Lüner Frauenärzte: Auch Jungen bis 14 Jahren sollten sich gegen HP-Viren impfen lassen

hzKrebs-Vorsorge

Jungen beim Frauenarzt? Das könnte öfter vorkommen, denn nicht nur Mädchen sollten sich gegen die gefährlichen HP-Viren impfen lassen. Lüner Frauenärzte appellieren an die Eltern.

Lünen

, 23.01.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bis zu 7000 Neuerkrankungen und 1700 Todesfälle jedes Jahr - der Gebärmutterhalskrebs trifft bundesweit viele Frauen. Ursache - nicht nur - dieses Krebses sind „humane Papillomviren“ (HPV), die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden.

Damit das Risiko für eine Übertragung und damit für eine Krebserkrankung sinkt, gibt es seit einiger Zeit für Mädchen vom neunten bis zum 14. Lebensjahr eine Impfung gegen die HP-Viren. Seit einem Jahr zahlen die Krankenkassen diese Impfung auch für Jungen im selben Alter. „Sie sind nicht nur später Überträger der Viren. Sie können sie auch von ihren Partnerinnen übertragen bekommen und dann dadurch an anderen Krebs-Arten erkranken“, erläutert die Lüner Frauenärztin Dr. Hildegard Gröner-Engels.

Frauenärztin impfte auch Jungen

In ihrer Praxis hat sie im vergangenen Jahr nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen geimpft. „Wenn Mütter mir von ihren Söhnen erzählt haben, hab ich sie informiert, dass auch die Jungen geimpft werden sollten.“

Auch Haus- und Kinderärzte können die Kinder gegen HP-Viren impfen, so die Lüner Gynäkologin.

Dennoch sei eine Zahl erschreckend, sagt sie: „Bisher sind deutschlandweit nur 45 Prozent der Mädchen im entsprechenden Alter gegen die HP-Viren geimpft.“ Dabei sei diese Impfung eine Krebsvorsorge im wahrsten Sinn des Wortes. HPV kann Krebs im Genital-, Anal- und im Kopf-Hals-Bereich sowie Genitalwarzen verursachen.

Im europäischen Ausland konnten sich Jungen schon länger auch gegen die HP-Viren impfen lassen. Die Krankenkassen in Deutschland zahlen diese Impfung für männliche Jugendliche seit dem 1. Januar 2019.

Lüner Frauenärzte: Auch Jungen bis 14 Jahren sollten sich gegen HP-Viren impfen lassen

Dr. Donat Roman, Chefarzt der Gynäkologie am St.-Marien-Hospital, appelliert an die Eltern, ihre Kinder gegen die humanen Papillomviren impfen zu lassen. © Beate Rottgardt

Für die Impfung spricht sich auch Dr. Donat Roman aus. Der Chefarzt der Gynäkologie im St.-Marien-Hospital, sieht darin eine wichtige Vorsorgemaßnahme. „Sollten tatsächlich flächendeckend einmal alle Mädchen und Jungen geimpft sein, würden irgendwann die Früherkennungs-Untersuchungen bei Gebärmutterhalskrebs überflüssig werden.“

„Leider wissen viele Eltern gar nicht, dass es diese Impfung gibt oder auch, dass die Impfung auch für Jungen sinvoll ist“, so der Chefarzt. Denn das gefährliche Virus „springt hin und her“. Frauen können Männer damit infizieren und umgekehrt.

Es habe allerdings lange gedauert, bis es wissenschaftlich erwiesen war, dass die humanen Papillomviren Krebs auslösen können. Die Viren können künftig bei einem neuen Früherkennungs-Screening nachgewiesen werden. Dafür ändert sich bei der Krebsvorsorge die Art des Abstriches.

Häufig sind Frauen zwischen 35 und 55 Jahren betroffen

Wie gefährlich Gebärmutterhalskrebs ist, zeigt sich an einer berühmten Betroffenen, die noch heute in Argentinien veehrt wird. „Evita Peron ist mit nur 35 Jahren an dieser Krankheit gestorben“, so Roman. Inzwischen ist man sicher, dass auch bei ihr der Krebs durch HPV entstanden ist.

Diese Krebsart tritt vor allem bei Frauen im Alter zwischen 35 und 55 Jahren auf, so der Chefarzt. Deshalb wird die Früherkennungs-Untersuchung bei Frauen zwischen 35 und 65 Jahren ab diesem Jahr auch erweitert.

Jedes Jahr zur Vorsorge gehen

Hildegard Gröner-Engels findet es wichtig, dass Frauen nach wie vor jedes Jahr zur Krebsvorsorge gehen, bei der es auch um eine Früherkennung von Brustkrebs geht. Sie sieht in dem bundesweiten neuen Programm zur Erkennung von Gebärmutterhalskrebs den Sinn, noch mehr Frauen zu bewegen, die Krebsvorsorge wahrzunehmen.

Die Krankenkassen laden ab diesem Jahr die Frauen ab dem 20. Lebensjahr zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs ein. Unabhängig von diesem Schreiben können Frauen die Früherkennungs-Untersuchungen jährlich und auch über das 65. Lebensjahr hinaus in Anspruch nehmen. Sie haben jährlich Anspruch auf eine Untersuchung bei ihrem Gynäkologen.

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