Lünen und das Hansetuch: Stadt will die Bilder nicht im Museum ausstellen

hzBürgerantrag

40 Bilder von Künstlern aus London, Riga oder Hamburg bilden das „Lüner Hansetuch“. Doch das einmalige Kunst-Projekt wird lieblos behandelt. Werner Tischer meint: Man sollte es verkaufen.

Lünen

, 30.11.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Werner Tischer ans Lüner Hansetuch denkt, wird er zornig. Nicht etwa, weil ihm die 40 ganz unterschiedlichen Arbeiten verschiedener Künstler aus 40 Hansestädten nicht gefallen. Im Gegenteil. Wie die Stadt Lünen mit ihrem besonderen Kunstprojekt umgeht, macht den 76-Jährigen wütend.

Im Hansesaal kann man 35 der Bilder sehen, nicht alle auf den ersten Blick allerdings. Die übrigen fünf sind der Öffentlichkeit nicht zugänglich. „Keiner weiß, wer bestimmt hat, welche Bilder zu sehen sind und welche nicht“, kritisiert Tischer. Und findet diese Vorgehensweise auch einen Affront gegenüber den Künstlern und den Hansestädten, deren Bilder nicht zu sehen sind.

Eigentlich - so ein früheres Vorhaben - wollte die Stadt Lünen sogar 50 Bilder für ihr Hansetuch haben. Das 50. sollte in diesem Jahr hinzugefügt werden. Denn 2019 sollten ursprünglich die jährlich stattfindenden Hansetage in Lünen veranstaltet werden. Das wurde aber dann aus Kostengründen gecancelt, ebenso wie der Plan mit den 50 Bildern.

Lünen und das Hansetuch: Stadt will die Bilder nicht im Museum ausstellen

Rollten das Banner mit allen 40 Bildern des Hansetuchs aus: Peter Freudenthal, Förderverein für Kunst und Kultur, Adam Waldoch, Fa. DDS Werbung, Dortmund, Hersteller des Banners Thomas Scheidle, Förderverein, Jochen Otto, Förderverein, Barbara Höpping, Autorin der Hansetuch-Publikationen und Paul Waldoch, Fa. DDS Werbung. © Bernd Hegert

Tischer schlägt nun in einem Bürgerantrag an den Haupt- und Finanzausschuss vor, dass die Stadt Lünen das Hansetuch an eine andere Hansestadt verkaufen soll. „Die Sammlung wird seit Jahren nachlässig behandelt.“ Es sei, so heißt es in dem Antrag, „peinlich, dass die Kunstsammlung komplett nur im Katalog und auf dem Riesenbanner, beides erstellt durch den Förderverein für Kunst und Kultur, komplett zu erfahren ist.“

Lünen und das Hansetuch: Stadt will die Bilder nicht im Museum ausstellen

Das ist der Beitrag von La Rochelle für das Lüner Hansetuch. Vincent Ruffin hat das Ölgemälde von der Hansekogge und dem St. Nikolaus-Turm gemalt. © Rottgardt

Dazu käme, dass der Hansesaal mittlerweile kein öffentliches Gebäude mehr ist und ein Besuch des Hansetuches im Ringhotel am Stadtpark angemeldet werden müsse. Tischer fragt sich nun, was mit dem Hansetusch geschieht, wenn 2025 der Hansesaal endgültig ins Eigentum der Hoteliers-Familie Riepe übergeht.

Die Stadtverwaltung betont, der Verbleib sei bis 2025 gesichert und es gebe auch in den bisherigen Verhandlungen zwischen Hotel und Stadt „keine Bestrebungen die Vereinbarung mit diesem Datum zu beenden.

Vorschlag: Hansetuch komplett im neuen Museum ausstellen

Tischer könnte sich vorstellen, die 40 Bilder des Hansetuchs zusammenhängend im geplanten neuen Museumsbau zu zeigen. „Das Hansetuch gehört ins stadtgeschichtliche Museum, denn es erzählt auch Stadtgeschichte“, sagt der engagierte Lüner und Stadtführer.

Lünen und das Hansetuch: Stadt will die Bilder nicht im Museum ausstellen

Der Dortmunder Künstler Günter Rückert stellt die Funktionsweise und Technik der profanen Arbeit zur Zeit der Hanse in den Mittelpunkt seines Beitrages zum Lüner Hansetuch. © Foto Hirsch

Das sieht die Stadt allerdings anders. „Eine dauerhafte Präsentation aller 40 Hansetuchbilder ist in der Konzeption für das neue Museum, das ein stadthistorisches Museum und kein Kunstmuseum sein soll, nicht vorgesehen. Außerdem ist das eine Platzfrage. Nicht einmal der Hansesaal hat ausreichend Platzangebot, um alle Bilder gleichzeitig zu zeigen“, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage unserer Redaktion. Dennoch arbeite die Stadt an anderen – beispielsweise digitalen – Präsentationsformen mit interaktiven Möglichkeiten das Hansetuch erlebbar zu machen. Vorstellbar wären hier z.B. wechselnde Präsentationen eines „Hansetuch-Bildes des Monats“.

Lünen und das Hansetuch: Stadt will die Bilder nicht im Museum ausstellen

Der litauische Künstler Egidius Rudinskas schuf das Ölgemälde "Städtepartnerschaften", den 27. Beitrag für das Lüner Hansetuch. © Rottgardt

Tischer fürchtet, dass die 40 Bilder irgendwann stillschweigend in einem Depot („was es noch gar nicht gibt“) verschwinden werden. Deshalb sein Vorschlag, das Hansetuch besser an eine andere Hansestadt zu verkaufen, die es besser vermarktet als Lünen es getan habe.

Stadt: Es gibt einen Katalog, einen Flyer und ein großes Tuch mit allen Bildern

Dass Lünen das Hansetuch nicht ausreichend würdige, sieht die Stadt nicht so: Dank der Unterstützung des Fördervereins für Kunst und Kultur gebe es einen Hansetuchkatalog, einen Flyer und ein tatsächliches Tuch (15 x 4 Meter) mit Abbildung aller Hansetuchbilder, das während des gesamten Sommers in der Stadtgalerie zu sehen war. Dieses Tuch sei auch für ein halbes Jahr nach Demmin ausgeliehen worden und es gebe auch Interesse aus anderen Hansestädten. Zudem seien alle Bilder auf der Homepage der Stadt Lünen zu finden.

  • Im Wendejahr 1989 entstand die Idee, dann kamen die ersten Bilder aus Hansestädten wie Riga. Künstlerin Dace Liela brachte ihr Bild persönlich aus der lettischen Hauptstadt ins Lüner Kulturbüro.
  • Nicht wenige der angeschriebenen Hansestädte führten auch Wettbewerbe unter Künstlern durch, um ihren Beitrag zum Hansetuch zu leisten.
  • So bekam Lünen Bilder aus London, Nowgorod, Danzig, Kaunas (Litauen), Krakau, La Rochelle oder Norwegen. Aber auch zahlreiche deutsche Hansestädte beteiligten sich.
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