Klimaschutzmanagerin: „Es muss jeder entscheiden, welchen Beitrag er leistet“

hzZiele für Lünen

Sandra Osowski ist seit März die Klimaschutzmanagerin der Stadt. In unserem Interview spricht sie über die Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Verbote will sie dabei vermeiden.

Lünen

, 27.08.2020, 11:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vergangenes Jahr wurde in Lünen der Klimanotstand ausgerufen. Kurze Zeit später beschloss der Rat, einen Klimaschutzmanager einzustellen. Seit März ist Sandra Osowski als Klimaschutzmanagerin der Stadt Lünen im Einsatz. Im Interview sagt sie, wie sie den Klimaschutz in Lünen voranbringen möchte und warum Verbote nicht zielführend sind.
Frau Osowski, was ist ihr Job als Klimaschutzmanagerin?

Als Klimaschutzmanagerin erfülle ich die Aufgabe, ein Klimaschutzkonzept zu erstellen. Dafür gibt es zwei Jahre Zeit. In dieser Zeit geht es darum zu schauen, wie die Ist-Situation in der Stadt ist.

Hierfür gilt es eine CO2-Bilanz zu erstellen, das heißt zu schauen, wie sich die Kohlendioxid-Emissionen im Stadtgebiet verteilen. Da wird man sehen, wie hoch der Prozentsatz der Haushalte, der Wirtschaft, der Kommune und des Verkehrs ist.

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Daraus ergibt sich, wo die größten Handlungsschwerpunkte sind. Auf dieser Basis werden Ziele vorgeschlagen, die mit der Politik abzustimmen sind und daraus werden Projekte entwickelt.

Wie sieht die Ist-Situation in Lünen aus?

Ich habe ich das Gefühl, dass Lünen sehr gut aufgestellt ist. Zum einen hat die Stadt schon einiges auf den Weg gebracht, sei es im Bereich Mobilität bei der Förderung des Radverkehrs oder im Bereich Gebäudeausrüstung.

Da sind Anlagen in einigen öffentlichen Gebäuden schon saniert worden, unter anderem hat man in den letzten Jahren in mehreren Schulen die Heizungsanlagen und die raumlufttechnischen Anlagen optimiert. Auch bei der Beleuchtung und der Warmwasserbereitung ist einiges passiert, vor allem in den Turnhallen.

„In dieser Stadt ist im Bezug auf den Klimaschutz Bewegung. Da will man voran kommen.“

Wenn es um energieeffiziente Gebäudetechnik geht, muss man in Lünen eigentlich immer auch das Lippebad hervorheben, wo es der Bädergesellschaft ja gelungen ist, das erste Hallenbad in Passivbauweise zu errichten.

Zudem ist die Bevölkerung sehr aktiv. Es gibt Liga, Fridays for Future, den ADFC, den Arbeitskreis Umwelt und Heimat, den BUND und noch weitere, die sehr ambitioniert sind. In dieser Stadt ist im Bezug auf den Klimaschutz Bewegung. Da will man voran kommen.

Das geht sicher nur, wenn alle mitmachen.

Ja natürlich. Klimaschutz schafft keiner alleine, das schafft auch kein Klimaschutzmanager. Da besteht oft ein großes Missverständnis. Das können wir nur gemeinsam machen.

Wie überzeugt man die Bürger?

Es ist wichtig dem Bürger nahe zu bringen, dass wir Klimaschutz in den Alltag einbauen können. Es ist nicht gleichzeitig ein Verzicht. Es gibt Bereiche, wo es mir leicht fällt, etwas einfach sein zu lassen. Das müssen wir kommunizieren, Beispiele geben und die Leute mitnehmen.

Also keine Verbotskultur?

Ich mahne nicht, sondern lade ein, dass wir es gemeinsam schaffen können. Es gibt Alternativen. Wenn ich es nicht schaffe, auf mein Fahrzeug zu verzichten, schaffe ich es aber vielleicht am Sonntag die Brötchen mit dem Fahrrad zu holen.

Und wenn ich es nicht schaffe, auf mein Steak zu verzichten, vielleicht fällt es mir aber leicht die Butter – die in der CO2-Bilanz auch nicht gut abschneidet – wegzulassen.

Seit 2015 Klimaschutzmanagerin

Sandra Osowski studierte Raumplanung an der TU Dortmund und spezialisierte sich auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Seit 2015 ist die Diplom-Ingenieurin als Klimaschutzmanagerin tätig. Bevor sie nach Lünen kam, war sie bereits im Schwarzwald und im Kreis Steinfurt für die Erstellung eines kommunalen Klimaschutz-Konzeptes verantwortlich.


Langfristig muss sich jeder entscheiden, welchen Beitrag er leisten möchte. Den gesellschaftlichen Prozess haben wir in den letzten Monaten alle mitbekommen und ich glaube, das wird zunehmen.

Warum glauben Sie das?

Es hat einfach ein Wandel stattgefunden. Als Klimaschutzmanagerin bin ich seit 2015 tätig und vorher war es schwierig, die Leute ins Boot zu holen. Die gleichen Leute denken nun durch diesen gesellschaftlichen Prozess anders.

Sie sind jetzt fast ein halbes Jahr im Amt. Konnten Sie sich denn schon einen Überblick verschaffen?

Ich habe einen Gesamteindruck von den Maßnahmen bekommen, die bisher ergriffen wurden. Tatsächlich konnte ich noch nicht mit allen Stellen zusammenarbeiten.

Ich habe mich mit den Akteuren und Initiatoren des Klimanotstandes ausgetauscht. Wir hoffen, dass wir uns im September nochmal zusammen setzen können.

Welchen Einfluss hat der vom Rat ausgerufene Klimanotstand eigentlich?

Es ist ein Wegbereiter. Er zeigt, dass Klimaschutz ernst genommen wird. Es ist ein Statement, dass Initiatoren und Politik, die dafür abgestimmt haben, dahinter stehen. Es hat große Strahlkraft. Aber es steht auch was dahinter. In den Sitzungsvorlagen wird Klimaschutz mitberücksichtigt. Da sind Fakten geschaffen worden, das ist nicht nur Symbolik.

„Ich bin sehr optimistisch, dass wir die Politik überzeugen können, insofern Überzeugungsarbeit überhaupt notwendig ist.“

Das Thema Geld spielt dabei aber ja auch eine Rolle.

Bisher ist es mir immer gelungen, Fördertöpfe zu finden und Mittel zu akquirieren. Die Bundesregierung regelt da eher nach. Insofern bin ich da sehr optimistisch, dass wir die Politik überzeugen können, insofern Überzeugungsarbeit überhaupt notwendig ist.

Wie wichtig ist die Stellschraube der Sanierung von Gebäuden?

Sie ist eine von vielen. Da betrifft es den Bereich Wärme. Wärme ist Energieverbrauch, das macht einen großen Prozentsatz der CO2-Emissionen aus. Das heißt, wir können da tatsächlich runterschrauben. Das betrifft die Kommune mit den eigenen Gebäuden, wo wir als Vorbild voran gehen wollen. Das betrifft aber auch jeden anderen. Wir heizen alle.

Was ist das Besondere an der Arbeit in Lünen?

Was ich toll finde, ist die Bürgerschaft. Die Lüner wollten mich kennenlernen, haben angerufen und sind interessiert. Ich habe den Eindruck die Bürger wollen mir nichts überstülpen, sondern gemeinsam etwas bewegen.

Ich habe das Gefühl, dass Lünen als Gesamtheit – auch Politik und Verwaltung – wirklich etwas bewegen wollen. Dann kann man etwas voranbringen und Ergebnisse erzeugen.

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