen aus China seien noch nicht spürbar.

Lieferengpässe bei Medikamenten erlebt auch Dagobert UIlrich, Sprecher der Lüner Apotheken. Die Auswirkungen aus China seien noch nicht spürbar. © Quiring-Lategahn

Diese Auswirkungen seien jetzt in Lünen noch nicht spürbar, denn produziert würde im Vorlauf, meint dazu Dagobert Ullrich. Doch das Ausmaß wolle er sich gar nicht vorstellen.
Auch Volker Brüning, Sprecher der Apothekerschaft im Nordkreis Unna und Inhaber der Mersch-, Altstadt und Colosseum-Apotheke in Lünen, sagt: „Wir sehen das Problem auf uns zukommen. Die Welle trifft uns aber erst in ein paar Wochen.“

Apotheker Volker Brüning sagt zu dem Produktionsausfall in China: „Die Welle kommt erst noch.“

Apotheker Volker Brüning sagt zu dem Produktionsausfall in China: „Die Welle kommt erst noch.“ © Schulz-Gahmen

Grund für die Lieferengpässe seien die Sparmaßnahmen. Krankenkassen handeln Rabattverträge mit den günstigsten Anbietern aus. Die anderen steigen aus wirtschaftlichen Gründen aus der Produktion aus. Daher würden zunehmend Wirkstoffe aus dem Ausland, eben auch aus China, zugekauft. „Das ist ein ungesundes Verhältnis“, so Brüning. Er veranschaulicht die Medikamentenherstellung mit der Autoproduktion. Sobald in der engen Lieferkette ein Sitz nicht lieferbar sei, könne das ganze Auto nicht gebaut werden.

Wie die Apotheker in Westfalen-Lippe mitteilen, habe der Bundestag mit der Verabschiedung des Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetzes erste Maßnahmen gegen Lieferengpässe beschlossen. Diese würden aber nicht ausreichen, warnen die Apotheker.

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Vernünftig sei, dass Patienten künftig keine Mehrkosten bei Nichtlieferbarkeit fürchten müssen, so Sarah Doll. Auch strengere Meldepflichten für Hersteller und Großhändler bei Lieferengpässen seien richtig. Doch die Apotheker in Westfalen-Lippe fordern, dass die Produktion von Wirkstoffen und Arzneimitteln unter hohen Umweltschutz-und Sozialstandards wieder verstärkt in der EU stattfinden solle. Zudem sollten bei der Vergabe von Rabattverträgen Arzneimittelhersteller nachweisen, dass sie Lieferverträge mit mehreren Wirkstoffherstellern hätten. Außerdem müsse der Mehraufwand in Apotheken bei Lieferengpässen honoriert werden.

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