Bestatter in Lünen: Coronavirus sorgt für Einschränkungen - „Soziales Netzwerk ist gestört“

hzCorona-Krise

Abschied nehmen, trauern - das ist in Zeiten der Coronakrise auch anders als sonst. Genauso wie der Berufsalltag der Bestatter, wie Markus Merten, Bestattermeister aus Lünen, berichtet.

Lünen

, 24.03.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zu Beerdigungen dürfen derzeit nur die allerengsten Angehörigen kommen. Am Grab muss ausreichend Abstand gehalten werden. Tröstende Umarmungen sind nicht möglich. Trauerhallen und Kirchen sind geschlossen.

„Beinahe jeder Friedhof, jede Stadt hat eigene Regelungen, was die Anzahl der Trauergäste betrifft“, sagt Markus Merten. Seit 2012 leitet er das Familienunternehmen „Kirchhof-Merten“, unterstützt von seiner Frau Chantal und Mitarbeitern.

Höchstzahl der Trauergäste variiert von Stadt zu Stadt

Die Höchstzahl von Trauergästen liegt bei zehn, lieber wäre es den Behörden, wenn es weniger Menschen sind, die dem Verstorbenen das letzte Geleit geben. „Aber das ändert sich beinahe stündlich. In Unna sind nur noch Partner und Verwandte ersten Grades als Trauergäste gestattet, keine Sargträger mehr.“ Die Landesregierung NRW sagt dazu: „Zulässig sind Erd- und Urnenbestattungen sowie Totengebete im engsten Familien- und Freundeskreis.“ So der Erlass von Sonntag (22.3.)

Merten ist mit seinen Kollegen im Kreis Unna im ständigen Austausch. „Durchschnittlich sind zehn Trauergäste oder weniger zugelassen.“ Die Trauernden sollen höchstens zu zweit und mit entsprechendem Abstand zum Grab gehen, so manche Vorgabe. Auch, wenn beispielsweise ein älterer Mensch gestützt werden muss - das kann derzeit nur ein anderer Trauergast tun.

Sowohl auf den städtischen als auch den kirchlichen Friedhöfen sind alle Trauerhallen geschlossen.

Die notwendigen Informationen tauschen Bestatter und Angehörige derzeit per Telefon oder E-Mail aus. Auch wenn keine Trauergottesdienste oder -feiern möglich sind und alles draußen stattfinden muss - „die Pfarrer und Pastöre sind bemüht, schöne und würdige Abschiede zu gestalten. Noch spielt das Wetter zum Glück mit. Wenn es allerdings schechter und kälter wird, wird es wohl auch schwieriger.“

Die üblichen Behördengänge bestehen derzeit auch aus Telefonaten und Mails. „Die Rathäuser und damit die Standesämter in Lünen und Dortmund sind ja auch geschlossen.“ Das Gleiche gilt für die Terminvereinbarung mit den Friedhöfen. Auch dort werde zurzeit im Schichtbetrieb gearbeitet, um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten.

Soziales Netzwerk für Trauernde fehlt derzeit

Merten sieht auch, dass diese Krise und deren Folgen wohl noch einige Zeit andauern werden. „Es ist für Trauernde nicht einfach, dass sie auf die moralisch-psychologische Unterstützung verzichten müssen, weil die sozialen Kontakte auf Eis gelegt sind. Das soziale Netzwerk ist gestört. Die tröstenden Worte des Arbeitskollegen, Umarmungen von Bekannten und Freunden fehlen. Vereinskollegen können nicht mit zur Beerdigung kommen.“

Doch Merten kennt auch eine Alternative, eine Art Trauer(bewältigungs)aufgabe für zu Hause. Wenn die Coronakrise überwunden ist, könne man eine Trauerfeier nachholen, als Art Lebensfeier, bei der ein Foto des Verstorbenen aufgestellt und seine Lieblingsmusik gespielt wird. „Das schlagen wir gerade den Angehörigen vor. Wenn sie das möchten, haben sie nun Zeit zu Hause diese Feier zu planen.“

Auch mit ihren Lieferanten sprechen die Bestatter derzeit nur telefonisch oder halten Kontakt per Mail. „Die Lieferanten stellen die bestellte Ware auf dem Hof ab, wir winken uns zu und sie fahren wieder.“

Schwierig könnte es auf Dauer mit dem Blumenschmuck werden. Die Floristen dürfen zwar wieder verkaufen, aber so Merten, „die Frage ist, wie der Großmarkt damit umgeht, wenn die Floristen insgesamt weniger Blumen benötigen.“

Weil die Arbeit der Bestatter zwar wichtig ist, aber sie aktuell noch nicht sogenannte Schlüsselpersonen sind, ist es schwierig, für die Mitarbeiter Schutzkleidung, Desinfektion und Handschuhe zu besorgen. „Wir versuchen, die Kontakte möglichst gering zu halten und möglichst lange einsatzfähig zu bleiben.“

Lesen Sie jetzt