Lüner Gastro-Szene: Hingehen! Ausprobieren! Weitererzählen!

hzMeinung am Mittwoch

In Lünen machen Lokale auf und wieder zu. Erfolgreich sind familiengeführte Traditionsrestaurants. Warum? Das fragt sich Björn Schreiter und gibt Tipps, wie man die Gastro-Szene bereichert.

von Björn Schreiter

Lünen

, 14.08.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Da hat ein neues Restaurant aufgemacht. Das sollten wir mal ausprobieren,“ sagte meine Frau bei der Lektüre der Ruhr Nachrichten. Als ich bereits ein halbes Jahr später die Idee in die Tat umsetzen wollte, meinte sie „das hat schon wieder dicht gemacht.“

Haben Sie auch das Gefühl, dass in Lünen besonders häufig Lokale auf- und gleich wieder zu machen? Da ploppen mehrere Burger-Läden in kürzester Zeit auf, wechseln mehrfach die Besitzer und schließen am Ende doch. Steakhäuser imitieren den 800°-Hype und bleiben erfolglos auf der Strecke (selbst das Original in Dortmund gibt es nicht mehr).

Lüner Gastro-Szene: Hingehen! Ausprobieren! Weitererzählen!

Gastautor Björn Schreiter. © Quiring-Lategahn

Gastautor Björn Schreiter ist Architekt in Lünen.

Erfolgreich behaupten sich neben großen Ketten allein die familiär geführten Traditionsrestaurants. Warum ist das so? Liegt es an der langjährigen Beziehung zu den Stammkunden? Vermutlich ja. Liegt es an der gleichbleibenden Speisekarte? Vermutlich ja.

Hat neue Gastronomie keine Zukunft?

Liegt es am aufopferungsvollen Einsatz der Betreiber ohne Blick auf die eigene Arbeitszeit und den resultierenden Stundenlohn? Vermutlich auch das. Bedeutet das umgekehrt, dass neue Gastronomie keine Zukunft hat? Diese Frage müssen wir uns stellen, wenn in den kommenden Jahren die verbleibenden Wirte dem Beispiel Rocco Tedescos folgen und in den verdienten Ruhestand gehen.

Den mutigen Existenzgründern kann man nur empfehlen, nicht gleich auf jeden Trend aufzuspringen, sondern ihrem Konzept eine solide Basis zu geben, Orte zu schaffen, an denen Gäste sich gerne aufhalten und freundlichen Service zu bieten.

So könnten sie die nächste Generation von Traditionsrestaurants begründen.

Was Politik und Verwaltung tun können

Politik und Verwaltung können unterstützen, indem Gastronomie in der Innenstadt nicht nur geduldet, sondern - vor dem Hintergrund des Rückzugs des Einzelhandels - als zentrale Attraktion verankert wird.

Und was können wir tun? Hingehen! Ausprobieren! Sagen und weitererzählen, wenn es gut war. Konstruktiv Kritik üben, wenn etwas nicht den Erwartungen entsprochen hat. Eine zweite Chance geben.

Wie beim Einzelhandel gilt: Wenn wir nicht hingehen, brauchen wir uns nicht zu beklagen, sollten wir keine Gastronomie mehr haben.

An dieser Stelle schreiben jeden Mittwoch im Wechsel unsere Gastautoren. Es sind:
  • Kira Engel, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen
  • Maren Feldmann, Geschäftsführerin Küchen Schmidt
  • Marie Hirschberg, Studentin, ausgezeichnet mit dem Förderpreis Kultur der Stadt Lünen
  • Hein Werner Kleine, Chemielaborant und Kunstsammler
  • Björn Schreiter, Architekt
  • Kevin Tigges, Studienreferendar und Akteur bei der „Abgedreht! Filmcrew“
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