Lina Wendel: „Lünen ist deshalb so schön, weil es ohne Glamour und Glitzer auskommt“

hz30. Lüner Kinofest

Als „die Füchsin“ ermittelt Lina Wendel in der gleichnamigen Krimi-Serie im Fernsehen. Warum die Schauspielerin das Lüner Kinofest so schätzt, erzählt sie im Interview.

Lünen

, 16.10.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ihr zweiter Besuch beim Lüner Kinofest endete mit der „Lüdia“. Lina Wendel stellte mit ihrem Kollegen Peter Kurth den beeindruckenden Film „Herbert“ vor - über einen schwer kranken Boxer, dessen Lebensgefährtin sie spielte.

Das Lüner Publikum war so begeistert von dem Debütfilm, dass er den Filmpreis der Stadt Lünen gewann. Lina Wendel nahm die „Lüdia“ bei der Abschlussgala im Hilpert-Theater entgegen.

Auch in ihrer Heimatstadt Berlin war die aus dem Osten der Stadt stammende Schauspielerin schon oft mit dem Kinofest verbunden - als Gast bei den Berlinale-Empfängen in den Hackeschen Höfen. Warum sie das Lüner Kinofest so mag, erzählt sie im Interview.

Wie war es bei Ihrem ersten Besuch beim Lüner Kinofest?

Das war mit dem Film „Silvi“, in dem ich eine 47-Jährige spiele, die von ihrem Mann verlassen wird und per Kontaktanzeige eine neue Liebe sucht. Ein Jahr später war ich dann mit „Herbert“ zu Gast. Beide Male war es ganz toll in Lünen.

Hatten Sie vorher schon mal was vom Festival in der Cineworld gehört?

Tatsächlich nicht. Von vielen anderen Kinofesten schon, aber nicht vom Lüner Festival.

Was unterscheidet Ihrer Meinung nach das Lüner Kinofest von anderen Filmfestivals?

Ich mag das Kinofest, weil es ohne großen Glamour und Glitzer auskommt. In Lünen geht es um das Wesentliche, nämlich um die Filme und darum, dass man ins Gespräch kommt. Man wird hier immer sehr freundlich und liebenswert behandelt und das ist auch echt gemeint. In Lünen wird niemand, nur weil er berühmter als ein anderer Gast ist, freundlicher behandelt als die anderen. Ich war jetzt das erste Mal in München beim Filmfest, wo wir den Kinofilm „Es gilt das gesprochene Wort“ vorgestellt haben, in dem ich mitspiele. Auch wenn es eine glamouröse Stadt ist - die Atmosphäre beim Festival hat mich an die in Lünen erinnert.

Lina Wendel: „Lünen ist deshalb so schön, weil es ohne Glamour und Glitzer auskommt“

Beim Empfang des Kinofestes Lünen auf der Berlinale 2016: (v.l.) Produzentin Undine Filter, Regisseur Thomas Stuber und Hauptdarstellerin Lina Wendel vom Lüdia-Gewinnerfilm 2015 „Herbert“. © Frank Bock

Sie waren ja auch schon einige Male beim Empfang während der Berlinale zu Gast. Was ist das Besondere an diesem Fest?

Das ist dort beim Empfang etwas pompöser als in Lünen, was aber den Räumlichkeiten in den Hackeschen Höfen geschuldet ist. Ansonsten ist die Stimmung aber ähnlich wie in Lünen. Und ich sage jedem: „Lünen ist toll, geht hin“.

Sie sind wieder als „Füchsin“ im Fernsehen zu sehen, spielen eine Ermittlerin mit einem Geheimnis. Was fasziniert Sie an dieser Rolle?

Dass diese Figur eine geschichtsträchtige Vergangenheit hat, verbunden mit ihrer privaten Geschichte. Wir haben im Frühjahr drei Monate lang gedreht und warten jetzt auf die Ausstrahlung und die Quoten, ob es weitergeht.

Lina Wendel: „Lünen ist deshalb so schön, weil es ohne Glamour und Glitzer auskommt“

Schauspielerin Lina Wendel und Martin Schneider von der Film- und Medienstiftung. © Günter Blaszczyk

Verraten Sie etwas über Ihre beruflichen Pläne?

Ich drehe gerade mit Annette Frier die Folgen 5 und 6 von „Ella Schön“ - meine erste Großmutterrolle. Dann gibt es einen Dreh für die Reihe „Helen Dorn“ mit Anna Loos und ich hatte ein Casting für eine Miniserie.

Wenn Sie sich eine Rolle wünschen könnten - welche wäre es?

So eine Rolle wie in „die Füchsin“ finde ich am spannendsten, Rollen, in denen es um Geschichte und Politik geht und die Lust auf diese Themen machen.

Was wünschen Sie dem Lüner Kinofest zum 30. Geburtstag?

Dass Mike Wiedemann (Kinofestleiter seit 2005, Anm.d.Red.) noch lange dabei bleibt. Dass es weiter viele junge talentierte Regisseure gibt, die versuchen, unverwechselbar zu bleiben. Und auch viele gute Gespräche.

Biographie

Auf der Theaterbühne und vor der Kamera

  • Ihre schauspielerische Ausbildung war von 1984 bis 1989 an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin.
  • Lina Wendel erhielt im Jahr ihres Abschlusses ein erstes Festengagement, das sie bis 1992 an das Neue Theater Halle führte.
  • Bis Mitte der 1990er Jahre wirkte Wendel in Hamburg, trat hier am Ernst-Deutsch-Theater und der Komödie Winterhuder Fährhaus auf.
  • Nach einem Gastspiel beim Kunstfest Weimar 1996 war sie von 1997 bis 1999 am Staatstheater Cottbus verpflichtet.
  • Seit dem Jahr 2000 ist sie freischaffend tätig, spielte von 2004 bis 2006 an der Comödie Dresden.
  • Am Berliner Polit-Kabarett „Charly M.“ steht sie seit 2008 immer wieder auf der Bühne, auch mit Soloprogrammen.
  • Bereits als 17-Jährige stand Lina Wendel erstmals vor den Kameras des damaligen DDR-Fernsehens. Seit Mitte der 1990er Jahre arbeitet sie regelmäßig für Film und Fernsehen und wirkte gastweise in zahlreichen Fernsehserien mit.
  • Großen Erfolg bescherte Wendel ihre Darstellung der Titelfigur in dem 2013 entstandenen Independent-Film „Silvi“, für den nicht nur sie, sondern auch der Streifen selbst mehrere Auszeichnungen erhielt.
  • 2015 verkörperte sie neben Peter Kurth in Thomas Stubers Langspielfilmdebüt Herbert die weibliche Hauptrolle.
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