Lieferengpässe bei Medikamenten - Lüner Apotheken informieren jetzt mit Flyern

hzApotheken in Lünen

Die extremen Lieferengpässe bei Medikamenten sorgen für Unsicherheit bei vielen Patienten. Seit dieser Woche informieren Lüner Apotheken ihre Kunden mit einem Flyer über die Hintergründe.

von Kristina Gerstenmaier, Lea Wulfert

Lünen

, 28.11.2019, 13:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Antibiotikum, Diabetes-Medikamente, Psychopharmaka, Schmerzmittel und vor allem Impfstoffe - alles wichtige Arzneimittel, die in Lüner Apotheken schon seit einiger Zeit fehlen. Das Problem sind Lieferengpässe, verursacht durch Rabattverträge (s. Infokasten).

Die Konsequenzen für Apotheker, Ärzte und Patienten: neben extremen Unannehmlichkeiten für die Patienten bedeutet das viel Rennerei, viele Telefonate, viel mehr Arbeit. Ein Fyler soll die Apotheker in Lünen jetzt entlasten und die Patienten informieren.

Nachweis von felhenden Medikamenten ist aufwendig

“Wir haben sehr viel mehr Arbeit wegen der Lieferengpässe“, erklärt Sarah Yowakim, Apothekerin in der Altstadtapotheke Brüning. Immer wieder muss sie den Patienten erklären, dass sie auf andere Medikamente umsteigen müssen. „Wir rufen beim Arzt an, der Arzt muss ein neues Rezept ausstellen, der Patient muss wieder zum Arzt rennen und dann noch mal bei uns vorbei“, schildert die Pharmazeutin. Das sei für alle Beteiligten nervig und zusätzliche Arbeit.

Außerdem müsse er als Apotheker, so erzählt Dagobert Ullrich, Inhaber der Bären-Apotheke ein paar Meter weiter, den Krankenkassen fehlende Medikamente recht aufwendig nachweisen.

Bevorratung sorgt für neue Welle

Zu Beginn der Lieferengpässe sollen viele Patienten gar nicht verstanden haben, warum sie nicht an ihre Medikamente kommen, erklärt Sarah Yowakim. Sie findet die Flyer gut und wichtig: „Sie erklären die Situation ganz einfach und das nimmt uns schon viel Arbeit ab.“

Das Infoblatt erklärt, dass die Lieferschwierigkeiten durch Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen verursacht sind. „Und nicht zuletzt mit der Konsequenz, dass die Patienten und auch wir Apotheker versuchen, uns zu bevorraten, wodurch dann wiederum eine Welle entsteht“, erklärt Dagobert Ullrich.

Das können Patienten tun

Trotzdem sei es wichtig , empfielt Sarah Yowakim, dass Patienten sich frühzeitig um Nachschub kümmern, wenn sie regelmäßig Arzneimittel einnehmen müssen und Krankenkassen und Politik vor Ort über die Missstände infomieren.

In der Bären-Apotheke bei Dagobert Ullrich ist der Flyer hingegen bisher gar nicht angekommen. „Und zu einer Lösung trägt er ja sowieso nicht bei“, sagt der Pharmazeut. „Durch uns Apotheken und die Presse sind die Patienten ja sowieso schon gut informiert. Und eine Entschuldigung unsererseits ist auch gar nicht nötig. Wir sind auf jeden Fall nicht schuld an der Situation. Die Ursache dieser Missstände sind die Rabattverträge. Die müssen gelockert werden.“

INFORMATION

WAS SIND RABATTVERTRÄGE?

Jedes Jahr schreiben Krankenkassen Wirkstoffe aus. Nur die günstigsten Anbieter erhalten den Zuschlag. Andere Unternehmen, die den Zuschlag nicht bekommen, steigen dann aus wirtschaftlichen Gründen aus der Produktion aus. „Die Produzenten versuchen die Aufträge an die Märkte abzugeben, auf denen sie am meisten Gewinn generieren können“, erklärt Dagobert Ullrich. Und die lägen eben im Ausland. Außerdem gäbe es einige wenige Zwischenhändler, die die Medikamente abfüllen und weitervertreiben, sodass eine Verunreinigung in einem solchen Betrieb große Auswirkungen hat. Übrigens, so steht es im Flyer, ist die Quote der Apotheken, die mit Lieferengpässen konfrontiert sind von 35 Prozent im Jahr 2916 auf 90 Prozent heute gestiegen.
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