Lüner Bürgermeisterkandidaten stellten sich den Fragen der Erstwähler

hzKommunalwahl für Erstwähler

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion haben sich die vier Bürgermeister-Kandidaten für Lünen den kritischen Fragen der Abschlussklasse am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium gestellt.

Lünen

, 11.09.2020, 10:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Knapp eineinhalb Stunden dauerte die Podiumsdiskussion zwischen den vier Lüner Bürgermeister-Kandidaten und den Schülern des Abiturjahrgangs am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium (FSG). Aber: „Das hätte ruhig noch eine Doppelstunde so weitergehen können“, sagt der 17-Jährige Julius. „Ich hatte das Gefühl, sie hatten sich gerade warm geredet. Außerdem hätten wir noch viele Fragen gehabt.“

Auf Einladung der Sozialwissenschaftslehrer waren die Kandidaten in die Aula des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums gekommen. Sie alle sind Erstwähler und hatten im Unterricht die Veranstaltung vorbereitet. Somit stellten sich der aktuelle Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns und seine Herausforderer Rainer Schmeltzer (SPD), Christoph Tölle (CDU) und Sascha Gottwald von den Freien Wählern eineinhalb Stunden lang ihren Fragen.

„Ich habe schon gewählt und ärgere mich jetzt. Ich würde gerne nochmal umwählen“, sagt Sarah (17) im Nachgang. „Ich werde auf jeden Fall wählen gehen, um etwas beizutragen. Jetzt weiß ich auch, was ich wählen möchte“, erzählt ihre Mitschülerin Jana (18).

Themen: Klimaschutz, marode Schulen und Digitalisierung

Mit einer Redezeit von jeweils 2,5 Minuten brachten die Kandidaten den jungen Wählern ihre Positionen zu Themen wie Digitalisierung, Umwelt- und Klimaschutz, Mobilität, Gleichstellung von Frauen und Männern oder auch zum Sanierungsbedarf der Schulen nahe.

Während Jürgen Kleine-Frauns als amtierender Bürgermeister im Wesentlichen darstellte, was sich in den vergangenen fünf Jahren alles getan und bewegt hat - „wir haben 160 Millionen Euro für die Stadt investiert und einen Großteil davon in die Schulen gesteckt“ - gaben ihm die anderen Kandidaten viel Gegenwind: In den vergangenen Jahren sei zu wenig passiert, alles dauere zu lange. Und während sich Sascha Gottwald in seinen Redebeiträgen sehr kurz fasste, mussten Christoph Tölle, Rainer Schmeltzer und auch Jürgen Kleine-Frauns regelmäßig per Klingel an das Ende ihrer Redezeit erinnert werden.

Nejla (18, v.l.), Lilli (17), Marlene (17) und Julius (17) dürfen am Sonntag zum ersten Mal wählen. Die Podiumsdiskussion bereitete sie gut darauf vor.

Nejla (18, v.l.), Lilli (17), Marlene (17) und Julius (17) dürfen am Sonntag zum ersten Mal wählen. Die Podiumsdiskussion bereitete sie gut darauf vor. © Kristina Gerstennmaier

Politik sucht Kontakt zur Jugend

Weitgehend Einigkeit herrschte beim Thema Gleichberechtigung: In der CDU-Fraktion gebe es einen guten Mix aus Jung und Alt und auch der Geschlechter, beantwortete Christoph Tölle die entsprechende Frage einer Schülerin. Zwar seien in der Fraktion aktuell unter den 13 Rats-Mitgliedern nur drei Frauen, aber mit der anstehenden Wahl solle sich das ändern.

„Nach dieser Wahl und wenn ich nicht mehr in der Politik tätig bin, wünsche ich mir auch mal eine Frau als Bürgermeisterin“, beantwortete SPD-Kandidat Rainer Schmeltzer die Frage und erntete damit Gelächter aus dem Publikum. Im Übrigen herrsche ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen auf der Direktwahlliste.

Jürgen Kleine-Frauns wies auf einen signifikanten Anstieg von Frauen in der Verwaltung hin und sagte: „Man kann das nur fördern, aber eben nicht erzwingen.“ Sascha Gottwald sprach sich dafür aus, die Gleichberechtigung aktiv mitzugestalten.

Weniger Einigkeit zeigten die Kandidaten bei ihren Antworten auf die Schüler-Frage nach den Zuständen in den Schulgebäuden. Außen bröckelten Kacheln von der Fassade, im Neubau ließe sich nicht lüften, so die Schüler. Während Schmeltzer für den Zusammenschluss der Schülervetretungen plädierte, um so eine Stimme in der Politik zu bekommen, verwies Kleine-Frauns darauf, wie viel die Stadt bereits in Schulsanierungen investiert habe. Was die Fenster angehe, sei das die Verantwortung des Bauträgers. Tölle stimmte den Schülern zu, dass etwas geschehen müsse und versprach, sich für die Einrichtung eines Jugendparlamentes einzusetzen. Sascha Gottwald priorisierte bei den Schulsanierungen die Digitalisierung.

Angst vor Wahl genommen

In der Schlussrunde erklärte Christoph Tölle, dass ihm als jüngster Kandidat in der Runde Jugendthemen sehr wichtig seien. Rainer Schmeltzer erklärte: „Stillstand ist Rückschritt. Es muss alles schneller gehen und wir müssen in die Jugend investieren.“ Jürgen Kleine-Frauns verwies darauf, dass Lünen in einer Überschuldungssituation stecke, die Verwaltung aber trotzdem einen ausgeglichenen Haushalt geschaffen habe. „Wir haben das Schiff in die richtigen Fahrwasser gebracht und wollen den Weg jetzt fortsetzen“, sagte er. Sascha Gottwald formulierte es kurz und knapp: „Es muss wieder Schwung in die Bude kommen.“

Coronabedingt habe es leider sehr wenig solche Veranstaltungen gegeben, bedauerte Jürgen Kleine-Frauns im Anschluss an die Veranstaltung. Außerdem sei es schwer gewesen, den Schülern in so kurzer Zeit, die Zusammenhänge, beispielsweise der Zuständigkeiten von Stadt, Kreis und Land, zu vermitteln.

„Wir haben alle einen guten Eindruck bekommen“, resümierte Julian. „Vorher hatte ich nur eine Tendenz, aber das heute hat mir geholfen, eine Entscheidung zu treffen.“ Marlene ergänzt: „Gerade wegen dieser Veranstaltung werde ich jetzt zur Wahl gehen. Das hat mir die Angst vor der Erstwahl genommen und den Parteiprogrammen ein Gesicht gegeben.“

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