Lünen ist sicherer als vor vier Jahren - nur glaubt das kaum jemand

hzHalbjahresbilanz der Polizei

Eine beliebte Reaktion auf Straftaten ist diese: „Es wird alles immer schlimmer.“ Die Polizei widerspricht energisch und kann das auch belegen. Aber die Reaktionen überraschen dann doch.

Lünen

, 07.08.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Um es gleich mal vorweg zu nehmen: Nein, die Situation in Lünen ist nicht schlimmer geworden. Im Gegenteil: Vieles hat sich sogar deutlich gebessert, zumindest, wenn man sich die Halbjahresbilanz der zuständigen Polizei Dortmund mal näher ansieht.

Ein guter Trend fürs Sicherheitsgefühl - eigentlich

Auf ihrem Facebook-Account hat die Polizei Dortmund bereits am Freitag (2. August) ziemlich eindeutig erklärt, dass die Pauschalaussage „Alles wird immer schlimmer“ nicht zutreffend ist.

Doch obwohl die Halbjahresbilanz für 2019 ein deutlich positiveres Bild zeichnet als in den vergangenen Jahren, nahmen die meisten Facebook-Kommentatoren das schlichtweg nicht hin: „Ein beachtlicher Anteil blieb bei seiner Meinung, dass alles immer schlimmer würde“, heißt es aus dem Polizeipräsidium Dortmund.

Dabei sei die Zahl der Straftaten in Dortmund und Lünen auch in der ersten Jahreshälfte 2019 weiter gesunken. „Damit setzt sich ein seit vielen Jahren anhaltender Trend fort, der für das persönliche Sicherheitsgefühl aller Bürgerinnen und Bürger relevant ist“, so Polizeisprecher Peter Bandermann.

Rund 11.000 Delikte weniger in vier Jahren

Zumindest theoretisch. Denn praktisch ignorieren viele die polizeiliche Statistik und behaupten weiterhin, dass man jederzeit befürchten müsse, Opfer einer Straftat zu werden. Tatsächlich wurden laut Polizei in der ersten Jahreshälfte 2016 noch mehr als 43.000 Straftaten angezeigt, im gleichen Zeitraum 2019 waren es mehr als 32.000 Delikte.

Die Aufklärungsquote für Dortmund und Lünen lag nach Angaben der Behörde bei 58 Prozent. „Das ist der höchste Wert seit Jahrzehnten“, so Bandermann. Vor allem im Bereich der „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ war die Ermittlungsarbeit erfolgreich, 84,1 Prozent aller Fälle konnten aufgeklärt werden. Bei den Wohnungseinbrüchen hingegen ist die Aufklärungsquote mit 14,9 Prozent noch ausbaufähig.

Deutlich weniger Wohnungseinbrüche in Lünen

Auch ein spezieller Blick auf Lünen offenbart: Die Straftaten in einzelnen Bereichen sind weniger geworden, vor allem die Zahl der Wohnungseinbrüche ist im ersten Halbjahr 2019 auf einen Tiefststand gesunken.

Nachdem die Polizei die Statistik in den sozialen Netzwerken publik gemacht hatte, ließen Kommentare wie „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ nicht lange auf sich warten. „Das wird es immer geben. Aber wir brauchen nunmal eine Messgröße, an der wir uns orientieren und unsere Arbeit bewerten können“, weist Polizeisprecherin Cornelia Weigandt derartige Kritik zurück.

Polizeipräsident warnt vor gezielter Desinformation

Auch Polizeipräsident Gregor Lange sieht in der aktuellen Statistik eine Bestätigung der Polizeiarbeit: „Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger dem Rechtsstaat vertrauen können. Er funktioniert, er setzt Grenzen und verdient Vertrauen.“

Misstrauen sollten hingegen die erfahren, die eine Deutungshoheit für sich beanspruchen - womit der Präsident auch eine klare Botschaft in Richtung bestimmter Politiker und Parteien aussandte: „Ich warne davor, denjenigen auf den Leim zu gehen, die aus politischem Kalkül mit gezielter Desinformation Angst schüren.“

„Weichen an der Seite der Bürger nicht zurück“

Eine Garantie auf hunderprozentige Sicherheit gibt es auch von der Polizei Dortmund nicht. Grundsätzlich gilt für alle Bürgerinnen und Bürger: „Niemand sollte sich scheuen, im Notfall die 110 zu wählen. Im täglichen Einsatz gegen Kriminelle weichen wir an der Seite der Bürger nicht einen Schritt zurück.“

Kommentar

Noch kein Grund zum Feiern

Lünen ist sicherer als vor vier Jahren - nur glaubt das kaum jemand

Daniel Claeßen © Felgenträger

Weniger Straftaten in Lünen - das ist ein positives Fazit der polizeilichen Halbjahresbilanz 2019. Ein Grund zum Feiern ist es freilich nicht, denn jede Straftat ist eine zu viel. Aber: Die Gefahr, Opfer einer solchen Tat zu werden, ist kleiner geworden. Und darüber darf man sich auch mal freuen (und auch gerne der Polizei „Danke“ sagen). Dass es trotzdem immer noch Menschen gibt, die bei solchen Zahlen Verschwörungen wittern und sich bei einem Spaziergang durch Lünen unsicher fühlen (wollen), hat viele Ursachen. Dummheit gehört sicherlich (gerade auf Facebook) dazu, Desinformation (dito) ebenfalls. Aber leider eben auch verlorenes Vertrauen. Und das dürfte für die Polizei fast noch schwieriger werden, als Straftäter dingfest zu machen: Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zurückzugewinnen. Aber die Arbeit der vergangenen Jahre zeigt: Man ist auf einem guten Weg. Weiter so.
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